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Trigger_Happy_Dad

Die Seeschlacht vor dem Skagerrak am 31. Mai 1916

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Anmerkung:

Dieser Text wurde 1917 geschrieben und beinhaltet Propaganda und Gedankengut der damaligen Zeit.

Dies ist dennoch ein sehr interessantes Dokument welches sehr gut die Komplexität und die Atmosphäre der damaligen Seeschlacht vermittelt.

 

Der Text ist public domain und online unter folgenden Adressen frei verfügbar:

http://digital.staatsbibliothek-berlin.de/werkansicht/?PPN=PPN734849923&PHYSID=PHYS_0005

http://www.europeana1914-1918.eu/de/europeana/record/9200231/BibliographicResource_2000092036300

Ich habe den Text der digitalen Staatsbibliothek Berlin für dieses Thema übernommen, den Text editiert, korrigiert,

Karten und Links zu Abbildungen von Personen und Schiffen und Wikipedia-Artikeln und ein paar weitere Bilder und Schiffsnamen eingefügt und wünsche euch nun viel Spaß beim Lesen!  :honoring:

_________________________________________________________________________________________________________________________________________________________________

 

Die Seeschlacht vor dem Skagerrak am 31. Mai 1916

(von Eugen Kalau vom Hofe, Konteradmiral a. D.)

 

Schwer lastete auf der deutschen Hochseeflotte der Druck der ihr durch die strategische Lage auferlegten Untätigkeit. Bei ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit durfte sie mit Aussicht auf Erfolg die versammelte englische Übermacht unmittelbar vor deren Flottenstützpunkten zum Kampfe nicht herausfordern.

 

Selbst nach glücklichem Verlauf der Seeschlacht mußten auf dem unvermeidlichen, langdauernden Rückmarsch nach Helgoland die havarierten deutschen Schiffe eine Beute der zahlreichen englischen U-Boote und Zerstörer werden. In der Tat waren die deutschen Besatzungen der  Hochseeflotte keineswegs untätig; die Aufrechterhaltung der vollen Kampfbereitschaft stellte an ihre Kräfte hohe Anforderungen, die häufigen Fahrten der Flotte durch das von englischen Minen verseuchte Gebiet bis zur englischen Küste und zum Skagerrak bedeuteten große Leistungen.

 

Aber angesichts des siegreichen Vordringens unserer Heere in Feindesland, angesichts der Heldentaten unserer Kreuzer und U-Boote konnte keine Zufriedenheit auf-kommen;

die ganze Erziehung unserer Marine, ihr kriegerischer, kampffreudiger Geist waren dem entgegen.

Hoffnungsvoll, daß es doch einmal zur Abrechnung mit dem verhaßten, hochmütigen Engländer kommen könnte, verließ die deutsche Hochseeflotte am 31. Mai 1916 mit Hellwerden die Reede von Wilhelmshaven.

 

Die Kreuzer streiften weit voraus nach Norden. Auf ihnen allein ruhte der Aufklärungsdienst, da diesmal eine dichte graue Wolkenschicht
eine Mitwirkung der Luftschiffe und Wasserflugzeuge leider ausschloß. Mittags hatte die Flotte Horns Riff passiert.

Ein leichter Nordwestwind hatte sich erhoben, Regenschauer gingen nieder; nachmittags brach auch die Sonne zuweilen durch die Wolken.

 

Das Wetter schien sich aufklären zu wollen. Da, um 4 ½ (16:30) Uhr nachmittags flog die Meldung durch die Flotte, daß feindliche Kreuzer im Norden in Sicht gekommen wären. Von einem Torpedoboot, das auf dem linken Flügel der Aufklärungslinie einen fremden Dampfer untersuchte, waren im Westen mehrere englische Kreuzer und Zerstörer entdeckt worden.

 

Zur selben Zeit hatte der Ausguck des Kleinen Kreuzers „Frankfurt" von der Höhe seines Krähennestes im Norden eine englische Kreuzergruppe von vier Schiffen, begleitet von einer großen Zahl von Zerstörern, erspäht, die mit höchster Fahrt nach Süden steuerte. Als Antwort auf die Meldung von diesen Beobachtungen erfolgte der Befehl des Führers der Aufklärungsstreitkräfte, des Vizeadmirals Hipper, zum Angriff.

 

Karte 1  - Positionen der Flotten am 31. Mai 1916 am frühen Nachmittag 

00000185uxpan.jpg

 

Die Kreuzer versammelten sich so schnell als möglich in ihren Verbänden bei den Admiralsschiffen, die bereits die Richtung nach dem Feinde zu aufgenommen hatten. Die englischen Kreuzer hatten auch ihrerseits den Feind entdeckt, waren, nachdem sie seine Überlegenheit festgestellt hatten, abgedreht und jagten in nordwestlicher Richtung davon, einige Schüsse wurden auf sehr weite Entfernung gewechselt, die aber wohl niemand wehe getan haben werden.

 

Ihrem Führer, dem Vizeadmiral Beatty, der, ohne vom Feinde etwas gesehen oder gehört zu haben, mit nördlichem Kurse von einer Fahrt nach der südlichen Nordsee zu rückkehrte und dessen Flaggschiff etwa 100 Seemeilen westlich von Hanstholm angekommen war, konnten sie um 4,35 Uhr nicht nur das Sichten des Feindes, sondern auch dessen Anwesenheit mit beträchtlichen Streitkräften melden. 

 

Mit äußerster Kraft folgten die deutschen Kreuzer, voran die II. Aufklärungsgruppe mit den Torpedobootsflottillen, dann die I. Aufklärungsgruppe,

bestehend aus den großen Kreuzern unter persönlicher Führung des Vizeadmirals Hipper.


Die verschiedenen Geschwader und Flottillen der englischen Armada hatten bereits am 30. Mai ihre Häfen und Ankerplätze verlassen, um die deutsche Hochseeflotte anzugreifen, wenn sie wieder einen Überfall auf die Kriegshäfen der englischen Ostküste unternehmen sollte, worauf ihre verschiedentlich gemeldete große Rührigkeit in der letzten Maiwoche westlich von Helgoland zu deuten schien.

 

 Der Erste Lord der englischen Admiralität hatte sogar zur allgemeinen Beruhigung der Bevölkerung in einem Brief an die Bürgermeister von Parmouth und Lowestoft vom 8. Mai eine Änderung der Seestrategie angekündigt, dahingehend, daß ein besonderes Geschwader vor dem südlichen Teil der Ostküste stationiert werden, und daß die Grand Fleet hinfort große Freiheit zur Entfaltung ihrer Macht haben sollte.


Unter Führung des Admirals Jellicoe dampfte die versammelte englische Linienschiffsflotte seit dem 30. Mai mittags zwischen Schottland und der Südspitze Norwegens auf und ab; weiter südlich, so daß ein gemeinschaftliches Handeln jederzeit möglich war, stand die Masse der englischen Kreuzerflotte, die Aufklärungsgruppen weiter vorgeschickt hatte, um rechtzeitig die Bewegungen der deutschen Flotte auszukundschaften.


Die Hauptflotte bestand aus dem I., II. und IV. Linienschiffsgeschwader, dem 1. und 2. Kreuzergeschwader, dem 4. Leichten Kreuzergeschwader und der 11. und 12. Zerstörerflottille. Das III. Linienschiffsgeschwader, bestehend aus 12 Linienschiffen der King-Edward-Klasse und einigen älteren Dreadnoughts, war mit der Absicht nach der Themse entsandt worden, die deutsche Hochseeflotte bei ihrem möglichen Vorstoß nach Westen in einen Kampf zu verwickeln und sie so lange festzuhalten, bis die Armada von Norden her in ihrem Rücken erscheinen konnte.

 

Dem Vizeadmiral Beatty, dem das 1. Und 2. Schlachtkreuzergeschwader, das 1., 2. und 3. Leichte Kreuzergeschwader sowie die 1., 9., 10. und 13. Zerstörerflottille unterstellt waren, war außerdem das V. Linienschiffsgeschwader, das die fünf schnellsten, mit 38-cm-Kanonen armierten Schiffe der englischen Flotte enthielt, zugeteilt, um ihn zu befähigen, entweder dem angegriffenen III. Linienschiffsgeschwader im Süden schnelle Hilfe zu bringen oder, falls die deutsche Flotte einen Vorstoß nach dem Skagerrak ausführen sollte, ihr bei Horns Riff den Rückweg zu verlegen oder sie sonst in einen Kampf zu verwickeln, der das Eingreifen der versammelten Armada ermöglichte.

 

Die hohe Verbandsgeschwindigkeit der ihm unterstellten Gruppen, deren Schiffe alle mehr als 23 Seemeilen in der Stunde laufen konnten, bot
die denkbar größte Sicherheit für das Gelingen eines dieser Pläne und gestattete dem Vizeadmiral Beatty, sich im ungünstigen Falle aus der Klemme zu ziehen.

Wenn sich eine größere Zahl von schnellen Kreuzern mit äußerster Kraft in Bewegung setzt, so bezeichnet ihren Weg alsbald eine dicke schwarze Wolke, die sich aus dem Rauch ihrer vielen Schornsteine zusammenballt und lange Zeit hoch am Himmel sichtbar bleibt.

 

Bereits eins Stunde hatte die Kreuzerjagd am Nachmittage des 31. Mai 1916 in nordwestlicher Richtung gedauert, als der deutsche Führer im Westen  und der englische Führer im Osten einer starken Rauchwolke ansichtig wurden die sofort begann, eine magische Anziehungskraft auf ihre Geschwader auszuüben. Admiral Hipper entdeckte auf dem hellen Hintergrund des Westhimmels zwei Gruppen von Kriegsschiffen, die einen südöstlichen Kurs zu steuern schienen. Alsbald wendete er seine Schiffe auf diesen beachtenswerteren Gegner zu und ging mit höchster Geschwindigkeit an ihn heran.


Um 5 Uhr 49  Minuten nachmittags (17:59), als die Spitze der deutschen Hochseeflotte wohl noch 40 Seemeilen südlicher stand, begann der Kampf der schweren Artillerie gleichzeitig auf den beiden mit südöstlichem Kurse und in einer Entfernung von etwa 13 000 m dahinfahrenden Gefechtslinien. Auf deutscher Seite führte Vizeadmiral Hipper auf seinem Flaggschiff „Lützow" die großen Kreuzer „Derfflinger", „Moltke", „Seydlitz" und „von der Tann"; in einem größeren Abstand schlossen sich die Kleinen Kreuzer der II.Aufklärungsgruppe mit den Torpedobootsflottillen an, die vorher noch zwei feindliche Kreuzergruppen und Zerstörer im Westen gesichtet hatten.

 

Bei den Engländern folgten hinter dem Flaggschiff „Lion" drei weitere Schlachtkreuzer seiner Art und zwei von der Indefatigable-Klasse.

Das 2. Leichte Kreuzergeschwader, das von den deutschen Kreuzern gejagt worden war, hatte sich vor die Spitze der englischen Schlachtlinie gesetzt,  das 1. und 3. Leichte Kreuzergeschwader, das waren die zuletzt gesichteten, folgten mit den Zerstörerflottillen.

 

Das V. Schnelle Linienschiffsgeschwader unter Befehl des Konteradmirals Evan Thomas, das zwischen der Hauptflotte und den Schlachtkreuzern gestanden hatte, näherte sich mit höchster Fahrt von Nordwest her dem Kampfplatze, konnte aber erst nach einer halben Stunde das Feuer eröffnen, da der Vizeadmiral Beatty mit äußerster Maschinenkraft vorauszukommen suchte, um die deutschen Kreuzer von dem Kurse auf Horns Riff abzudrängen.

 

Der Kampf der schweren Artillerie der beiden Schlachtkreuzerlinien wurde mit äußerster Energie geführt. Auf deutscher Seite waren vierundvierzig
30,5- und 28-cm-Geschütze, auf englischer Seite achtundvierzig 34,3- und 30,5-cm-Geschütze in voller Tätigkeit. Salve folgte auf Salve.

 

Lützow während der Schlacht

2jwlr6dwua7.jpg

 

Die Beleuchtung war günstig und die See ruhig. Auf beiden Seiten wurden bald Treffer beobachtet. Mächtige Stich flammen mit verheerender Brandwirkung zischten lohend aus den Sprengwolken der Riesengeschosse. Dichter Hagel  schwerer Sprengstücke fiel auf die Decks, die Türme, Schornsteine und Aufbauten, alles zerschmetternd, was er traf. Die mächtigen Schiffe erzitterten unter der Wucht der Explosion der in ihrer Nähe einschlagenden Salven, die Wassermassen bis zur Masthöhe emporschleuderten.

 

Nach etwa viertelstündigem Feuerkampf, bald nach 6 Uhr (18:00), erfolgte auf dem Schlußschiff der englischen Linie, dem Schlachtkreuzer „Indefatigable", eine gewaltige Explosion.

Eine dicke schwarze Wolke hüllte das ganze Schiff ein, stieg mehrere 100 Meter auf und verbarg den grauenvollen Zusammenbruch und Untergang dieses mächtigen Schiffes vor den Augen der Kämpfenden.

 

"Indefatigableexplodiert, die Aufnahme wurde von der "New Zealand" aus gemacht:

indefatigable-detonat2dq1t.jpg


Dieser Erfolg brachte den deutschen Kreuzern eine fühlbare Erleichterung. Sie hatten ihre Kräfte aufs höchste angespannt, um vor dem Eingreifen der herankommenden schnellen Linienschiffe die englischen Schlachtkreuzer niederzuringen. 

 

Auf etwa 20 000 m Entfernung hatten die 38-cm-Kanonen dieser Linienschiffe bereits das Feuer auf die deutschen Kleinen Kreuzer und sammelnden Torpedobootsflottillen eröffnet, dem diese seitwärts auswichen, sie nahmen darauf die Schlußschiffe der Großen Kreuzer unter Feuer, konnten aber nicht verhindern, daß um 6,20 Uhr (18:20) abermals ein feindlicher Schlachtkreuzer in die Luft flog. Es war der dritte von der Spitze, wie sich später herausstellte, die „Queen Mary". Eine volle Salve hatte sie getroffen; ihre Pulverkammern fingen Feuer und vollendeten augenblicklich die Zerstörung. Das Meer bebte, Masten und Schornsteine knickten zusammen, Schiffsteile wie Geschütztürme sprangen bis zu 100 Meter hoch in die Luft; alles wurde in wenigen Sekunden in eine dicke schwarze Wolke eingehüllt, die, auf dem Wasser so breit wie das Schiff lang, wie eine gewaltige Wasserhose sich bis zu 1000 Meter Höhe aufreckte.

 

hms-queen-mary-sinkinkcsh2.jpg

 

 Aus der schwarzen, wallenden Säule brachen rote und grüngelbe Stichflammen blitzartig hervor, ein schauerlicher Anblick. In weitem Bogen wichen die Hintermänner dieser Stelle des Unglücks und der sich lange halten den Rauch- und Dunstgarbe aus.

 

Karte 2 - Gefecht der Schlachtkreuzer

00000189gbquz.jpg

 

Vizeadmiral Beatty  hatte, um sich Luft zu machen, schon einige Minuten vorher seinen Zerstörerflottillen Befehl gegeben, die I. Aufklärungsgruppe mit Torpedos anzugreifen.

Mit höchster Geschwindigkeit liefen die englischen Zerstörer vor der Spitze ihrer Schlachtkreuzer herum auf die deutschen Schiffe zu.

...

Edited by Trigger_Happy_Dad
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Ersteinmal ein Fettes + schon vor dem eigentlichen Lesen. Wer sich solche Arbeit macht hast sich verdient.:honoring:

 

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Sehr schön...da sieht man auch mal wie der unmittelbare Eindruck abweicht von der historischen Realität...geschweige denn von der einstufung der historischen Dimension der Seeschlacht...

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Sehr schön...da sieht man auch mal wie der unmittelbare Eindruck abweicht von der historischen Realität...geschweige denn von der einstufung der historischen Dimension der Seeschlacht...

 

Die da wären?

 

Also nackte Zahlen betrachtend, muss man sagen, dass die Hochseeflotte mehr Schiffe (vor allem mehr Großeinheiten) zerstörte, als umgekehrt die Grand Fleet. Von daher würde ich die Schlacht schon als "leichten Sieg" für die Hochseeflotte, vor allem unter dem Gesichtspunkt der zahlenmäígen Unterlegenheit und der schwächeren Position, werten. Darüber hinaus hat die Grand Fleet bei weitem mehr Personal verloren, als die Hochseeflotte.

Und ein Funken Wahrheit liegt schon in der Abschlussbetrachtung- dank dem besseren Material der Hochseeflotte konnte diese gut dagegenhalten. In Sachen Panzerung und vor allem Trefferleistung/Genauigkeit/Wirkung der Hauptartillerie mussten sich die deutschen schweren Einheiten nicht verstecken. Die deutschen 28cm und 30,5cm waren jeweil ebenbürtig, wenn nicht den britischen "nächst-schwereren" Äquivalenten überlegen.

 

@ TE

 

Vielen Dank für den Bericht! :honoring:

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Sehr schön...da sieht man auch mal wie der unmittelbare Eindruck abweicht von der historischen Realität...geschweige denn von der einstufung der historischen Dimension der Seeschlacht...

 

Auf jeden Fall war es eine beeindruckende Schlacht, und der Text gibt ganz gut die damalige Stimmung dazu wieder. :honoring:

 

Obendrein liest sich der Bericht von von Eugen Kalau vom Hofe viel spannender als so manch anderer Berichte über die Schlacht. ;)

 

Im 30,5-cm-Geschützturm eines Großkampfschiffes während der Schlacht (nach einem Aquarell von Claus Bergen)

impanzerturmeinesgros0isyt.jpg

 

 

zahlenkxuhy.jpg

http://de.wikipedia.org/wiki/Skagerrakschlacht

.

.

.

Auch interessant: Skagerrak! Der Ruhmestag der deutschen Flotte (1916)

Edited by Trigger_Happy_Dad
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 Also nackte Zahlen betrachtend, muss man sagen, dass die Hochseeflotte mehr Schiffe (vor allem mehr Großeinheiten) zerstörte, als umgekehrt die Grand Fleet. Von daher würde ich die Schlacht schon als "leichten Sieg" für die Hochseeflotte, vor allem unter dem Gesichtspunkt der zahlenmäígen Unterlegenheit und der schwächeren Position, werten

 

Schlachten werden nie geführt, um gegnerisches Material zu vernichten, sondern um strategische Ziele zu erreichen.

In diesem Gefecht ging es letztlich um die Seehoheit im Atlantik - für die Engländer war der Nachschub aus Übersee überlebensnotwendig, wohingegen die Deutschen unter dem Erliegen des Seehandels schwer litten.

 

Der Status Quo zum Zeitpunkt des Gefechts war also durchaus im Sinne der Engländer, und so erklärt sich auch Jellicoes Zaghaftigkeit: Es gab einfach keine Notwendigkeit für die Engländer, die deutsche Flotte entscheidend zu beschädigen, solange man ihren Bewegungsspielraum auf die Deutsche Bucht und ein Stückchen Nordsee einschränken konnte.

 

Aus deutscher Sicht war die Skagerrak-Schlacht also höchstens ein 'schwaches' Unentschieden, da die Lage nach dem Gefecht genauso nachteilig war wie zuvor. Bei einem Tonnagevorteil von etwa 2:1 hätten sich die Engländer auch mühelos weitere solcher Gefechte leisten können, ohne dass ihre strategische Position in Gefahr geraten wäre.

 

Dessenungeachtet war der englische Stolz als Seefahrer-Nation durchaus angeknackst, weil man sich von den als eher landgängig bekannten Deutschen so vorführen liess und anschliessend den Schwanz einkniff - ich meine mich erinnern zu können, dass Jellicoe nur knapp einem Militärgericht entgangen ist.

 

Ansonsten: Schöne Primärquelle, mit einem Auge aus Sicht der Protagonisten und dem anderen aus geschichtlicher Distanz gelesen besonders spannend. '+' muss :honoring:

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Schlachten werden nie geführt, um gegnerisches Material zu vernichten, sondern um strategische Ziele zu erreichen.

In diesem Gefecht ging es letztlich um die Seehoheit im Atlantik - für die Engländer war der Nachschub aus Übersee überlebensnotwendig, wohingegen die Deutschen unter dem Erliegen des Seehandels schwer litten.

 

Der Status Quo zum Zeitpunkt des Gefechts war also durchaus im Sinne der Engländer, und so erklärt sich auch Jellicoes Zaghaftigkeit: Es gab einfach keine Notwendigkeit für die Engländer, die deutsche Flotte entscheidend zu beschädigen, solange man ihren Bewegungsspielraum auf die Deutsche Bucht und ein Stückchen Nordsee einschränken konnte.

 

Aus deutscher Sicht war die Skagerrak-Schlacht also höchstens ein 'schwaches' Unentschieden, da die Lage nach dem Gefecht genauso nachteilig war wie zuvor. Bei einem Tonnagevorteil von etwa 2:1 hätten sich die Engländer auch mühelos weitere solcher Gefechte leisten können, ohne dass ihre strategische Position in Gefahr geraten wäre.

 

Dessen ungeachtet war der englische Stolz als Seefahrer-Nation durchaus angeknackst, weil man sich von den als eher landgängig bekannten Deutschen so vorführen liess und anschliessend den Schwanz einkniff - ich meine mich erinnern zu können, dass Jellicoe nur knapp einem Militärgericht entgangen ist.

 

Ansonsten: Schöne Primärquelle, mit einem Auge aus Sicht der Protagonisten und dem anderen aus geschichtlicher Distanz gelesen besonders spannend. '+' muss :honoring:

 

Sehr schön formuliert, danke! :)

 

Du hast vollkommen recht, die britische Grand Fleet meldete schon am 2. Juni 22 ihrer 24 "Dreadnoughts" wieder einsatzbereit,

während die deutsche Hochseeflotte nach der Schlacht nur 8 ihrer 16 Dreadnoughts und 2 ihrer 5 großen Kreuzer (Schlachtkreuzer) einsatzbereit melden konnte.

 

Interessant sind auch die errechneten Trefferquoten während der Schlacht, 

die Deutschen verschossen insgesamt 3.597 Granaten wovon 122 ihr Ziel fanden, 85 davon waren schwere Granaten, das entspricht einer Trefferquote von 3,39 %. 

Die Briten verschossen insgesamt 4.480 Granaten, 123 trafen ihr Ziel, darunter waren 102 schwere Granaten, die Trefferquote lag somit bei 2,75 %.

 

treffer27u5l.jpg

Quelle: British Dreadnought vs German Dreadnought - Jutland 1916

 

 

Derfflinger, Steuerbordseite nach der Schlacht, siehe zerstörtes 15 cm SK L/45 Geschütz:

derfflinger-150mm-damw2ulx.jpg

  

Großer Kurfürst, nach der Schlacht, Schäden an Deck:

grkurfurst5sumw.jpg

 

Gefechstschäden der S.M.S. Seydlitz nach der Sakerrak-Schlacht 1916:

 

2509.32564.originalldb57.jpg

 

2509.32557.original8kbjn.jpg

 

2509.32551.originalp6lky.jpg

 

2509.32554.original32z2z.jpg

 

2509.32563.original56l6c.jpg

 

 

Quelle: http://www.europeana1914-1918.eu/de/contributions/2509

 

S.M.S. Seydlitz brennend wärend der Skagerrak-Schlacht am 31.05.1916.

S.M.S. Seydlitz brennend wärend der Skagerrak-Schlacht am 31.05.1916

S.M.S. Seydlitz auf dem Rückmarsch von der Skagerrak-Schlacht am 01.06.1916.

S.M.S. Seydlitz vor Wilhelmshafen. Pumpendampfer sind längsseits gegangen um das Schiff so zu erleichtern, daß es überhaupt die Schleuse passieren kann.

S.M.S. Seydlitz nach der Rückkehr aus der Skagerrak-Schlacht in der Schleuse zu Wilhelmshafen. Das Schiff erhielt während der Schlacht 24 Artillerie- und einen Torpedotreffer!

Mit über 5000 t. Wasser im Schiff, erreichte die Seydlitz - tlw. rückwärts laufend (um ein brechen der Schotten im Vorschiff zu verhindern!) - den Heimathafen - mit 98 Toten an Bord!

Im Hintergrund oben links erkennt man den schwer Beschädigten Großen Kreuzer Derfflinger (17 Volltreffer!) und in der Nachbarschleuse rechts ein Linienschiff der "Kaiser"-Klasse.

 

f49fdd95tzubg.jpg

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Schlachten werden nie geführt, um gegnerisches Material zu vernichten, sondern um strategische Ziele zu erreichen.

 

Verdun?

Falkenhayns Geschwafel vom "Weißbluten des Gegners"?

 

Manchmal ist das "Ziel" eben doch die Vernichtung feindlichen Materials, sowohl technischen als auch menschlichen.

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Verdun?

Falkenhayns Geschwafel vom "Weißbluten des Gegners"?

 

Manchmal ist das "Ziel" eben doch die Vernichtung feindlichen Materials, sowohl technischen als auch menschlichen.

 

Falkenhayns Plan für Verdun steht exemplarisch für das Versagen der Generalstäbe - eigentlich aller am WK1 beteiligten Nationen - im Hinblick auf die Veränderungen, die das industrielle Zeitalter für die Kriegführung bedeutete.

Das 'Weissbluten' war keine Strategie, sondern das Eingeständnis, keinerlei strategischen Weg zu einem Sieg aufzeigen zu können. (Ob es einen gegeben hätte, sei mal dahingestellt.)

 

Um mal Clausewitz (frei) zu zitieren: "Strategie ist der Gebrauch von Schlachten zu dem Zweck, den Krieg zu gewinnen".

Falkenhayn wollte die eine Schlacht bei Verdun so lange führen, bis halt keine Gegner mehr übrig waren - das hat das strategische Niveau von zwei Typen, die sich so lange mit der Faust ins Gesicht schlagen, bis einer nicht mehr aufsteht. Mit anderen Worten: Gar keins.

 

Und dieses vernichtende Urteil kann man schon fällen ohne zu berücksichtigen, dass er diesen reinen Abnutzungskrieg als Plan für das materiell wie personell unterlegene Deutsche Reich auserkoren hat - kaum zu glauben, dass diese Type an der Planung von Tannenberg beteiligt war:amazed:.

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Falkenhayns Plan für Verdun steht exemplarisch für das Versagen der Generalstäbe - eigentlich aller am WK1 beteiligten Nationen - im Hinblick auf die Veränderungen, die das industrielle Zeitalter für die Kriegführung bedeutete.

Das 'Weissbluten' war keine Strategie, sondern das Eingeständnis, keinerlei strategischen Weg zu einem Sieg aufzeigen zu können. (Ob es einen gegeben hätte, sei mal dahingestellt.)

 

Um mal Clausewitz (frei) zu zitieren: "Strategie ist der Gebrauch von Schlachten zu dem Zweck, den Krieg zu gewinnen".

Falkenhayn wollte die eine Schlacht bei Verdun so lange führen, bis halt keine Gegner mehr übrig waren - das hat das strategische Niveau von zwei Typen, die sich so lange mit der Faust ins Gesicht schlagen, bis einer nicht mehr aufsteht. Mit anderen Worten: Gar keins.

 

Und dieses vernichtende Urteil kann man schon fällen ohne zu berücksichtigen, dass er diesen reinen Abnutzungskrieg als Plan für das materiell wie personell unterlegene Deutsche Reich auserkoren hat - kaum zu glauben, dass diese Type an der Planung von Tannenberg beteiligt war:amazed:.

 

Schwede Alter, hier kannst du nur dazu lernen. Großartig.
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"Wall of text" - wer hat die Zeit, dies alles zu lesen? :trollface:

 

Früher haben die Leute sogar ganze Bücher gelesen! ;)

 

Und ich hab ja extra zur Auflockerung einige interessante Bilder eingefügt... ;)

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"Wall of text" - wer hat die Zeit, dies alles zu lesen? :trollface:

 

Leute, die sich dafür interessieren :sceptic:

 

@ Stellenwert Hochseeflotte

 

Von diesem strategischen Standpunkt aus betrachtet, muss man dann natürlich recht geben. Während die Grand Fleet weiterhin den Antlantik beherrschte (bis auf ein paar Störungen rund um die britischen Inseln durch U-Boote), war die Hochseeflotte ja wirklich auf die Nordsee und die deutsche Bucht beschränkt.

Mir ging es vielmehr darum, was der Hochseeflotte mit weit weniger Material und vor allem der schlechteren Position trotzdem gelungen ist.

 

Und vom Prestige her muss man die Schlacht definitiv als Sieg für das Kaiserreich zählen- ich bitte euch, die Briten, die seit Traffalgar keine Seeschlacht mehr verloren hatten, werden von der trotzigen Hochseeflotte der Deutschen (die Seemacht schlechthin) in Schach gehalten und man verliert 3 Großkampfschiffe.

Und ja, ich meine auch mal gelesen zu haben, dass Jellicoe nur knapp einem Militärgericht entging. Und musste Churchill als Flottenminister nicht seinen Hut nehmen, oder war das schon bei Galipoli der Fall?

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Na, so richtig zufrieden waren die Briten mit dem Ergebnis der Schlacht auf jeden Fall nicht:

 

Erst am Abend des 2. Juni, nach Vertagung des Unterhauses, gab die britische Admiralität zögernd ihre erste Meldung über die Schlacht, die einen niederdrückenden Eindruck in der britischen Öffentlichkeit hervorgerufen haben soll.

"In der langen und glorreichen Geschichte der britischen Marine ist nichts verzeichnet, was sich mit dieser Tragödie auch nur einigermaßen vergleichen ließe", urteilt Lord Sydenham of Combe. Der Skagerraktag wurde und wird in Großbritannien nicht gefeiert; die deutsche Marine feierte ihn alljährlich "als den größten Ruhmestag ihrer Geschichte". Die Leistung des deutschen Flottenchefs Admiral Scheer war nach der Äußerung des britische Seekriegshistorikers Corbett "Ruhmes genug, um ihn den großen Flottenführern aller Zeiten ebenbürtig zur Seite zu stellen". Der britische Admiral Beatty schrieb später über die Skagerrakschlacht: "Einer der traurigsten Tage meines Lebens."

 http://www.deutsche-schutzgebiete.de/seeschlacht_skagerrak.htm

 

:honoring:

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Früher haben die Leute sogar ganze Bücher gelesen! ;)

 

Und ich hab ja extra zur Auflockerung einige interessante Bilder eingefügt... ;)

 

Ich lese sogar jetzt noch ganze Bücher! Und bin sogar ehrenamtlich in einer Bücherei tätig!
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bissel Lesematerial zum Thema 1 Weltkrieg Seekrieg

 

MDV 352 Heft 04 Lehren der Taktik und Waffenverwendung in der Schlacht vor dem Skagerrak

https://drive.google.com/file/d/0B12aaMD-x_k_Y3JnNnAzUGQ4QUk/view?usp=sharing

 

MDV 352 Heft 10 Der Artillerieoffizier eines Großkampfschiffes im Kriege 1914-1918

https://drive.google.com/file/d/0B12aaMD-x_k_Z3pwSVI5Mmh2QWM/view?usp=sharing

 

MDV 352 Heft 11 Die Verwendung der Torpedowaffe Doggerbank und Skagerrak

https://drive.google.com/file/d/0B12aaMD-x_k_WERHdGNmU0hGTkU/view?usp=sharing

 

MDV 352 Heft 05 Geschwindigkeit

https://drive.google.com/file/d/0B12aaMD-x_k_b3hEdWN6dVJxNkE/view?usp=sharing

 

MDV 352 Heft 01 Die Entwicklung der Operationen in der Nordsee bis zur Schlacht vor dem Skagerrak

https://drive.google.com/file/d/0B12aaMD-x_k_dkxhY0lxNU91YWc/view?usp=sharing

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Leute, die sich dafür interessieren :sceptic:

 

@ Stellenwert Hochseeflotte

 

Von diesem strategischen Standpunkt aus betrachtet, muss man dann natürlich recht geben. Während die Grand Fleet weiterhin den Antlantik beherrschte (bis auf ein paar Störungen rund um die britischen Inseln durch U-Boote), war die Hochseeflotte ja wirklich auf die Nordsee und die deutsche Bucht beschränkt.

Mir ging es vielmehr darum, was der Hochseeflotte mit weit weniger Material und vor allem der schlechteren Position trotzdem gelungen ist.

 

Und vom Prestige her muss man die Schlacht definitiv als Sieg für das Kaiserreich zählen- ich bitte euch, die Briten, die seit Traffalgar keine Seeschlacht mehr verloren hatten, werden von der trotzigen Hochseeflotte der Deutschen (die Seemacht schlechthin) in Schach gehalten und man verliert 3 Großkampfschiffe.

Und ja, ich meine auch mal gelesen zu haben, dass Jellicoe nur knapp einem Militärgericht entging. Und musste Churchill als Flottenminister nicht seinen Hut nehmen, oder war das schon bei Galipoli der Fall?

 

Die Schlacht war ein Taktischer Sieg der Deutschen und ein Strategisches Unentschieden. Eine Niederlage wäre es gewesen wenn die Flotte vernichtet worden wäre und die Entente somit befähigt worden wäre eine Landungsoperation im Rücken des Deutschen Heeres zu unternehmen.

 

Übrigens sollte man nicht den Fehler machen und Landschlachten mit Seeschlachten zu vergleichen. In einer Seeschlacht geht es in erster Linie darum so viele Gegnerische Schiff wie möglich aus zu schalten und gleichzeitig selbst verhältnismäßig kleine Verluste zu erleiden. Um anschließend die Seeherschaft ungehindert aus zu üben

Das beste Beispiel hierfür ist doch Tsushima oder eben auch Trafalgar.

Wäre die Grandfleet am Skagerak vernichtet worden (die Möglichkeit hierzu bestand durchaus) so hätte dies mit großer warscheinlichkeit zur Niederlage des Empire im ganzen Krieg geführt.

Nach einer Vernichtenden Niederlage hätten die Briten ihre Fernblockade nicht mehr aufrecht erhalten können und gleichzeigig hätten die Deutschen ihrerseits die Britischen Inseln vom Fernhandel abschneiden können und unter umständen sogar die Seeherschaft im Ärmelkanal eringen können und damit Das BEF abschneiden können.

Frankreich alleine wäre Gezwungen gewesen Friedensverhandlungen an zu streben.

 

Für beide Seiten hatten ihre Flotten also einen unermäßlichen Wert den man nicht verlieren durfte.

Churchill nahm Jellicoe nicht umsonst in Schutz in dem er sagt das er den Krieg an einem Nachmittag hätte verlieren können.

Edited by General_Gauder
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Im Nachhinein betrachtet (hab mir die Tage schon mal Gedanken darüber gemacht), sollte man noch eine (hypothetische) Tatsache betrachten:

 

Die Hochseeflotte hatte, trotz erheblich schlechterer Sichtverhältnisse (schossen teilweise auf die gegnerischen Abschussblitze ins Dunkel durch eine "Schlechtwetterwand", während die Hochseeflotte durch den Sonnenaufgang/"Gutwetterfront" beleuchtet wurde), eine ca. 30% höhere Trefferquote (ich meine 2,7% zu 3,5% Treffer der abgeschossenen Granaten) als die Grand Fleet.

Mal rein hypothetisch- angenommen Scheer und Hipper können die eigene Linie besser positionieren und drehen den Spieß rum und die Trefferquote bei den Briten sinkt und die Eigene steigt- wer weis, zu welchen Verlusten es auf Seite der Grand Fleet kommt und welche Schiffe bei der Hochseeflotte evtl. statt versenkt, schwer beschädigt sich aus der Schlacht zurückziehen können (das bessere Material hatten die Deutschen allemal).

Mal angenommen, die Zeppeline können dadurch eher starten und evtl. zusätzlich noch Schiffe bombardieren (oder zumindest Fühlung mit der Grand Fleet halten)...

 

Wie gesagt, es ist ziemlich viel "hätte-wäre-wenn"- aber ich denke, die Grand Fleet entging, durch glückliche Fügung, richtige Entscheidung (und zwar einfach abzudrehen und nicht Fühlung zu halten) und dem Wetter einer vernichtenden Niederlage, oder zumindest erheblich schwereren Verlusten.

Alleine die Abendattacke der britischen Torpedoboote kann eher entdeckt werden und diese damit eher bekämpft werden. Wer weis, welche Verluste die da erlitten hätte. Und Großkampfschiffe ohne Geleit sind ein gefundenes Fressen (kennen wir ja zu gut).

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 Die Schlacht war ein Taktischer Sieg der Deutschen und ein Strategisches Unentschieden. Eine Niederlage wäre es gewesen wenn die Flotte vernichtet worden wäre und die Entente somit befähigt worden wäre eine Landungsoperation im Rücken des Deutschen Heeres zu unternehmen.

 

Nochmal:

 

Ziel der britischen Flotte: Aufrechterhalten der Seehoheit im Atlantik -> Sicherung des eigenen Seehandels, fortgesetztes Abschneiden des deutschen. Erreicht.

Ziel der deutschen Flotte: Brechen der Blockade durch die Grand Fleet, damit Erringen der Seehoheit im Atlantik. Nicht erreicht.

 

Die Briten haben ihr Ziel erreicht, die Deutschen nicht - das ist unzweifelhaft ein britischer strategischer Sieg.

Auch taktisch war das nur ein Unentschieden - an der tonnagemässigen Überlegenheit von 2:1 hat sich durch das Gefecht nichts geändert.

 

 

 Übrigens sollte man nicht den Fehler machen und Landschlachten mit Seeschlachten zu vergleichen. In einer Seeschlacht geht es in erster Linie darum so viele Gegnerische Schiff wie möglich aus zu schalten und gleichzeitig selbst verhältnismäßig kleine Verluste zu erleiden. Um anschließend die Seeherschaft ungehindert aus zu üben

 

Richtig ist, dass das Ziel in der Seeherrschaft besteht. Das Versenken der gegnerischen Flotte(n) ist aber nur ein Weg dorthin, und zwar der aufwändigste und riskanteste.

Das britische Empire hat während des gesamten Kriegs die Seeherrschaft im Atlantik ausgeübt - und musste dazu nicht mal 10% der deutschen Hochseeflotte versenken.

 

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