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CVA-58 oder die kürzeste Geschichte für ein Großkampfschiff der US Navy

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Über die „USS United States“ kam es 1949 zum wohl schwersten Konflikt im US-Militär. Die Navy stritt mit Heer und Air Force. Im Mittelpunkt stand ein überforderter Verteidigungsminister.

 

Nur fünf Tage. Gerade einmal eine knappe Woche wurde am bis dahin mächtigsten geplanten Kriegsschiff gebaut – dann war Schluss. Am 18. April 1949 legte ein Dutzend Arbeiter mithilfe eines großen Krans im Trockendock der Werft Newport News Shipbuilding in Norfolk die erste Stahlplatte für den Kiel des Flugzeugträgers CVA-58 „USS United States“. Aber schon am 23. April wurde der Bau abgebrochen, und die wenigen bis dahin geschweißten Stahlplatten wurden verschrottet. Eine kürzere Geschichte hat wohl kein Großkampfschiff der US Navy je gehabt.

Die „United States“ sollte das Typschiff einer neuen Generation von Flugzeugträgern werden: Mit einer geplanten Wasserverdrängung von mehr als 83.000 Tonnen um die Hälfte schwerer als die vorangegangene Midway-Klasse, von der drei Stück 1945 bis 1947 in Dienst gestellt worden waren. Der Rumpf sollte mit 330 Metern rund 35 Meter länger werden und mit 60 Metern anderthalbmal so breit werden.

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Damit hätte sie alle anderen Flugzeugträger und selbst die riesigen japanischen Schlachtschiffe der Yamato-Klasse bei Weitem übertroffen. Erst der Carrier „Chester W. Nimitz“, in Dienst gestellt 1975, verdrängte mehr Wasser als die „United States“ – wenn sie denn fertig gebaut worden wäre.

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Warum wurde der Bau dieses Superschiffs nach nur fünf Tagen eingestellt? Oft werden nach dem Ende eines Krieges die noch vorher in Auftrag gegebenen, aber nicht mehr fertiggestellten Schiffe abgewrackt. So war es 1918 mit den deutschen Schlachtschiffen „SMS Württemberg“ und „SMS Sachsen“, so war es 1945 mit den britischen Battle-Ships „HMS Lion“ und „HMS Temeraire“ oder dem amerikanischen Flugzeugträger „USS Iwo Jima“ mit der Rumpfnummer CV-46.

Aber im April 1949 war die Lage anders. Längst beherrschte der Kalte Krieg das Denken der US-Militärs. Die Rüstungsausgaben wurden im Frühjahr 1949 nicht gesenkt, sondern erhöht. Warum kam trotzdem der erste geplante Supercarrier nie über wenige Kielplatten hinaus?

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Weil die anderen Teilstreitkräfte der USA, das Heer und die Luftwaffe, Sorgen um ihre eigene Entwicklung hatten. Die schon 1949 auf fast 200 Millionen Dollar geschätzten Baukosten für nur einen der geplanten fünf Flugzeugträger der „United States“-Klasse würden natürlich nicht für neue Flugzeuge oder Panzer ausgegeben werden können.

Kaum hatte US-Präsident Harry S. Truman am 29. Juli 1948 den Plan für das neue Superschiff genehmigt, begann deshalb im Pentagon ein heftiges Gezerre um das liebe Geld. Hinzu kam, dass der erfahrene ehemalige US-Marineminister James Forrestal, nun der erste für alle Teilstreitkräfte zuständige Verteidigungsminister der USA, in einen schweren Konflikt mit Truman geraten war. Er hatte mit dessen Herausforderer bei den Präsidentschaftswahlen 1948 gesprochen, was ihn das Vertrauen des Amtsinhabers gekostet hatte.

 

Nach Trumans überraschendem Sieg forderte der wiedergewählte Präsident den Rücktritt des Verteidigungsministers. Der ehemalige Marineflieger Forrestal kam dem Ende März 1949 nach, erlitt jedoch wenige Tage später einen Nervenzusammenbruch und starb bei einem nie ganz aufgeklärten (und natürlich von Verschwörungstheorien umrankten) Fenstersturz aus dem Navy-Hospital Bethesda am 22. Mai 1949.

Sein Nachfolger im Pentagon wurde der Truman-Unterstützer Louis A. Johnson. Doch der Rechtsanwalt und Army-Offizier im Ersten Weltkrieg war völlig überfordert. Er fand sich im Interessengeflecht des Pentagons, in dem Army-Generale gegen Navy-Admirale und Air-Force-Offiziere kämpften, nicht zurecht.
 

Zu den ersten größeren Entscheidungen von Johnson gehörte, den Bau der „USS United States“ abzubrechen. Neben der Kostenfrage spielte vor allem ein weiteres Problem dabei eine Rolle. Die USAF verlangte, dass sie als einzige Teilstreitkraft Zugriff auf Atombomben haben sollte – aber in den Plänen für den neuen Supercarrier waren gesonderte und besonders gesicherte Magazine für „Special Ammunition“ vorgesehen. Für Kernwaffen also.

Doch Johnsons Entscheidung hatte unerwartete Folgen. Der für die Navy zuständige Staatssekretär John Sullivan trat unter Protest zurück. Eine ganze Reihe von Admiralen äußerte erst intern scharfe Kritik an Truman und Johnson. Dann sickerten Andeutungen zunehmend in die Öffentlichkeit durch. Als „Revolt of the Admirals“ wurde diese Episode bekannt.
 

Als Konsequenz ließ Truman den obersten Navy-Offizier Louis E. Denfeld ablösen. Doch zur Ruhe kam das US-Militär erst einmal nicht. Erst als der Präsident seinen hoch geachteten ehemaligen Außenminister George C. Marshall, im Zweiten Weltkrieg höchster US-General, ins Pentagon schickte, änderte sich das.

Seit 1950 haben übrigens die meisten US-Flugzeugträger ständig Atomwaffen an Bord. Letztlich setzten sich also die Admirale durch. Eine „USS United States“ allerdings bekam die US Navy bis heute nicht. So bleibt dieser Name dem ersten Flaggschiff der Vereinigten Staaten vorbehalten, einer 1798 in Dienst gestellten und 1865 abgewrackten Fregatte.

So bleibt es wieder einmal an den Modellbauern dem Carrier doch ein Aussehen und ein Eigenleben zu geben
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  • Cool 11

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[-I-N-]
Weekend Tester
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Lass erst mal die FDR kommen. Dann sehen wir weiter.

 

Die United States, um ihr zumindst ein Bisschen historisch gerecht zu werden, sollte dann schon 2-strahlige Bomber bekommen. Und das endet sicherlich im Balancing Chaos.

  • Cool 2

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[BLITZ]
Beta Tester
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Ich glaube das auch die Navy ein paar Jahre später wirklich froh war das diese Schiffe nicht gebaut wurden, vor allem weil der Konflikt über die Bewaffnung der Träger mit Atomwaffen dann zu ihren Gunsten entschieden wurde. Diese Schiffe waren aus der Perspektive exakt dieser Zeit als schwimmender Stützpunkt für relativ schwere nuklear bestückte Bomber keine so schlechte Idee (jedenfalls innerhalb militärischer Logik und wenn man den Einsatz von Atomwaffen befürwortet) weil die Miniaturisierung der A-Bombe noch nicht weit fortgeschritten war und auch der Strahlantrieb und die Raketentechnik noch halbwegs in den Kinderschuhen steckte und wohl keiner ahnen konnte wie schnell sich das alles entwickeln würde. 1948 gabs keinen Sputnik und damit die ganz konkrete Bedrohung durch nuklear bestückte Interkontinentalraketen, keinen Erstflug der B-52, keine Wasserstoffbomben, kein nuklear angetriebenes Schiff. 

Schon 1955 gabs das alles, 1961 war mit der Enterprise der erste nuklargetriebene Träger im Dienst. 

Das komplette Einsatzkonzept und die Technik dieser Träger wäre wahrscheinlich schnell in Frage gestellt worden so das sie möglicherweise entweder heftig umgebaut worden oder möglichst schnell verschrottet worden wären, inklusive der neuen Bomber die absehbar extra für diese Trägerklasse entwickelt worden wären. Das vorgesehene Konzept für die P2V nur starten zu können und dann woanders zu landen wäre halbgar gewesen und die AJ waren auch ganz klar Übergangslösungen. Bei der Luftwaffe war das zu dieser Zeit ja auch nicht anders, B-47 und B-58 hatten z.B. auch keine so extrem langen Lebenszeiträume weil die Entwicklung rasend schnell voran ging. So ein Schiff ist dann aber nochmal ein anderes Stück Hardware...

 

Alles in allem wäre das ziemlich wahrscheinlich recht fix ein veraltetes Milliardengrab geworden.

  • Cool 5

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