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Die Sowjetische Marine 1925 - 1945

125 comments in this topic

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Gerade eben, Ventara sagte:

Sorry wenn ich das so sage aber reines Fanboy-Gehabe und an der Realität vorbei da Schlichtweg die Bestrebungen und Leistungen anderer Nationen einfach mal ignoriert werden ....

Dazu kommt ja noch, wenn die Sowjets Sojus oder etwas wie die Kremlin nach dem Krieg weiter gebaut hätten, hätten die Amis im Zweifelsfall mindestens genau so viele Montanas oder Weiterentwicklungen wie ähnlich Ohio gebaut.

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Vor 18 Minuten, Ventara sagte:

Selten so gelacht, absoluter Blödsinn ....

 

Würde dir mal z.B. Breyer empfehlen zu lesen...

 

Zum Ende WWI und nächsten 5 - 10 Jahre darüber hinaus und sofern Washingtoner Flottenabkommen nicht stattgefunden hätte ...

 

 

Blödsinn ist sehr freundlich.., Köhler rund Breyer - ja bekannt. WK1 deckt welche Tierstufen ab?

 

 

 

 

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Vor 3 Minuten, Katysha44 sagte:

WK1 deckt welche Tierstufen ab?

Bis T7, Kanonenmäßig noch T8 mit der Vanguard. Die Monarch scheint auch kein neues Geschützmodel zu haben.

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35 minutes ago, Katysha44 said:

 

 

Blödsinn ist sehr freundlich.., Köhler rund Breyer - ja bekannt. WK1 deckt welche Tierstufen ab?

 

 

 

 

T1 bis T8 zum Beispiel (nicht vergessen bitte auch Entwicklungen oder Baubeginn betrachten z.b. Nagato, Colorado, Hood, Amagi nur einige zu nennen) .....

 

Sowie nebenbei in genannter Literatur sind auch  so ziemlich alle weiteren Planungen, Entwicklungen. Bauten der nächsten Jahrzehnte aufgeführt ...

 

- und bitte auch ganz lesen: "zum Ende WWI und nächsten 5 - 10 Jahre darüber hinaus und sofern Washingtoner Flottenabkommen nicht stattgefunden hätte ..."

 

Und der Thread betitelt 1925 ....

 

Aber an der Stelle las ich mal gut sein.

 

 

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Vor 5 Stunden, Captain_Caotis sagte:

Das würde ich mal kurz einschieben, dass diese Aussage so falsch ist.

Wenn man bis zur Hanse zurück geht, dann muss man auch die Handelsrepublik von Nowgorod und die Kiewer Rus als Maritime Großmächte nennen.

 

Einschub ende.

Gebongt. :cap_like:Falsch ist dann allerdings im Sinne des Ganzen nur der Nachsatz zur relativen maritimen Bedeutung der Russen seinerzeit. Das hätte ich schlicht als Fragesatz formulieren sollen.

 

Das ändert allerdings nicht das geringste an der deutschen Seefahrt-Tradition von der Hanse bis in die Moderne und der Widerlegung der höchst amüsanten Behauptung, Deutschland bzw die deutschsprachigen Staaten seien nie maritime Mächte gewesen (oder weniger als Russland und Italien. ROFL!). :Smile_veryhappy:

 

BTW: Warum redet ihr jetzt eigentlich alle schon wieder über Panzer? Wir sind bei der Marine, da belächelt man die kurzatmigen Landratten mit ihren niedlichen Stummelrohren. ^^

Sicherlich war der herrlich praktische und simple T34 das rettendste, was der Sowjetunion 1941 für ihr Masse-statt-Klasse-Notfallkonzept einfallen konnte. Quasi die Kalaschnikow unter den Mittelklassepanzern.

Wer aber jedenfalls glaubt, die Geschichte eines erfolgreichen ALDI-Panzers (das meine ich jetzt nicht negativ) ließe automatisch auch auf überlegenes technisches sowjetisches Potenzial zur See übertragen, nunja... sollte vielleicht ne Bewerbung für die Historienabteilung an WG schreiben. :cap_haloween:

 

Nix gebaut = null Erfahrung. Keine Erfolge = kleine Brötchen backen was die eigene Glorifzierung angeht. Nur weil was auf Papier glorios und zahlreich daherkommt, hätte das real deswegen noch lange keinen Blumentopf gewonnen.

Übersteigerung vorhandener Erfolge (vgl. deutsche Wehrabo-Fans) ist fraglos dämlich, aber überhebliche Phantastereien ohne jede praktischen Erfolge ist einfach peinlich und auch respektlos.

Null multipliziert mit irgendwas ergibt immer noch null, egal welchen Faktor man dahinter setzt.

Die Deutschen durften offiziell nach 1919 weder Uboote noch Kriegsflugzeuge bauen oder planen. Das Dilemma hat man auf findigste Art und Weise so umgangen (inkl. Ubootbau im Ausland und Testläufe im Spanischen Bürgerkrieg), dass man 1939 in beiden Sektoren wieder auf Weltspitze mitmischen konnte, weitgehend sogar Taktgeber war. Aber selbst das war 1939 trotz allem noch mit viel Probieren und Fehlschlägen verbunden.

Da dann zu behaupten, die Sowjet-Militärführung wollte 25 Jahre lang nur nix Halbgares bauen, hätte es aber jederzeit auf Weltspitzenniveau gekonnt, ist da einfach abenteuerlich.

Abgesehen davon dass ja durchaus "Halbgares" gebaut wurde, wie etwa die Kirow-Klasse.

 

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Vor 2 Minuten, Qu1ck_Silver sagte:

TW: Warum redet ihr jetzt eigentlich alle schon wieder über Panzer? Wir sind bei der Marine, da belächelt man die kurzatmigen Landratten mit ihren niedlichen Stummelrohren. ^^

Was ist mit der SU-100Y?

Marinegeschütz und Torpedoboot-Motor, ist also mehr Boot als Panzer (bzw. Selbstfahrlafette)... :Smile_trollface:

 

Sorry für OT... :Smile_hiding:

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Naja. die sowjeische Konzentration auf die Armee hatte schon reale Hintergründe. Die Wirren des Bürgerkrieges, das Abkommen von Brest-Litowsk, der Verlust des Baltikums und Finnland waren schon recht prägsam. Nicht zu vergessen in diesem Zeitraum wurde ja auch noch um die ganzen  -stan Gebiete gekämpft, die Landwirtschaft zwangskollektiviert und um die Nachfolge Lenins gerungen.

 

Klar ist es müßig, darüber zu spekulieren was wäre wenn. Aber ausgehend von den Entwicklungen nach dem Krieg wäre da sicher die eine oder andere Überaschung drin gewesen. Die erste Versenkung eines Kriegsschiffes durch eine Schiff-Schiff-Rakete (Zerstörer Eilat) war ein Schock für sämtliche Marinen der Welt. (übrigens hat die Luftabwehr-Doktrin der US-Navy einen ähnlichen Schock Anfang der '90 Jahre erhalten, nachdem die großzügig von der Bundesrepublik überlassene Technik der VM genauer untersucht worden war....)

Russische/ sowjetische Technik ist mit Sicherheit nicht unbedingt elegant zu nennen, aber robust, haltbar und leicht zu bedienen. Ein weiterer Punkt ist die Standardisierung/ Mehrfachnutzung von einmal entwickelten Techniken ( Die Motoren der Stromerzeuger bei mir an Bord waren die gleichen welche in den Dieselloks der BR 120 Taigatrommel verbaut waren).

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Es hat doch eher rein pragmatische Gründe, ob eine schlagkräftige Flotte vorhanden ist oder nicht. Bei Grossbritannien und eigentlich auch den USA handelt es sich um Inseln. Zwangsläufig wird man sich da eher Gedanken um den Aufbau einer Flotte machen wie bei reinen Kontinentalmächten. Dazu kamen in der früheren Zeit die Kolonialmächte Frankreich, Grossbritannien, USA, Italien und das aufstrebende Deutschland, welche zur Durchsetzung der eigenen politischen und wirtschaftlichen Interessen sehr wohl auf eine Flotte angewiesen waren. Es gab also Staaten, welche doppelt und dreifach ein reges Interesse an einer starken Flotte hatten. Für Russland traf keiner der Gründe zu. Für die genügte eine kleinere Flotte für den Küstenschutz. Alles andere überließ man sowieso der riesigen Fläche des Landes mit seinen irrsinnig langen Wege, dem kalten Winter und der Findigkeit der Bevölkerung. Russische Kolonien in Übersee sind mir eigentlich nicht bekannt. Alleine schon aufgrund der riesigen Ausdehnung des Landes müsste Russland mehrere Flotten aufstellen, was aufgrund der anhaltenden wirtschaftlichen Misere finanziell nicht darstellbar war. Eigentlich ist es ja nur die USA, eines der wenigen Länder, welches sowohl über reichlich Bodenschätze als auch einer starken Industrie verfügt, welches sich 2 grössere Flotten im Atlantik und dem Pazifik leisten kann.

 

Nur, schon klar, wie WG nun die russische Flotte dar stellt, das ist schon witzig. Und natürlich steckt da nicht nur Patriotismus, sondern auch ein gerüttelt Maß an wirtschatlichem Interesse dahinter. Schliesslich leben auch in Russland und seinen Anrainerstaaten genügend potentielle Kunden. Eigentlich warte ich nur noch auf den Aufbau einer chinesischen Flotte seitens WG.

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Vor 14 Minuten, Nemoria sagte:

Eigentlich warte ich nur noch auf den Aufbau einer chinesischen Flotte seitens WG.

 

Die äußert schlagkräftige Koreanische Marine sollte auch nicht außer acht gelassen werden. *Ironie aus*

 

Wenn du betriebswirtschaftliche Gründe ins Feld führen magst, sollten auch die guten Entwürfe aus Schweden, Dänemark und den Niederlanden mehr Beachtung finden. Und dann würde ich die immer wieder auftauchenden Anfragen nach den Schiffen der KuK-Marine ebenfalls berücksichtigen. Da wäre alles vorhanden, sogar Seeflugwesen und U-Boote.

Einen besonderen Kapitän würde es mit Wilhelm von Tegetthoff sogar geben. Ich glaube Miklós Horthy dürfte Probleme bereiten.

Als Häfen wären dann Pula Veruda, Trieste und auch Stockholm, Oslo, Kopenhagen sicher ein Hingucker.

 

Vor 14 Minuten, Nemoria sagte:

Russische Kolonien in Übersee sind mir eigentlich nicht bekannt.

 

Die letzte dürfte Alaska gewesen sein. ich denke mal Wladimir kneift sich deswegen heute noch in den Hintern. --> Thema Bodenschätze.

 

 

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Die Schlachtschiffe sind ja mittlerweile im Spiel und davor und danach wurde ja schon einiges dazu geschrieben, auch von mir. Entsprechend geht es auch weniger um Spielmechaniken und Dinge wie z.B. Panzerdeckstärken. Ich bin aber auch kein Historiker und verdiene damit Geld, es ist also auch keine wissenschaftlich genaue Aufarbeitung, sondern eher eine mehr oder weniger grobe Übersicht, mit dem einen oder anderen für viele vielleicht neuen Aspekt. Da die Schlachtschiffe allesamt nicht gebaut bzw. fertiggestellt wurden, ist die spannendste Frage eben, wie sie ausgesehen hätten,  wenn man einige Jahre früher mit dem Bau begonnen hätte oder ein Krieg erst später ausgebrochen wäre? Ohne darauf jetzt im Detail einzugehen, aber ähnlich wie bei den U-Booten und kleineren Überwasserschiffen führt das zwangsläufig zu Vergleichen. Da stellt man z.B. relativ schnell fest, dass in anderen Nationen auch nicht immer alles perfekt war. Das soll aber nicht heißen, dass automatisch alle russischen Schiffe bzw. Entwürfe Spitzenklasse waren. Ich bin nur der Meinung, dass überraschend viele besser sind als gedacht und für die geplanzen Zwecke mehr als ausreichend oder befriedigend. Ebenso muss man teilweise weit in die Vergangenheit oder Zukunft schauen, um die damalige Gegenwart ableiten zu können, die aus bestimmten Gründen anders abgelaufen ist.

 

Fangen wir gleich damit an, so lässt sich die Geschichte der russischen Seekriegsflotte etwa bis um das Jahr 750 zurückverfolgen. Skandinavische Händler oder eher Seeräuber ähnlich der Wikinger fuhren damals über die Ostsee und große Flüsse wie Wolga, Dnepr und Don bis über das Schwarze Meer nach Konstantinopel, ließen sich im Zuge dessen auch in Osteuropa nieder und gründeten dort etwa 100 Jahre später den Altrussischen Staat. Dieser führte weiterhin Raub- und Handelsfahrten durch, nur fanden diese jetzt in beide Richtungen statt, z.B. bei der Belagerung der schwedischen Stadt Sigtuna 1187. Es ist auch mit ein Grund dafür, dass die Region Karelien in Nordeuropa heute noch zwischen Finnland – damals von Schweden besetzt - und Russland geteilt ist.

 

Zu dieser Zeit hatte man bereits einige hundert Schiffe bis etwa 30 m Länge mit drei Masten, rechteckigen Rahsegeln und 60 Mann Besatzung, wobei es sich bei den größeren Einheiten zumeist um vorhandene, erbeutete und möglicherweise auch nachgebaute, skandinavische Frachtschiffe handelte, ähnlich den daraus entstandenen frühmittelalterlichen Koggen, nur eben ohne Heckkastell. Diese hatte einen breiten und niedrigen Rumpf mit flachem Boden und waren daher sowohl für die hohe See als auch für das Befahren von Flüssen sehr gut geeignet. In Russland entstand daraus der Strug, der mit ca. 20 m Länge und 5 m Breite kürzer und schmäler war und nur einen, demontierbaren Mast hatte. Dadurch war er weniger hochseetauglich, aber wendiger auf engen Flüssen. Größere Varianten konnten bis zu 45 m Länge und 10 m Breite erreichen und damit 80 Mann trnsportieren, es blieb aber bei einem Mast. Kleinere Varianten wurden oft auch nur gerudert oder hatten ein dreieckiges Segel ähnlich dem arabischen Dau. Diese Schiffe waren allesamt noch nicht mit Kanonen ausgerüstet und transportierten nur Lasten oder Belagerungsgeräte wie Katapulte und Rammböcke.

 

Schlachten wie z.B. 1240 an der Newa fanden daher an Land statt. Unter Alexander Jaroslawitsch wurden dabei die Invasion der Schweden durch einen Überraschungsangriff auf deren Lager erfolgreich abgewehrt und der junge Fürst kam zu seinem Namen Nevski. Es wird allerdings vermutet, dass Nevski seine Männer nur deshalb so schnell heranführen konnte, weil er nicht entlang des Wolchows vorstieß, sondern auf dem Fluss! Die Schweden lagerten nach der Landung vielleicht einen Tag an der Mündung, bevor mit ihren Schiffen sie auf der Newa Richtung Ladoga-See fuhren. Bis zum Ort der Schlacht an der Mündung der Izhora sind es dann kaum mehr als 30 km. Dort lagerten Sie erneut an Land und wurden im Morgennebel angegriffen. Nevski musste in der gleichen Zeit von Nowgorod aus rund 300 km zurücklegen, was zu Fuß in zwei oder drei Tagen kaum möglich erscheint. Mit Booten wäre er dagegen doppelt so schnell unterwegs, ohne zu ermüden und auch schneller als die Schweden: Wenn diese z.B. acht Stunden am Tag fuhren und gegen die Strömung im Schnitt nur 2 Knoten schafften, kommt man auf ziemlich genau 30 km. Nevski wäre mit der Strömung zwei oder dreimal so schnell gewesen und hätte bei vier bis sechs Knoten und ohne Pause die Strecke in 36 Stunden schaffen können. Dazu passt auch, dass er in Ladoga an der Mündung des Wolchows einheimische Kämpfer rekrutiert hat, was zu Fuß ein Umweg von 80 km wäre. Zwei Jahre später kam es tatsächlich zu einer Seeschlacht, allerdings war der See zugefroren, dennoch ist der Film von Sergej Eisenstein dazu empfehlenswert.

Ab dem 16. Jahrhundert kämpfte man um direkte Zugänge zum Meer, verwirklich wurde das aber erst unter dem Zar Peter I. der Große. Er legte 1703 den Grundstein für die Peter-und-Paul-Festung, welche die Mündung der Newa absicherte, und damit auch für die Stadt St. Petersburg mit ihrem Ostseehafen, die bereits 1712 an Stelle von Moskau zur Hauptstadt erklärt wurde. Den ersten Sieg in einer größeren Seeschlacht findet man dann 1714 bei Gangut an der südlichsten Spitze von Finnland. Die Kaiserliche russische Marine hatte zu dieser Zeit 130 Segelschiffe und etwa 400 geruderte Schiffe wie Galeeren und Brigantinen. In der Schlacht trafen etwa 100 Galeeren auf 10 schwedische Schiffe und vernichteten diese vollständig. In der Bucht war dabei so wenig Platz, dass gar nicht alle Schiffe angreifen konnten, was auf einem Gemälde eindrucksvoll dargestellt ist, deshalb habe ich das auch beigefügt. Der Zugang zum Schwarzen Meer wurde im Russisch-Türkischen Krieges 1686–1700 mit der Einnahme der Stadt Asow am Don erobert und die sogenannte Asow-Flottille gegründet. Mit dem zweiten Russisch-türkischen Krieg 1768–1774 wurde dann die Schwarzmeerflotte aufgebaut. Diese kämpfte u.A. auch zusammen mit der Türkei gegen Frankreich, nachdem Napoleon 1798 in Ägypten eingefallen war und landete sogar im französisch besetzten Italien.

 

Zwischen 1893 und 1907 hat Russland dann insgesamt 27 Pre-Dreadnoughts oder auf Deutsch Einheitslinienschiffe gebaut. Zum Vergleich waren es in Deutschland 24, in Frankreich 18 und in Italien acht, lediglich Großbritannien hatte mit 52 rund doppelt so viele. Blicken wir über das Meer, waren es auch in den USA nur 21 und in Japan mit 14 ebenfalls weniger.

 

Nach der Dreadnought 1906 entstanden zwischen 1909 und 1917 sieben moderne Schlachtschiffe, wobei die immerhin zu 60 % fertiggestellte und spätere verschrottete Imperator Nikolai I nicht berücksichtigt ist. In Deutschland und Frankreich waren es mit 19 bzw. 18 jetzt rund doppelt so viele, Italien liegt mit 8 Stück gleichauf und die USA haben mit 46 Stück nicht nur Russland und Deutschland, sondern sogar Großbritannien mit 41 Einheiten überholt. Das Russland zurückgefallen ist liegt bekanntermaßen am Russisch-Japanischen Krieg 1904/05, wobei danach bis zum ersten Weltkrieg weniger die Kapazitäten fehlten, sondern Russland seine Ambitionen im Fernen Osten aufgab und zunächst nur die baltische Flotte wiederaufgebaut wurde. Im Schwarzen Meer existierte die Flotte noch, jedoch wurde Russland nach dem Krimkrieg 1856 untersagt, dort mehr bzw. größere Kriegsschiffe zu stationieren, als die Türkei. Das wurde zwar 1871 wieder aufgehoben, das Prinzip hatte sich aber bewährt und wurde noch über 50 Jahre beibehalten.

 

Ab Mitte der 50er-Jahre bis heute hat man die zweitmächtigste Flotte der Welt hinter den USA, mit dem Höhepunkt Ende der 80er Jahre mit rund 300 Schiffen von mindestens der Größe einer Fregatte und 350 U-Booten. Wobei davon Ende der 90er Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion nur rund 10 % einsatzbereit waren. Aktuell sind es etwa 120 größere Kriegsschiffe und etwa 60 U-Boote, es findet aber seit rund 20 Jahren ein umfangreiches Neubau- und Modernisierungsprogramm statt.

 

Seit 2001 geplant sind z.B. 40 Korvetten der Stereguschtschi-Klasse, davon sind etwa 10 bereits in Dienst und 10 weitere bestellt bzw. im Bau. Vom Nachfolger der Kilo-Klasse sind es 12 Stück, der Prototyp Lada (Slawische Göttin der Liebe) ist seit 2010 in Dienst, 2019 werden wohl zwei weitere und stark verbesserte Schiffe in Dienst gestellt. Dazu kommen 15 Mehrzweckkampfschiffe der Admiral-Gorschkow-Klasse (zwei im Dienst, vier im Bau) sowie 15 Stealth-Boote der Bujan-Klasse (10 im Dienst, fünf im Bau). Dazu werden auch jede Menge alte Schiffe reaktiviert, z.B. die Kreuzer der Kirov-Klasse Admiral Lasarew und Admiral Nachimow, derzeit bis 2021 geplant. Ein Flugzeugträger mit 70.000 t und Atomantrieb wird derzeit entworfen, ab 2023 soll bis 2030 jedes Jahr einer fertiggestellt werden, also in Summe sieben Stück. Was daraus wird muss man abwarten…

 

Das ist jetzt soweit nicht unbedingt neu, vielleicht kann der eine oder andere aber die Schlüsse besser nachvollziehen:

 

Zunächst blickt man eben auf über 1.000 Jahre Seefahrt zurück. Ebenso könnte man z.B. behaupten, dass Ägypten keine maritime Vergangenheit hat, nur weil man in den beiden Weltkriegen keine große Rolle gespielt hat. Man gehört halt nur zu den ersten Nationen, die überhaupt das Meer befahren haben, und hat noch heute noch die größte Marine Afrikas, was für deren Zwecke ja wohl auch mehr als ausreichend ist.

 

Das führt dann auch gleich zum nächsten Punkt: Man kann keine Wertung abgeben, ohne die Frage nach den Zielen. Die 40 neuen Korvetten z.B. teilen sich auch auf in je 10 Stück für die Baltische, Pazifische, Schwarzmeer- und Nordmeerflotte. Das ist kein neues Wettrüsten mit den USA, genau wie früher sollen diese lediglich die Zugänge zum Meer sichern und dazu reicht es aus z.B. in der Ostsee Schweden oder im Schwarzen Meer der Türkei überlegen zu sein. Größere Einheiten wie Lenkwaffenkreuzer oder Flugzeugträger sind dann auch nicht mehr für Entscheidungsschlachten gedacht, sondern dienen der Wahrung von Interessen außerhalb der heimischen Gewässer, so wie z.B. aktuell vor der Küste von Syrien im Mittelmeer. Was viele vielleicht nicht wissen: In Tartus wird seit 1971 der einzige Stützpunkt der russischen Marine im Mittelmeer unterhalten und damit kann dort der Aktionsradius von kleineren Schiffen verdoppelt werden.

 

Drittens hat man für die vorgesehenen Aufgaben spätestens seit der Seeschlacht von Gangut vor 300 Jahren mit kurzen Unterbrechungen immer die mindestens drittgrößte Flotte der Welt gehabt, damals eben hinter Großbritannien und Frankreich, wie gesagt ohne sich direkt mit diesen messen zu wollen. Es gibt keinen Grund daran zu zweifeln, dass das ohne den Krieg mit Japan oder den Bürgerkrieg im 2. Weltkrieg nicht genau so gewesen wäre. Wobei man auch während dieser Zeit immer mindestens Platz 9 hatte bzw. etwa gleichauf mit Frankreich und Italien war, je nachdem ob man die Größe oder die Gesamtzahl der Schiffe berücksichtigt. Auch Deutschland z.B. hatte nur jeweils für einen kurzen Zeitraum und im Wesentlichen nur bei den Schlachtschiffen und schweren Kreuzern sowie den hochseetauglichen U-Booten die Nase vorn. Moderne Schiffe in großer Zahl wie SMS Von der Tann und Kaiser und König-Klasse entstanden dort zwischen 1910 und 1914, bereits 1918 kam es aber zur Selbstversenkung der gesamten Hochseeflotte. Im zweiten Weltkrieg hatte man in Deutschland vier moderne Schlachtschiffe nur zwischen der Indienststellung der Tirpitz im Februar 1941 bis zum Untergang der Bismarck im Mai des gleichen Jahres. Die Tirpitz kam danach kaum noch zum Einsatz und nach dem Untergang der Scharnhorst beim Seegefecht vor dem Nordkap im Dezember 1943 gar nicht mehr. Die Gneisenau war schon nach einem Luftangriff im April 1941 nicht mehr einsatzfähig. Dem gegenüber standen außerdem drei modernisierte Ganguts mit 30 cm Geschützen, wobei die Marat im September 1941 ebenfalls von Flugzeugen getroffen und versenkt wurde. Man kann sicher über die Qualitäten der Garguts streiten, aber rein zahlenmäßig war es eben ab Mitte 1941 schon wieder ziemlich ausgeglichen und ansonsten ist es eben spätestens mit der Versenkung der Tirpitz 1944 vorbei mit der Überlegenheit der Kriegsmarine.

 

Schließlich muss man auch festhalten, dass zwischen erstem und zweitem Weltkrieg nicht nur in Russland oder Deutschland sondern in ganz Europa keine Schlachtschiffe gebaut wurden, mit Ausnahme der britischen Nelson-Klasse 1925 oder besseren Panzerschiffen mit kleinem Kaliber wie z.B. auch 1934 die finnische Väinämöinen-Klasse mit 25 cm Geschützen. Die Richelieu z.B. wurde im Januar 1939 in Dienst gestellt, die Littorio im Mai 1940 und die King George V im Dezember 1940. Parallel dazu entstand in Russland die Kronshtadt-Klasse, die sicher auch in Dienst gestellt worden wäre, wenn man nicht die 30 cm Geschütze verworfen und sich dann ausgerechnet für die deutschen 38 cm Geschütze entschieden hätte, oder wenn Kronshtadt und Sevastopol außerhalb der Reichweite der Deutschen z.B. in Archangelsk gebaut worden wären. Die Sovetskiy Soyuz ist dann sogar das erste europäische Schlachtschiff mit 40 cm, das im August 1938 auf Kiel gelegt wurde. Die deutsche H-Klasse und die britische Lion folgten ein Jahr später im Sommer 1939 und wurden genauso wenig fertiggestellt. Man kann also auch nicht behaupten, dass man bei Schlachtschiffbau hinterherhinkte. Über die Qualität kann man sicher streiten, aber wenn man mal bei der Kronshtadt bleibt, redet man dann z.B. über Geschütze von Krupp. 

 

 

Projekt 21

 

Kommen wir zu den konkreten Projekten, so wies 1935 der Kommandeur der Seestreitkräfte Orlov das zentrale Konstruktionsbüro der baltischen Werft an, Designstudien für ein Schlachtschiff mit Kaliber 406 mm anzustellen, bevor diese überhaupt von der obersten Führung genehmigt waren. Es entstanden sechs Varianten zwischen 43.000 und 75.000 t, die Muklevich – jetzt Volkskommissar für den Schiffsbau - im Dezember überreicht wurden. Die Pläne wurden dem Verteidigungsminister Voroshilov vorgestellt, der grünes Licht für einen konkreten Designauftrag gab, zunächst sollte die Flotte aber ihren Bedarf und die Anforderungen prüfen. Des Weiteren wollte man auch die Beziehungen zu Großbritannien verbessern. Diese waren belastet z.B. durch die Präsenz der Sowjetunion in der Region Xinjiang im Nordwesten Chinas und in Afghanistan, die jeweils an Britisch-Indien angrenzen, sowie die Unterstützung der kommunistischen Partei in Großbritannien.

 

In Folge dessen sollten die Vorgaben des Washingtoner Flottenabkommens von 1922 eingehalten werden, die Schlachtschiffe auf 35.000 t und ein Kaliber von höchstens 406 mm begrenzten. Dazu verpflichtete man sich dann auch im Juli 1937 im Anglo-Sowjetischen Flottenabkommen. 1938 einigten sich die Unterzeichnerstaaten dann die Grenze wieder auf 45.000 t zu erhöhen und die britischen Bemühungen ein Kaliber von 356 mm durchzusetzen wurden endgültig fallengelassen. Die Flottenabkommen sind auch insofern von Bedeutung, da diese neben den Unterzeichnern auch von den meisten anderen Ländern im Rahmen von Verträgen zum Seeverkehr anerkannt wurden. Beispielsweise wurde im Vertrag von Montreux im Juli 1936 die Rechte zur Durchfahrt des Bosporus mit Kriegsschiffen geregelt. Unterzeichnerstaaten waren neben der Türkei und der Sowjetunion auch Großbritannien, Frankreich, Japan, Bulgarien, Rumänien, Griechenland, Jugoslawien und später auch Italien. Grundsätzlich untersagt sind seitdem nicht nur die Durchfahrt mit Flugzeugträgern, Schiffen von Nicht-Anrainern über 10.000 t sowie getauchten U-Booten, sondern eben auch von allen Schiffen, die nicht den internationalen Abkommen entsprechen, wie das eben Schlachtschiffe über 35.000 t oder Kreuzer über 10.000 t wären. Man hätte auch ein riesengroßes Problem, wenn so ein Schiff z.B. einen italienischen Hafen zur Reparatur anläuft.

 

Anfang 1936 erfolgt der Designauftrag für das Projekt 21 daher unter der Vorgabe einer Verdrängung von 35.000 t und einem Kaliber von 406 mm bei einer Panzerung, die Schutz gegen 356 mm bieten soll. Der Entwurf wird bis Juni 1936 von der baltischen Werft erstellt und ähnelt nicht ganz zufällig der britischen Nelson-Klasse: Genau wie bei dieser konnte man das Gewicht nur so niedrig halten, indem man die Türme auf dem Vorschiff konzentriert. Der Panzergürtel ist bei dieser kaum länger als das halbe Schiff oder etwas über 100 m zudem im Bereich der Maschinen ca. 20 mm schwächer, wodurch die Verdrängung tatsächlich bei 34.000 t lag. Im Vergleich dazu zieht sich z.B. bei der North-Carolina Klasse der Panzergürtel über etwa zwei Drittel der Schiffslänge oder etwa 150 m und die Verdrängung erreicht damit an die 37.000 t. Zwar beträgt die Panzerstärke nur 300 mm, dafür werden aber mit 121.000 PS auch bis zu 28 Knoten erreicht, statt etwa 24 Knoten mit 45.000 PS bei der Nelson.

 

Entsprechend muss man aber auch die Angaben zum Projekt 21 anzweifeln, das in den paar Monaten Entwicklungszeit von Anfang bis Mitte 1936 zudem kaum ausgereift gewesen sein dürfte. In der eingefügten Tabelle sind es ja 249 m Länge und 171.000 PS für 30 Knoten, einzelne Angaben dürften da aber noch von der Variante mit 43.000 t stammen und als Jahr wird ja auch 1935 angegeben. Im Spiel ist das Schiff als Lenin mit 230 m Länge und 201.000 PS für 28,5 Knoten bei einem Panzergürtel wie bei der Nelson von 300 bis 350 mm. Gebe ich diese Daten mal grob in SpringSharp ein, werden allerdings 44.784 t und nur 135.554 PS ausgespuckt.

 

Letzteres würde allerdings wieder ganz gut passen, da das ursprüngliche Projekt mit vier Wellen, acht Kesseln und 171.000 PS geplant war. Bei drei Wellen und sechs Kessel käme man entsprechend auf drei Viertel der Leistung oder 128.250 PS. Diese würden dann für rund 28 Knoten reichen und um die Maschinen unterzubringen wäre die Länge weiterhin bei 230 m. Damit dann die Verdrängung 35.000 t nicht wesentlich überschreitet, müsste man allerdings rund 1.000 t zusätzliches Gewicht des Antriebs kompensieren und z.B. den Panzergürtel auf 300 bis 320 mm reduzieren. Damit wäre dann allerdings einer der Hauptvorteile gegenüber einem konventionellen Entwurf wie der North Carolina dahin, man würde lediglich etwas Gewicht einsparen.

 

Die gleiche Diskussion wurde wohl auch bei der Marine geführt und das Projekt 21 wohl aufgrund zu vieler Kompromisse gestoppt. Es hätte zudem nicht nur den mangelhaften italienischen Torpedoschutz nach dem Pugliese-System gehabt, sondern auch die gleichen Probleme wie die Nelson-Klasse, z.B. dass die Brückenfenster beim Abfeuern des dritten Turms zersplittern konnten, auf dem Deck entsprechend kaum Flak installiert werden konnte und die Drillingstürme zu wenig Platz zum schnellen Nachladen boten (Die Bismarck z.B. war mit 35 m knapp drei Meter breiter,  hatte aber nur Zwillingstürme und zudem mit 38 cm das kleinere Kaliber). Es ist allerdings auch wieder ein Beispiel dafür, dass man lieber gar nichts statt einfach irgendwas gebaut hat. Anders z.B. als bei der Scharnhorst-Klasse, die 31,5 Knoten schnell und mit bis zu 350 mm gepanzert war, dafür aber nur sechs Rohre mit 38 cm hatte, die zudem niemals eingebaut wurden.

 

Etwa zeitgleich mit Projekt 21 wurde auch die Ansaldo-Werft angefragt und verkaufte im Juli 1936 den ursprünglichen Entwurf für das italienische Projekt UP 41“ (Uffico Piani / Umberto Pugliese 41.000 Tonnen) an die Sowjetunion, also noch ohne den verbesserten Panzerschutz insbesondere Unterwasser, der die Größe des Projektes später auf ca. 45.000 t ansteigen ließ. Das zerschlug sich 1937, nachdem Italien sich Deutschland und Japan bei der Bekämpfung des Kommunismus anschloss.

Im Februar 1936 wurde von der Abteilung für taktische und technische Anforderungen oder kurz TTZ (Taktio Technichesko Zadanie) auch die Designvorgabe TT3 für ein Schlachtschiff mit 55.000 t, 3 x 3 457 mm und 36 Knoten herausgegeben, die man bestenfalls als unrealistisch bezeichnen kann, da z.B. eine Yamato mit den gleichen Geschützen wesentlich größer und langsamer ist. Ich hatte das vorher schon erwähnt, nur handelt sich dabei eben weniger um einen konkreten Entwurf.  

 

Jedenfalls entstehen auf Grundlage der Erfahrungen Mitte 1936 neue Designstudien, die sich in einen Typ A mit 45.000 t und einen Typ B mit 35.000 t unterscheiden lassen, von denen bis zu 24 Stück entstehen sollten. Ersterer ähnlich wie zuvor mit 3 x 3 406 mm, aber mit den Türmen in konventioneller Aufstellung, verbessertem Panzerschutz mit bis zu 380 mm und einer Geschwindigkeit von 30 Knoten. Letzterer stärker gepanzert mit dafür kleineren Geschützen ähnlich vielleicht der britischen King George V mit maximal Kaliber 356 mm und ebensolcher Panzerung sowie einer hohen Geschwindigkeit von 36 Knoten wie bei TT3. Im November 1936 wählte Orlov zwei Entwürfe aus - einen mit 406 mm und 41.500 t, der andere mit 305 mm und 26.400 t - und genehmigte die Designaufträge unter der Bezeichnung Projekt 23 und Projekt 25. Jeweils zwei sollten bis Ende 1941 in Leningrad gebaut werden und vier Schiffe vom Projekt 23 in Nikolayev. Alternativ wurde als Projekt 64 ab 1937 auch eine Kompromissvariante auf der Grundlage von UP 41 untersucht, nachdem sich abzeichnete, dass der Typ A die 45.000 t deutlich überschreiten würde. Diese verband 45.000 t mit 3 x 3 356 mm, lag letztlich lag aber trotz der kleineren Geschütze auch 3.000 t über dem Limit und wurde daher verworfen. Ob es 3.000 t oder 11.000 t zu viel sind macht ja kaum einen Unterschied.

 

 

Projekt 23

 

Den Entwurfswettbewerb gewann die baltische Werft mit ihrem Projekt KB-4, bei dem lediglich die Deckspanzerung als zu schwach erachtet wurde. Nach deren Erhöhung lag die Verdrängung allerdings bei 47.000 t, also bereits über dem Limit. Das führte dazu, dass man diese Grenze ganz hinter sich ließ und 1937 einer radikalen Erhöhung auf 56.000 t zustimmte. Wie sich das mit dem Londoner Flottenabkommen verhält ist unklar, da man diesen wie erwähnt erst im Juli 1937 beigetreten ist und noch im Juni 1938 zustimmte, die Höchstgrenze auf 45.000 t heraufzusetzen.

Die wahrscheinlichste Erklärung ist wohl, dass sich zumindest dieser Schritt schon früher abgezeichnet hat. Danach hat man vielleicht einfach spekuliert, dass das Limit 1940 auf 55.000 t angehoben wird, oder – so wie es dann ja auch gekommen ist – sich sowieso niemand mehr daran hält.

 

Jedenfalls versuchte man 1937 auch noch einmal Entwürfe aus dem Ausland zu erhalten. Die amerikanische Firma Gibbs & Cox erstellte drei Entwürfe für Hybrid-Träger, von denen das Design A Geschütze mit 4 x 2 457 mm hatte und auch von der Größe und Geschwindigkeit an TT3 herankommt. Vermutlich ist die Anfrage eben mit diesen Vorgaben erfolgt und die ursprüngliche Lösung war vielleicht nur zwei Türme vorzusehen um Gewicht zu sparen und die fehlende Feuerkraft durch das Flugdeck zu kompensieren. Eine andere Erklärung wäre, dass nach dem Londoner Flottenabkommen Flugzeugträger nicht größer als 23.000 t sein und maximal Geschütze mit 152 mm haben durften. Möglicherweise wollte man also nur untersuchen, welche Vorteile ein größerer Hybridträger bietet, der sich nicht an diese Vorgabe halten muss. Die dritte Erklärung ist, dass man sich - wie bei den Flugzeugträgern erwähnt - der fehlenden Werftkapazitäten für Schiffe über 250 m bewusst war. Nicht nur würde man das durch den Bau im Ausland umgehen, mit einem Hybridträger könnte sich auch die Zahl der insgesamt benötigten Schiffe reduzieren, da diese z.B. keinen Geleitschutz durch Flugzeugträger oder Schlachtschiff benötigen würden.

 

Im Juni 1938 kam man aber zu dem Schluss, dass ein solches Schiff nicht umgesetzt werden kann. Auch hier kann man nur spekulieren, aber Design A wäre ja mit 66.000 t rund 10.000 t größer als mit TT3 gefordert und trotzdem schlechter gepanzert gewesen bzw. mit einer stärkeren Panzerung wohl langsamer als 30 Knoten. Ähnliches gilt für die Varianten B und C. Zudem hätte man zumindest Design A und B nicht aus den USA erhalten können, solange die Flottenabkommen gelten. Gibbs & Cox hat daraufhin bis März 1939 einen vierten Entwurf für ein konventionelles Schlachtschiff nachgereicht, dass mit 10 x 406 mm ausgestattet sein sollte und die 45.000 t nicht überschritt. Zu diesem Zeitpunkt war das Projekt 23 aber schon ein Jahr im Bau und in seinen Eigenschaften dem amerikanischen Entwurf deutlich überlegen, natürlich vor allem wegen der Größe.

 

Der Baubeginn konnte tatsächlich nach knapp einem Jahr Entwicklungszeit erfolgen, trotz der Neugestaltung aufgrund der Größenänderung und den Umstrukturierungen bei der Marineführung. Das war einerseits nur möglich, da der Entwurf nicht ganz ausgereift war und danach z.B. noch Rumpfform und Höhe des Panzergürtels geändert wurden oder auch die beiden hinteren 100 mm Türme durch geänderte Flugzeugkatapulte entfielen. Andererseits wurde ab 1938 aber auch ausgiebig getestet und z.B. eine 500 kg Bombe auf einen Nachbau des Panzerdecks abgeworfen, was zu einem zusätzlichen Splitterdeck führte. Ein Modell des Unterwasserschutzes nach dem Puliese-System wurde ebenso hergestellt und mit Torpedos beschossen, dieser war bei den ersten Schiffen aber bereits fertiggestellt, bevor die Planung zur Verbesserung abgeschlossen war. Lediglich etwa 10% der Schiffslänge konnten am Heck noch umgebaut werden. Von der Sowjetskaja Ukraina im Bau hatte ich bereits ein Bild gezeigt, neu beigefügt ist noch ein Luftbild von der etwas weiter fortgeschrittenen Sovetskiy Soyuz. Wie man sieht ist die Hülle fertig und es sind bereits die Aufnahmen für die Türme und Teile der Maschinenanlage eingebaut. Die Panzerung ist auch Teil der Hülle, nicht wie bei der Iowa-Klasse, offensichtlich wurden also die Probleme bei der Herstellung mehr oder weniger zufriedenstellend gelöst.

 

Dazu konnte ich allerdings nur eine einzige Quelle finden, und zwar schreibt McLaughlin in seinem Buch Russische und Sowjetische Schlachtschiffe, dass man in Russland nicht in der Lage war, zementierte Panzerplatten mit einer Dicke von mehr als 230 mm zu produzieren, was im November 1940 dazu führte, dass zementierte Platten mit einer Dicke von mehr als 200 mm durch oberflächengehärtete Platten mit geringerer Festigkeit ersetzt wurden. Ich halte das aber aus den folgenden Gründen gleich mehrfach für falsch:

 

Erstens war bei der Sovetskiy Soyuz z.B. der obere Teil des Panzergürtels 220 mm stark und die Seiten und die Decke der Türme 230 mm. Warum sollte man diese Teile über 200 mm nicht mit zementierten Panzerplatten herstellen, wenn es doch angeblich bis 230 mm möglich war?

 

Zweitens steht im gleichen Buch bei der Imperatritsa Mariya-Klasse von 1915, dass diese eine Panzerung mit 262,5 mm hatte und die russischen Rüstungsfabriken nicht in der Lage waren zementierte Panzerplatten mit mehr als 270 Millimetern herzustellen. 

 

Drittens war die Sovetskiy Soyuz im November 1940 bereits 27 Monate im Bau und die ersten Panzerplatten längst montiert. Es heißt sogar auf der gleichen Seite, dass 1939 eine Gesamtmenge von 1.800 t Panzerplatten ausgeliefert wurde. Zwar waren 10.000 t geplant und die Hälfte der gelieferten Platten war mangelhaft und wurde zurückgeschickt, aber dementsprechend gab es eben höchstens Probleme bei der Massenproduktion in der gewünschten Qualität. Grundsätzlich war man aber in der Lage die vorgesehenen Platten herzustellen.

 

Viertens hat man z.B. auch in Italien bei der Littorio-Klasse zementierte Platten nur bis 280 mm hergestellt. Die Hülle bestand aus bis zu 70 mm starken homogenen Panzerplatten, der Zwischenraum wurde ausgeschäumt. In Deutschland z.B. bei der Scharnhorst- und Bismarck-Klasse wurden zementierte Platten bis maximal 350 bzw. 320 mm verwendet. Bei der Yamato bestand der Panzergürtel mit bis zu 410 mm ebenfalls nur aus oberflächengehärteten Platten, während man z.B. bei der Iowa-Klasse zementierte Platten mit 300 mm verbaut hat, auf deren Rückseite zur Verstärkung Platten aus hochfestem Stahl mit 19 mm angebracht waren. Die Hülle bestand ebenfalls aus 16 bis 37 mm starkem und hochfestem Stahl, so dass sich in Summe bis zu 356 mm ergeben. Die North-Carolina-Klasse hatte einen Gürtel mit 305 mm und die Colorado-Klasse von 1921 zwar bis zu 360 mm, aber wieder nur aus oberflächengehärteten Platten. Die Grenze des technisch Machbaren scheint damals auch bei diesen Nationen irgendwo zwischen 280 und 350 mm zu liegen. Entsprechend handelt sich also auch nicht um ein rein russisches Problem, unabhängig davon, ob man dort jetzt Platten mit 230 mm oder 270 mm oder vielleicht auch 310 mm herstellen konnte. 

 

Fünftens sind oberflächengehärtete und zementierte Platten in ihrer ballistischen Wirkung zunächst absolut gleichwertig. Unterschiede ergeben sich nur im Detail, dass lässt sich aber kaum in einem Satz erklären:

 

Gehärteter Stahl ist spröder als weicherer Stahl, kann also leichter brechen. Das liegt daran, dass Eisenatome normalerweise in einem perfekten Gitter angeordnet sind. Beim Erhitzen können sich eingelagerte Fremdatome wie Kohlenstoff davon lösen und um diese herum weicht das Gitter zurück, um möglichst gleichmäßige Abstände einzuhalten. Kommt es in diesem Zustand zu einer raschen Abkühlung, fehlt den Atomen die Zeit sich in ihre Ausgangslage zurückzubewegen, sie bleiben also dort wo sie gerade sind und das unregelmäßig verformte Gitter bleibt erhalten. Das beste Beispiel für so einen amorphen Stoff ist Glas: Zwischen den einzelnen Molekülen ist sogar so viel Platz, das Licht ungehindert durchdringen kann, jede dieser Lücken stellt aber auch eine Solbruchstelle dar. Zu der höheren Härte bzw. Festigkeit kommt es dann, weil sich die unregelmäßigen Strukturen besser untereinander verhaken und dadurch nicht so leicht verformen lassen.

 

Eine harte Panzerplatte kann man sich vorstellen wie eine Glasscheibe, in die man versucht einen Nagel mit einem Hammer zu schlagen: Entweder man rutscht ab und es passiert gar nichts, oder die Scheibe bricht bereits, wenn der der Nagel bzw. das Geschoss erst ein kleines Stück eingedrungen ist.

Ziel ist daher eine möglichst harte Außenseite, damit Geschosse am besten abprallen, zerschlagen werden oder zumindest einen Großteil ihrer Energie verlieren. Gleichzeitig muss der Rest der Platte weich genug sein, um die überschüssige Energie durch Verformung abzubauen. Ende des 19. Jahrhunderts hat man dazu Verbundplatten hergestellt, entweder indem flüssiger Stahl direkt auf eine Eisenplatte gegossen wurde, oder indem man zwei Platten durch Ausgießen eines Spalts von ein ca. 2 cm miteinander verschweißt hat.

 

Bei oberflächengehärteten Platten wurde nur die Außenseite durch über 1.000° C heiße Flammen gleichmäßig erhitzt, während auf der Innenseite der Platte quasi Raumtemperatur herrscht, also in einem Stahlwerk wie in einer Sauna an die 100° C. Man kann sich das vorstellen wie ein Rinderfilet auf dem Grill, das Außen knusprig wird und innen roh bleibt. An der Oberfläche bildet sich unabhängig von der Bauteildicke Widerstände durch eine Grenzschicht aus der umgebenden Luft und den Übergang in das feste Material. Anhand der Formeln für den Temperaturverlauf in einem Stahlkörper komme ich auf einen Verlust von etwa 245 K, wobei z.B. für die Dichte der Luft von 20° C und Meeresspiegelhöhe ausgegangen wird und das Ergebnis deshalb sicher nicht genau ist. Danach sinkt die Temperatur z.B. in einer 200 mm dicken Platte um 46 K und bei einer 400 mm dicken Platte um 88 K, d.h. nahezu gleich mit etwa 2 K alle 10 mm.

 

Spannend wird es jetzt, da sich die gewünschten Strukturen ab 723° C bilden, bei 755° C an der Außenseite also bis etwa 160 mm Tiefe. Allerdings bleiben diese nur dort erhalten, wo auch eine rasche Abkühlung erfolgen kann, wobei sich bei einer zu raschen Abkühlung Risse bilden, man eine Platte also nicht einfach in eine große Wanne schmeißen kann. Es werden also große Mengen Wasser über die Außenseite gegossen, die dadurch wie die luftgekühlte Innenseite schnell unter 700° C abkühlt, während es im Kern nach wie vor 723° C hat. Dazwischen bei 80 mm Tiefe beträgt die Temperatur etwa 740° C und dieser Bereich wird jetzt von zwei Seiten langsam gekühlt. Zwischen diesem Bereich und der Außenseite liegt dann die Grenze, bis zu der die Abkühlung schnell genug erfolgt, d.h. eine gehärtete Schicht entsteht bis etwa 40 mm. Das variiert natürlich von Typ zu Typ und sogar von Platte zu Platte, außerdem wurden die Verfahren kontinuierlich verbessert. Bei MNC-Stahl von Midvale wie bei der USS Texas gegen Ende des 1. Weltkriegs bestand durchschnittlich 35 % bis 40 % der Platte aus gehärteten Schichten und 15 % bis 20 % aus Übergangsschichten.

 

Von zementierten Platten spricht man, wenn sich in der Oberflächenstruktur Zementit bildet.

Kohlestoffatome sind hier nicht nur lose eingelagert, sondern gehen eine metastabile Verbindung mit dem Eisen ein. Dessen Kristallgitter ist kubisch, d.h. eine Zelle besteht aus acht Eisenatomen, eines an jeder Ecke des Würfels. Bei Zementit kommen innerhalb eines Würfels vier Kohlenstoffatome dazu, die mit jeweils zwei Eisenatomen ein Dreieck bilden. Diese Dreiecke bilden dann dreieckige Prismen mit jeweils sechs Eckpunkten. Bei gleicher Zellgröße bestehen als 36 statt 24 Verbindungen und das Ganze ist natürlich wesentlich stabiler, ähnlich wie die Aussteifungen bei einer Fachwerkbrücke.

 

Zum Zementieren legt man z.B. bei Krupp im verbesserten Verfahren ab 1928 zwei Platten mit 20 bis 30 cm Abstand aufeinander und verschließt die Ränder. Das ganze Paket wird dann gleichmäßig im Ofen erhitzt, aber nur in die Plattenzwischenräume vergaste Kohle eingeleitet. Der Kohlenstoff wird dann von den dem Spalt zugewandten Plattenseiten bis in eine Tiefe von ca. 50 mm aufgesogen. Das Härten erfolgt dann herkömmlich durch schrittweises Eintauchen in ein Ölbad. Die Temperatur sinkt dabei langsamer als in einem Wasserbad, aber immer noch mit bis zu 200 K/s. Eisen-Kohlenstoff-Verbindungen können auch bei der Oberflächenhärtung eingebracht werden, z.B. in dem man die Platte vorher mit Kohlestaub belegt oder für die Brenner ebenfalls kohlenstoffhaltige Gase verwendet. Der Unterschied beim Zementieren ist dann nur, dass dies unabhängig von der Temperaturerzeugung ist und das Gas daher genau im richtigen Moment eingeleitet werden kann. Nachteil ist, dass Zementit bei ein paar Grad oder Sekunden Abweichung wieder in seine Ausgangsstoffe zerfällt. Da nicht nur die Oberfläche erhitzt wird, verteilt sich der überschüssige Kohlenstoff dann überall und die gesamte Platte wird spröde. Man muss außerdem doppelt so viel Gewicht handeln und benötigt einen großen und durch die Gaseinleitung komplizierten Oden. Darin können zwar die erforderlichen Temperaturen leichter erzielt und kontrolliert werden, das ist dann aber weniger ein Vorteil als eine technische Notwendigkeit. Ebenso erfolgt aber auch der Abkühlvorgang kontrollierter als bei einer nur teilweise erhitzen Platte und es bilden sich weniger Spannungen oder sogar Risse im Material.

 

Zurück zur Behauptung am Anfang haben zementierte Platten im Idealfall einen besseren Verbund. Bei oberflächengehärteten Platten ist die Schichtgrenze stärker ausgebildet und dadurch können größere Teile bis zu dieser Grenze abplatzen. Das macht aber nur einen Unterschied, wenn eine zweite Granate an der gleichen Stelle trifft. Ebenso kann sich die Innenseite weniger stark verformen und dadurch können sich leichter kleinere Brocken lösen oder Splitter umherfliegen. Die Schäden sind aber im Vergleich zu einer durchschlagenden Granate zu vernachlässigen und bei der Yamato z.B. hat man zum Splitterschutz die Innenseite noch mit 15 mm starken Platten verstärkt und vor den wichtigen Räumen kommen Längsschotts mit bis zu 70 mm. Die Oberfläche ist bei zementierten Platten außerdem härter, das spielt bei den modernen Granaten im 2. Weltkrieg aber kaum noch eine Rolle, da diese mindestens genauso harte Spitzen haben und durch die Panzerung kaum noch beschädigt werden können. Deshalb ist man auch z.B. in Deutschland ab 1925 zu den homogenen Wotan-Typen mit einem hohen Nickelanteil übergegangen. Sie erreichen zwar keine Spitzenwerte für Festigkeit und Zähigkeit, diese sind dafür aber über den gesamten Querschnitt konstant.

 

Entscheidend ist also weniger das Verfahren, sondern vor Allem die Qualität und die Anordnung.  Vergleichen lässt sich das nur durch Beschusstests unter gleichen Bedingungen. Auf dem US Naval Proving Ground hat man dazu Platten unter einem Winkel von 0° beschossen und - da ein Ziel von ein paar Quadratmetern nicht so leicht zu treffen ist - natürlich aus kürzester Distanz. Die durchschnittliche Qualität wurde dann geschätzt im Vergleich zu einer Panzerung Typ A oder B der US Navy mit jeweils 100%.

 

Bei Projekt 23 lässt sich die Qualität jedoch aufgrund unbekannter Fertigungsverfahren und Zusammensetzung schlicht und einfach gar nicht beurteilen. Zum Vergleich kann aber die Yamato dienen, deren Panzerung ja in Bezug auf Typ, Stärke und Anordnung sehr ähnlich ist. Hier wurde 1946 ein Teil der vorderen, oberflächengehärteten Turmpanzerung der nicht fertiggestellten Shinano mit 26“ oder 660 mm getestet und die Qualität mit 83,9 % angegeben. Problem dabei:

 

Erstens wurde der Bau der Shinano 1940 begonnen und bis 1941 relativ hastig durchgeführt, zudem

mangelte es an den erforderlichen Rohstoffen. Nickel senkt z.B. den erforderlichen Temperaturbereich für die Strukturveränderung im Stahl. Schwefel hat einen schädlichen Einfluss und entsteht bei der Verbrennung von Kohle, diesen kann man aber z.B. durch Mangan ausgleichen. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass die Qualität bei der zwischen 1937 und 1940 gebauten Yamato besser war.

 

Zweitens waren die Turmblenden abgerundet geformt und 250 mm stärker als der Panzergürtel. Auf 20 km hätte kein Geschoss der Welt diese durchschlagen können. Selbst die getestete Qualität wäre also absolut ausreichend, es gibt aber keinen Beleg dafür, dass der Panzergürtel nicht hochwertiger war. Zumindest hat man wohl die gleichen Brenn- und Abkühlzeiten verwendet wie bei den Platten mit 410 mm, es ist daher anzunehmen, dass die dickeren Turmblenden zu kurz erhitzt und im Kern zu langsam abgekühlt sind.

 

Drittens wird die Original-Krupp-Zementpanzerung (KC a / A) von 1894 bis 1918 mit 82,8 % angegeben, der verbesserte Typ KC-N / A zwischen 1928 bis 1934 mit 90 %. Im Vergleich dazu liegt die oberflächengehärtete Midvale MNC sowohl zeitlich mit 1907 bis 1912 als auch bei der Qualität von 88,1 % genau dazwischen. In den USA hat man keine zementierten Platten über 300 mm hergestellt und auch die italienischen Terni-Panzerung nach 1930 kommt auf 98%, wurde jedoch ebenfalls nur bis 280 mm hergestellt. Ebenso hat man auch in Japan bei den Typen Vickers NVNC und MNC bei Panzerstärken unter 305 mm Werte zwischen 95 % und 97 %. Ich denke daher man kann das nicht einfach 1:1 hochskalieren und bei gleicher Stärke wären die Werte wohl wieder relativ ähnlich.

 

Für den Panzergürtel der Yamato würde ich daher davon ausgehen, dass man in jedem Fall eine durchschnittliche Qualität von 90 bis 95 % angestrebt hat und selbst mit Problemen bei der Fertigung mindestens den Durchschnittswert aus dem 1. Weltkrieg von 87 % erzielt hätte. Ähnlich sehe ich das auch bei der Sovetskiy Soyuz, wobei man selbst mit 80 % noch bei einem Äquivalent von 320 mm Typ A wäre, also mehr als z.B. bei der Iowa- oder Bismarck-Klasse, ohne allerdings deren internen Hauptgürtel bzw. die Turtleback-Panzerung zu berücksichtigen. Tatsächlich sollte sie aber mindestens genauso gut sein wie z.B. bei der Littorio-Klasse und nicht viel schlechter als bei der Yamato. Bei dem vierten Schiff – der Sovetskaya Belorussiya – wurden allerdings auch 70.000 Nieten von minderer Qualität festgestellt. Deren Bau wurde daher im Oktober 1940 abgebrochen, zu dem Zeitpunkt lagen aber auch bereits Pläne für verbesserte Neubauten vor. Ähnliche Probleme hatte man bei der Yamato, bei der Bombardierung vor Okinawa drang Wasser durch die Nähte zwischen oberen und unteren Panzerungsgürteln ein.

 

Die Geschütze mit 406 mm und 50 Kalibern oder rund 20 m Rohrlänge wie bei der Iowa entstanden anhand der italienischen Pläne für UP 41, während man für die Türme auch Unterstützung im Rahmen des Deutsch-Sowjetischen Freundschaftsvertrags zwischen 1939 und 1941 suchte. Zwölf Geschütze wurde bis Juni 1940 hergestellt und eines davon getestet sowie bei der der Verteidigung von Leningrad eingesetzt, wobei es insgesamt 185 Granaten auf deutsche Stellungen abgab. An Land wurden sehr kurze Ladezeiten von an die 20 Sekunden erzielt, man darf annehmen, dass in einem beengten Turm auf See weniger gewesen wäre, aber nicht mehr als bei der Iowa-Klasse mit 30 Sekunden. Die Mündungsgeschwindigkeit lag bei 830 bis 870 m/s und die theoretische Reichweite war dadurch mit 45,6 km noch größer als z.B. bei den 46 cm Geschützen der Yamato, allerdings war die Qualität der Munition weniger gut und die Streuung sehr groß. Man hätte oberhalb von 20 km wohl kaum noch etwas getroffen, auf diese Distanz aber z.B. die Panzerung der Littorio-Klasse überwinden können, was umgekehrt mit 38 cm wohl nicht gelungen wäre. Von den Türmen wurde kein Exemplar fertiggestellt, sei es wegen Problemen bei der Umsetzung oder des Kriegsbeginns.

 

Auch der Torpedoschutz nach dem Pugliese-System stammte aus Italien. Dieses war ja bekanntermaßen nicht nur nutzlos, sondern sogar kontraproduktiv, zumindest wären die russischen Schlachtschiffe aber auch diesbezüglich nicht schlechter gewesen als die italienischen. Man muss allerdings erwähnen, dass dieses System bei der Sovetskiy Soyuz größer als bei der Littorio-Klasse und für die Sprengköpfe von Schiffs- und U-Boot-Torpedos mit bis zu 750 kg ausgelegt war. Bei der Scharnhorst-Klasse z.B. war der Torpedoschutz nur für Flugzeug-Torpedos bis 250 kg ausgelegt und auch die HMS Prince of Wales z.B. sank bereits durch drei solcher Treffer. Bei der Yamato wiederum riss 1943 der Rumpf nach einem Torpedotreffer von einem amerikanischen U-Boot über 25 m Länge auf, während die Musashi bei ihrer Versenkung im Oktober 1944 bereits nach dem ersten Treffer eines Flugzeugtorpedos mit 300 kg Sprengstoff fünf Grad Schlagseite hatte und nur noch 24 Knoten lief. Diese hatten wie die Sovetskiy Soyuz auch nur einen Doppelboden im Vergleich zum Dreifachboden der Iowa-Klasse.

 

Ein Vorteil der Sovetskiy Soyuz war die Anordnung der Maschinen: Das erste Turbinenpaar lag noch vor dem ersten Kesselraum hinter Turm A, die dritte Turbine gut 35 m weiter hinten, jeweils in einer eigenen Abteilung. Dadurch sollte das Schiff auch nach einem Torpedotreffer manövrierfähig bleiben. Eine ähnliche Aufstellung jedoch gestaffelt und mit vier Turbinen hatte auch die Iowa-Klasse, während bei der Yamato z.B. alles dicht gedrängt beieinander lag, allerdings auch mit kleineren Abteilungen statt großen Kessel- bzw. Maschinenräumen. Die zwölf Hochdruckkessel und drei Turbinen bei der Bismarck waren ebenfalls derart kompakt untergebracht, jedoch lagen jeweils zwei Schotten und ca. 7,50 m mit Hilfsmaschinen zwischen den einzelnen Abteilungen. Nachteil bei der Sovetskiy Soyuz war, dass der Turm C rund 2,50 m höher als Turm A sein musste, auch das ein typisches Merkmal von UP 41. Darunter lag der Wellentunnel, während z.B. bei der Bismarck mit den kleineren Geschützen noch Raum für zwei oder drei Decks war. Ebenso waren bei der Sovetskiy Soyuz die beiden äußeren Wellen 104 m lang, was diese anfälliger für Vibrationen machte und ein paar Prozent Leistung kostete. Übersichtsschemen dazu sind im Anhang beigefügt.

 

Für den Antrieb wurden vier Turbinensätze beim Schweizer Hersteller Brown Boveri bestellt und 1939 geliefert. Drei waren für das erste Schlachtschiff gedacht, ein weiterer für den Nachbau in Charkow. Insgesamt betrug die Leistung 201.000 PS für 28 Knoten (im Vergleich z.B. die Iowa-Klasse 212.000 PS und 33 Knoten). Der gleiche Hersteller lieferte auch die Turbinen für die Tirpitz, nachdem die Turbinen der Bismarck noch von Blohm & Voss stammten. Probleme gab es allerdings bei den Kesseln, bedingt natürlich auch durch den Kriegsausbruch stand erst 1943 ein Exemplar für Tests bereits, die aber nicht mehr durchgeführt wurden. Ebenso wenig fertiggestellt wurden weitere Turbinensätze.

 

Das Fazit fällt schwer, ich denke aber man nicht nur bei der Qualität der Panzerung oder des Unterwasserschutzes gut den Vergleich zur Yamato ziehen: Diese war mit 27 Knoten ebenfalls langsamer als Iowa oder Bismarck und die Geschütze waren ebenso unpräzise, jedoch in dem Fall aufgrund der relativ kurzen Kaliberlänge und veralteten Feuerleitung. Wobei ein Testschießen der Yamato auf ein festes Ziel bei 40 km Entfernung durchgeführt wurde und da ein anderes Schlachtschiff auch nicht viel getroffen hätte. Vorteil der Yamato war das größere Kaliber, mit dem sie bessere Chancen gegen eine Iowa hatte. Ähnlich sieht das dann auch bei einem Duell Sovetskiy Soyuz gegen Bismarck aus: Erstere hätte Probleme zu treffen, die 406 mm sollten die Panzerung aber überwinden können, zumindest wäre das mit amerikanischen Geschützen gleichen Kalibers wohl möglich gewesen. Die Bismarck würde vielleicht wieder wie gegen die Hood schon ab 25 km Entfernung gleich mit der zweiten oder dritten Salve treffen, die 380 mm hätten aber erst ab 20 bis 15 km genug Durchschlagskraft. Durch ihre höhere Geschwindigkeit könnte sie zwar die Kampfdistanz schnell verringern, dann würden aber auch die russischen 406 mm besser treffen. Es wäre also bei 20 bis 25 km ein reines Glückspiel und darunter wäre die Sovetskiy Soyuz wohl überlegen gewesen. Zumal die Bismarck ja auch nicht perfekt war, z.B. feuerte sie im Gefecht in der Dänemarkstraße wohl aufgrund klemmender Munitionsaufzüge in 13 Minuten nur etwa 90 Schuss oder 11 Salven ab. Die Littorio kam ebenfalls nicht unter 45 Sekunden Ladezeit und bei der Erprobung der Richelieu dauerte es sogar fünfzehn Minuten um eine einzige Granate aus dem Magazin bis ins Rohr zu befördern! Zudem konnte bei dieser durch einen einzigen Glückstreffer gleich beide Türme außer Gefecht gesetzt werden.

 

Von daher wäre würde ich die Sovetskiy Soyuz in einem Ranking der modernen Schlachtschiffe deutlich hinter der Iowa und knapp hinter der Yamato auf Platz 3 sehen, nahezu gleichauf mit der Bismarck. Auch ohne den Krieg hätte die Fertigstellung aber wohl noch mindestens bis 1945 gedauert und bis dahin wären auch andere europäische Schlachtschiffe mit 406 mm fertiggestellt worden wie insbesondere Lion und H39. Wobei z.B. der Unterwasserschutz der Lion identisch schlecht mit der King George V geplant war und wie diese wäre sie innerhalb der Grenzen der Flottenabkommen rund 25 % kleiner gewesen. Die H-Klasse entsprach weitestgehend der Bismarck mit Geschützen von Kaliber 406 mm, während die Panzerung weiterhin nur Schutz gegen Kaliber 380 mm bot bzw. teilweise sogar dünner war. Zudem wären die Rohre mit Kaliberlänge 47 rund einen Meter kürzer als bei Iowa oder Sovetskiy Soyuz gewesen. 

 

 

Projekt 23bis, Projekt 23NU, Projekt 24

 

Wie an anderer Stelle schon erwähnt entstanden während und nach dem Krieg dutzende, verbesserte Entwürfe, die sich wie folgt unterscheiden lassen:

 

Projekt 23bis ab 1939: Geplante zweite Bauserie mit Querschottensystem als Torpedoschutz wie am Heck von Projekt 23. Der Rumpf war etwa 16 m länger, die Geschwindigkeit bei gleicher Leistung dadurch etwa 2 Kt höher. Neu gelernt habe ich, dass man sich sowohl den Torpedoschutz als auch die schlankere Rumpfform von den amerikanischen Entwürfen von Gibbs & Cox abgeguckt hat. Schlanker ist so zu verstehen, dass sich das Verhältnis von Länge zu Breite verbesserte und der Entwurf nicht zwangsläufig schmäler war. Tatsächlich wird sogar ein Meter mehr angegeben, allerdings betrug die zusätzliche Verdrängung nur rund 1.000 t, was sich eigentlich nur durch den Entfall der Pugliese-Zylinder erklären lässt. Eine Skizze dazu habe ich beigefügt. Der Entwurf hatte auch wieder die beiden 100 mm Zwillingstürme am Heck - also in Summe sechs Stück -  sowie zehn 37 mm Vierlinge Flakgeschütze statt der ursprünglich geplanten acht, wobei diese Änderungen auch bei den bereits im Bau befindlichen Schiffen ab Anfang 1941 umgesetzt werden sollten. Die Sekundärbewaffnung bestand aus vier Drillingstürmen mit 152 mm statt sechs Zwillingstürmen.

Projekt 23NU 1940 - 1945: Hierbei handelt es sich um die Pläne zum Weiterbau der Schiffe nach dem Ende des 2. Weltkrieges. Der Unterschied zu Projekt 23bis liegt also darin, dass Rumpf und Torpedoschutz unverändert bleiben mussten, wobei es ursprünglich wohl das dritte Baulos war, dessen Schiffe einfach einige Jahre später auf Kiel gelegt werden sollten. Im Wesentlichen war nur die Flak aufgrund der im Krieg gesammelten Erfahrungen verbessert mit jetzt acht 100 mm Zwillingstürmen und elf 37 mm Vierlingen. Insgesamt war die Flak im Vergleich damit immer noch relativ schwach, allerdings waren sämtliche Geschütztürme komplett geschlossen und gepanzert, sowohl zum Schutz gegen Splitter als auch gegen den Mündungsstoß der Hauptbewaffnung. Zum Vergleich war bei der Versenkung der Musashi bereits nach den ersten Bombentreffern ein Drittel der Flugabwehrmannschaften tot oder verwundet. Eine weitere Änderung beim Projekt 23NU war eine geänderte Anordnung der Maschinen, um die Länge der Propellerwellen zu reduzieren. Wie das aussehen könnte ist bei den Antriebsschemen enthalten, ich bin davon ausgegangen, dass man das Grundprinzip beibehalten hat und nur jeweils die Lage der Turbinen und Kessel vertauscht hat. Die Wellen wären dadurch immerhin rund 15 m kürzer und der Abstand zwischen Turbine 1/2 und 3 mit etwa 20 m immer noch recht groß, wie man bei der Yamato gesehen hat kann der Rumpf aber durch einen unglücklichen Treffer auch über 25 m Länge aufreißen.

 

Projekt 24 1941 – 1953:  Ursprünglich handelt es sich wohl um eine Art Kombination von Projekt 23NU und 23bis, d.h. Baubeginn nach dem Krieg und verbesserte Flak, aber mit veränderter Rumpfform und verbessertem Torpedoschutz. Ein Entwurf von 1950 hatte 72.950 t, vier Turbinensätze mit 280.000 PS, sechszehn moderne 130 mm Mehrzweckgeschütze in Zwillingstürmen statt der 100 mm und 152 mm sowie zwölf 45 mm Flakvierlinge bei einer Länge von 282,2 m, einer Breite von 40,4 m und einem Tiefgang von 13,5 m. Varianten bewegten sich so zwischen 70.000 t und 30.000 t, wobei erstere vier Drillingstürme mit 406 mm hatte und letztere nur noch einen, dafür aber einen Vierling mit 180 mm und angedachte Lenkwaffen. Eine Variante davon hatte wiederum einen Zwillingsturm mit 457 mm und einen Vierling mit den Geschützen von Projekt 66 (Moskva) mit Kaliber 220 mm.

 

Im Buch „Naval Institute Guide to World Naval Weapons Systems“ von Norman Friedman wird auch auf Drillingstürme mit 457 mm eingegangen. Demnach wurde im Juni 1949 von der Abteilung für taktische und technische Anforderungen unter dem neuen Oberbefehlshaber der Marine Ivan Yumashev eine Designvorgabe für 3 x 3 457 mm herausgegeben, um die amerikanischen Schlachtschiffe erfolgsversprechend bekämpfen zu können. Außerdem wurde die Flugabwehr geändert, wie beim Kreuzer MLK-16-130 (Smolensk) waren jetzt acht(?) 130 mm Mehrzweckgeschütze in Vierlingstürmen vorgesehen und dazu einen Mix aus vier 45 mm Vierlingen und zehn(?) 25 mm Zwillingen. Die Geschwindigkeit sollte bei 30 Knoten bleiben und die Verdrängung wurde mit 80.000 bis 100.000 t geschätzt, also im Bereich von H42 mit 90.000 t bei 305 m Länge. Als Stalin die Pläne vorgestellt wurden empörte sich dieser jedoch darüber, dass das Projekt dermaßen aufgeblasen und auch verzögert werden sollte, und als er gefragt wurde, welche Bewaffnung er wünschte, sagte er nichts weiter als 3 x 3 406 mm. Da niemand ihm widersprechen wollte wurde das Ganze verworfen und Im März 1950 der bereits beschriebene Entwurf festgelegt. Nur wenige Monate später veröffentlichte das Ministerium für Schiffbau einen Bericht mit den folgenden Schlussfolgerungen:

 

·         Es wird ein Schlachtschiff des Zweiten Weltkriegs geschaffen ohne den technischen Fortschritt hinsichtlich des Schutzes gegen Raketen und gelenkte Bomben zu berücksichtigen.

·         Der Bau eines solchen Schlachtschiffs rechtfertigt nicht die Verwendung öffentlicher Mittel wäre, es werden daher Studien zu möglichen kleineren Schlachtschiffen empfohlen.

·         Das Projekt 24 sollte verschoben werden, während ein neuer Entwurf bis 1951 ausgearbeitet und 1952 eingereicht werden soll, der Raketenwaffen und die Abwehr von Jets berücksichtigt (unter ZNII-45/1951 in der beigefügten Tabelle). Bei 457 mm wurde dabei eine Reichweite deutlich über 50 km ermittelt, d.h. nicht nur mit Raketen hätte man amerikanische Schlachtschiffe außerhalb deren Reichweite bekämpfen können und dadurch den Nachteil er geringeren Geschützanzahl wettgemacht.   

 

Damit werfen wir noch mal einen Blick auf das, was WG jetzt als Kreml auf Tier X im Spiel umgesetzt hat. Grundsätzlich ist das ganze durch die neue Quelle plausibel geworden und bei 40,40 m statt 38,90 m Breite wäre auch genug Raum für Drillinge mit 457 mm, insbesondere wenn man das mal mit den 33 m der Iowa vergleicht. Problematisch ist nur, dass man sich recht genau an den Dimensionen von 1950 mit 72.950 t bei 282 m Länge orientiert hat. Das erkennt man auch gut an den HP: Maximal werden 81.150 t Verdrängung angegeben oder ca. 11 % mehr als bei einer Yamato mit 72.809 t. Packt man den gleichen Wert auf die 97.200 HP der Yamato, kommen genau die 108.000 HP der Kreml raus. Zum Vergleich wog aber z.B. ein Drillingsturm mit 406 mm bei der Iowa 1.700 t und bei der Yamato mit 460 mm 2.800 t. Dazu würde jede Granate ca. 1.500 kg statt 1.200 kg wiegen, bei 900 wären das nochmal 300 Tonnen, in Summe also ein Mehrgewicht von 3.600 t. Dazu hatten die Barbetten der Iowa einen Durchmesser von rund 10 m, während es bei der Yamato 5 m mehr waren, d.h. man hätte bei drei Türmen mit 457 mm einen 15 m längeren oder 297 m langen Rumpf benötigt mit 5.000 bis 10.000 t größerer Verdrängung, oder eben irgendwie anders Raum einsparen müssen, z.B. in dem man 2 Kessel weglässt. Das würde sogar funktionieren, da nach meiner Kalkulation mit dem schlankeren Rumpf im Vergleich zum Projekt 23 nur rund 216.000 PS für 30 Knoten benötigt würden oder 203.000 PS für 29,5 Knoten wie im Spiel. Dann wäre lediglich die Leistungsangabe von 280.000 PS falsch.

 

Weiterhin fehlen dem Entwurf auch die 25 mm Vierlinge, die 1950 bereits veraltet waren. Bereits 1940 wurden Vierlinge für die Schlachtkreuzer der Stalingrad-Klasse entworfen, kriegsbedingt wurde keine Serienproduktion gestartet, ein Protoyp jedoch getestet und 1942 an Bord der Oktyabrskaya Revolutsiya installiert und während des gesamten Krieges eingesetzt. Zwei weitere fertiggestellte Geschütze wurden 1951 auf dem Zerstörer Neustrashimy montiert. Ab 1945 entwickelte man bereits ein moderneres Zwillingsgeschütz mit der Bezeichnung 2M-3, das 1953 in Dienst gestellt und bis 1984 produziert wurde. Diese waren weiterhin in offenen Türmen untergebracht, luftgekühlt und mussten noch manuell ausgerichtet werden, daher hat man die ausschließlich auf kleineren Einheiten wie Torpedobooten verbaut. Ansonsten wurden ab 1944 das 2M-5 mit 14,5 mm, ab 1945 das AK-725 mit 57 mm und insbesondere ab 1950 das vollautomatische AK-230 mit 30 mm als Ersatz entwickelt und man hätte wohl diese oder zumindest die neueren Zwillinge wie beim Projekt 65 (Dimitri Donskoi) bzw. nur bis zu zweiunddreißig 130 mm Mehrzweckgeschütze verwendet. Auch darüber kann man aber hinwegsehen, wenn man von einem Baubeginn vor 1950 ausgeht.

 

 

Projekt 25

 

Diese Schlachtschiffe vom Typ B sollten wie zuvor erwähnt das Limit von 35.000 t einhalten ohne Kompromisse bei der Panzerung und der Geschwindigkeit einzugehen, daher konnten nur Geschütze mit Kaliber kleiner als 380 mm vorgesehen werden. Davor wurden Anfang 1936 die schweren Washington-Kreuzer vom Projekt 22 mit 10.000 t und 203 mm auf 23.000 t und 254 mm aufgebläht, was man nach der Unterzeichnung des Londoner Seevertrags im Juli 1937 aber verwerfen musste. Letztlich setzte sich für Projekt 25 ein Entwurf ähnlich der gebauten Scharnhorst-Klasse mit 3 x 3 305 mm und 26.400 t durch, der gleichzeitig Projekt 22 ersetzte und als Schlachtschiff bezeichnet auch dessen Größe haben durfte. Vier Einheiten sollten ab 1938 gebaut werden als Gegenstück zu Schiffen wie der Dunkerque- oder Deutschland-Klasse. Bevor es aber dazu kam, lief im August 1937 die Littorio-Klasse mit 35.000 t und 380 mm vom Stapel, in Frankreich baute man seit Oktober 1935 an der Richelieu und in Deutschland sollte die 1938 in Dienst gestellte Scharnhorst ja eigentlich auch 38 cm Geschütze erhalten. Das Projekt wurde daher gestoppt, nachdem man noch eine Variante mit 356 mm untersuchte, die aber wohl ähnlich wie die britische King-George-V-Klasse größer als 35.000 t gewesen wäre und deutlich langsamer als die geplanten 35 Knoten.

Als Kompromiss entstand das bereits kurz beschriebene Projekt 69 der Kronshtadt-Klasse, welches die Bewaffnung von Projekt 25 mit 3 x 3 305 mm übernahm, in Bezug auf die Panzerung mit 260 mm und Geschwindigkeit von 34 Knoten aber eher Projekt 22 ähnelte. Wie bei den kleineren Kreuzern war man der Auffassung, dass die Kampfentfernung bzw. eine überlegene Geschwindigkeit am Wichtigsten sind. Erst an zweiter Stelle kommt die Hauptbewaffnung, die für größere Distanzen ausgelegt entsprechend mehr Genauigkeit und Durchschlagskraft benötigt. Ganz zum Schluss kommt die Panzerung, da eine Granate mit z.B. 203 mm auf große Distanz höchstwahrscheinlich gar nicht trifft oder kaum Schaden anrichtet. Bei größeren Kalibern ist es wieder ein Glücksspiel, dass man aber nach ein oder zwei schweren Treffern jederzeit abrechen kann, solange nicht ein Munitionslager oder der Antrieb getroffen wird. Dieser stammte übrigens mit drei Turbinen und 201.000 PS vom Projekt 23.

 

Im Juli 1938 hatte der fertige Entwurf dann allerdings nur noch 230 mm und 32 Knoten bei einer Verdrängung von bereits 33.000 t. Der Bau von zwei Schiffen wurde begonnen, aufgrund von Verzögerungen bei den Geschützen wandte man sich jedoch im Februar 1940 nach Deutschland um 28 cm Geschütze zu erhalten. Ursprünglich hätte man auch sechs Drillingstürme übriggehabt, wenn die Umrüstung der Scharnhorst und Gneisenau erfolgt wäre, stattdessen hatte man bei Krupp Geschütze mit 38 cm auf Lager und bereits mit dem Bau von Zwillingstürmen begonnen. Mit diesen stieg Verdrängung auf über 35.000 t, sie wurden jedoch nie geliefert, da als Termin Oktober 1941 vereinbart wurde… Die beiden Schiffe waren da jeweils zu etwa 11 % fertiggestellt, ähnlich wie bei Projekt 23 wurde aber Material der Kronshtadt zum Bau von Verteidigungsstellungen genutzt und der Rumpf der Sevastopol beim Abzug der Deutschen gesprengt, die Überreste beider Schiffe daher ab März 1947 verschrottet.

 

Ebenfalls entstanden die „leichten“ und „mittelschweren“ Kreuzer vom Projekt 66 (Moskva) und 82 (Stalingrad) mit zunächst 12.000 t und z.B. 3x2 220 mm sowie 20.000 t oder weniger bei 4 x 2 203 mm und jeweils mindestens 35 Knoten. Letztere sollten dann ebenfalls 220 mm erhalten, jedoch in drei Drillingstürmen, die Verdrängung stieg dadurch auf 25.000 t und die Geschwindigkeit sank auf 33 Knoten. Ab 1945 plante man die Erhöhung auf 305 mm, nachdem die Kronshtadt-Klasse ja nicht umgesetzt wurde und eine Lücke zwischen den weiterhin geplanten leichten Kreuzern mit 220 mm und den Schlachtschiffen mit 406 mm bestand. Die Verdrängung stieg dadurch erneut auf 36.500 t, jedoch waren mit 280.000 PS auch wieder über 35 Knoten möglich, gleichzeitig betrug die Panzerung nur noch maximal 180 mm. Die Schiffe hatten also Schlachtkreuzern geähnelt, die Aufgabe blieb aber gleich, also vorrangig Unterstützung bzw. Bekämpfung von leichten Kreuzern, bei Begegnungen mit größeren Einheiten wie Des Moines oder den besser gepanzerten aber langsameren Kreuzern der Alaska-Klasse situationsabhängig entscheiden.

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Vor 1 Stunde, Tigrinhos sagte:

Nach der Dreadnought 1906 entstanden zwischen 1909 und 1917 sieben moderne Schlachtschiffe, wobei die immerhin zu 60 % fertiggestellte und spätere verschrottete Imperator Nikolai I nicht berücksichtigt ist.

Modern ist relativ. Im Vergleich zu den vorhandenen ja, im internationalen Vergleich nein.

 

Vor 1 Stunde, Tigrinhos sagte:

Wobei z.B. der Unterwasserschutz der Lion identisch schlecht mit der King George V geplant war und wie diese wäre sie innerhalb der Grenzen der Flottenabkommen rund 25 % kleiner gewesen.

Der Unterwasserschutz der KGV war nicht schlecht. Das Problem der PoW war, dass die B-Schrauben-Welle randaliert hat. Das ist etwas, was bei der Sojus ähnlich schlimme Folgen gehabt hätte. Schlechte Leckwehr wäre auch beiden gemein. Zusätzlich muss man noch überlegen, ob die Lions bei einem Weiterbau der Sojus oder auch der H-Klasse nicht auch abgebrochen worden wären.

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zur 2M-3: Das Ding wurde hydraulich gerichtet, mit Hand war als Notvariante vorgesehen. Du brauchtest 2 Mann zur Bedienung, einer als Richtschütze, einer für den Munitionsnachschub. Das Geschütz wurde für alles und jeden im Mob-Fall vorgesehen, beinahe jedes seegehende Schiff der DDR war für einen Einbau vorbereitet, du brauchtest ja nur ein wenig Platz und einen Stromanschluss. Selbst auf die Ladefläche von LKW wurde das Ding verbaut. Und ja, ich hab mit dem Teil noch selber Übungsschießen durchgeführt.

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die sowjetische 406mm B-37 Schiffskanone

Zu Beginn der 1920er Jahre stand die Schiffs- und Küstenartillerie der sowjetischen Marine wesentlich hinter der entsprechenden Artillerie der führenden kapitalistischen Staaten. Zu dieser Zeit arbeitete in der UdSSR eine ganze Reihe talentierter Designer von Marineartilleriesystemen und Organisatoren in ihrer Massenproduktion: I.I. Ivanov, M.Ya. Krupchatnikov, B.S. Korobov, D.E. Bril, A.A. Florensky und andere.

Der größte Erfolg der sowjetischen Ingenieure und Artilleriewerke war die Schaffung eines einzigartigen und komplexen 406-mm Artilleriesystem

Die Bodentests begannen am NIMAP (Naval Research Artillery Ground) 6.Juli 1940.

die Ballistische Leistung war wie folgt: Anfangsgeschwindigkeit des Geschosses/Gewichts 1105 kg - 830 m/s Mündungsenergie - 38 800 t m, der maximale Druck der Treibgase in dem Zylinder - 3 200 kg / sm2, die maximale Reichweite-45,5 km,  2,6 Schuss pro Minute.

Die Schlussberichts der Kommission stellte fest: „Die Test ergaben zufriedenstellende Ergebnisse.“

Das B-37 wurde von der Kommission mit einigen Konstruktionsänderungen für die Massenproduktion empfohlen.

Seit Oktober 1940, im Zusammenhang mit der Verschärfung der internationalen Lage, kam die sowjetische Regierung zu dem Urteil die Bewaffnungen von kleineren und mittleren Kriegsschiffen zu fokussieren und die Bewaffnung der neuen RU Schlachtschiffe zurückzustellen.
Nach dem Ende der Bodentests blieb die B-37-Waffe weiterhin bei NIMAP in Leningrad.

Unmittelbar nach Kriegsbeginn beteiligte sich die NIMAP aktiv an der Lösung von Problemen im Zusammenhang mit der Vorbereitung Leningrads auf die Verteidigung. In kürzester Zeit wurde eine geschickte, schnelle und zielgerichtete Umstrukturierung der Arbeit im Interesse der Stadtverteidigung durchgeführt. Aufgrund des hohen Gewichts konnten die Artillerie-Einrichtungen nicht evakuiert werden, und sie begannen, sich auf die Schlacht um Leningrad vorzubereiten.

Von Juli bis August 1941 wurde die Marineartillerie zum Kampf einsatzbereit gebracht gebracht
Es wurden dazu die Artillerie-Division und das Team MOPV (lokale Luftverteidigung) gebildet und vorbereitet wurden.

Während der Vorbereitung von NIMAP für die Verteidigung von Leningrad wurde der Lauf gewechselt,und alle Geschütze wurden für Rundfeuer vorbereitet, Aufnahmepunkte wurden mit einem leichten Bezugspunkt für Nachtschüsse installiert, vier Kommandoposten für Artillerie-Batterien und zwei gepanzerte Artillerie-Keller wurden ausgerüstet in der Nähe von Feuerleitstellen.

Die gesamte Artillerie des Marinetestgeländes bestand aus vierzehn Kanonen: eine 406 mm, eine 356 mm, zwei 305 mm, fünf 180 mm, eine 152 mm und vier 130 mm. Die 406-mm-Kanone war in der Batterie Nr. 1 enthalten, die außerdem ein 356-mm- und zwei 305-mm-Werkzeuge enthielt. Der Kommandeur der Batterie wurde zum Militärtechniker 2-Rang Alexander Petrovich Kukharchuk ernannt.

Ende August 1941 war die Artillerie von NIMAP bereit für den Kampf, und am Vorabend wurde in der Zeitung Leningradskaya Pravda folgende Meldung veröffentlicht: "Ab August 22 werden Testschüsse  durchgeführt, über die öffentlich berichtet wird Der Militärkommandant der Stadt Leningrad, Oberst Denisov. "

Die ersten NIMAP-Gefechtsschüsse feuerten am 29 August 1941 auf eine Ansammlung feindlicher Truppen im Gebiet von Krasny Bor in Richtung Kolpino. Und Anfang September bewegte sich eine Kolonne feindlicher Panzer in die gleiche Richtung, um nach Leningrad vorzudringen, und wieder sorgten die gewaltigen Explosionen der 406-mm-Projektile, für Verwirrung beim Feind und ließen ihn anhalten. Die überlebenden Panzer drehten um. Die Milizkämpfer des Izhora-Bataillons, die Kolpino verteidigten, erinnerten sich mit großer Dankbarkeit an die Artilleristen , die ihnen mit ihrem Feuer halfen, die Verteidigungslinien am Stadtrand von Leningrad zu halten.

Von 29 August bis 31 Dezember 1941 feuerte die 406-mm-Kanone 162 der verschiedensten Munitionsgranaten auf den Feind ab.

Bis 1944 und dem Ende der Belagerung von Leningrad half die Besatzung mit ihrer 406mm Kanone den Widerstand zu unterstützen

406mm B-37 im Bau Aufnahme 1939
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Testgelände 1940
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Heute bei Sankt Petersburg
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3 hours ago, linkum said:

Und ja, ich hab mit dem Teil noch selber Übungsschießen durchgeführt.

 

Jetzt hör aber mal auf, du! :Smile_trollface:

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Vor 15 Minuten, Walther_K_Nehring sagte:

 

Jetzt hör aber mal auf, du! :Smile_trollface:

 

Nee, ernsthaft, das Ding war bis 1990 im Bestand der VM! Festausgerüstet waren damit die MSR-Kurz und -Lang (Nato-kennung Kondor I + II), die Wohnschiffe, Gefechtsversorger und unser Motorschulschiff " Wilhelm Pieck". Die Plattformen dafür waren auf allen Schleppern der VM und den Booten des SHD montiert, da brauchtest du die nur noch raufschrauben.

 

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Als vorläufiger Abschluss des Ganzen kommen wir dann zu den tatsächlichen Einsätzen der Sowjetischen Marine im 2. Weltkrieg. Zusammenfassend verfügte man im Juni 1941 also über drei Schlachtschiffe der Gangut-Klasse (Oktyabrskaya Revolyutsiya, Marat, Parizhskaya Kommuna), sieben leichte Kreuzer der Svetlana-Klasse (Krasny Krym), Admiral-Nakhimov-Klasse (Chervona Ukraina, Krasny Kavkaz) und Kirov-Klasse ( Kirov, Voroshilov, Maxim Gorki, Molotov) sowie 61 Zerstörer, 329 U-Boote, 269 Torpedoboote, 22 Patrouillenboote, 80 Minenleger und rund 2.600 Marineflugzeuge.

 

Während des Krieges wurden zwei weitere Kreuzer der Kirov-Klasse im Dezember 1942 (Kalinin) und Dezember 1944 (Kaganovich) in Dienst gestellt. Bei den Zerstörern der Gnevny-Klasse mit insgesamt 29 Schiffen waren es fünf Einheiten zwischen Juni und Dezember 1941 und ein weiteres Anfang 1942. Das erste Schiff der Ognevoy-Klasse wurde dagegen erst im März 1945 in Dienst gestellt, mit ihr kommt man dann auf 68 Zerstörer, wobei 25 davon noch aus dem 1. Weltkrieg stammten und eher die Aufgaben von Torpedo- und Patrouillenbooten erfüllten, dass aber wohl recht erfolgreich und teilweise bis 1956.

 

Dazu kam eine Anzahl von Einheiten von den Alliierten wie das Schlachtschiff Arkhangelsk (ehemals Royal Sovereign) im August 1944, der Kreuzer Murmansk (Omaha-Klasse) im April 1944, acht britische Zerstörern der Town-Klasse im Juli 1944 und vier britische U-Boote. Dazu erbeutete man ebenfalls 1944 vier rumänische Zerstörer und drei U-Boote sowie vier weitere U-Boote aus Lettland und Estland.

 

Erst nach dem Krieg fertiggestellt wurden fünf Kreuzer der Chapayev-Klasse, wobei zwei weitere Schiffe im Bau von den Deutschen zerstört wurden. Ebenso z.B. die Petropavlovsk (Admiral-Hipper-Klasse), die bereits 1941 von deutscher Heeresartillerie versenkt wurde. Die beiden noch fehlenden Geschütztürme wären aber auch sonst wohl kaum noch aus Deutschland geliefert worden…

 

Je nach Rechnung war die russische U-Boot-Flotte die größte der Welt, das liegt zunächst daran, dass

etwa 37 % vom kleineren Typ M (vergleichbar dem deutschen Typ II) waren, also kaum für mehr als Schulungszwecke oder die Küstenpatrouille geeignet. Dann ist auch der Beginn des 2. Weltkriegs nicht immer gleich definiert, in Deutschland ist es eben September 1939, in der Sowjetunion Juni 1941 und in den USA Dezember 1941, während man z.B. in China schon im Juli 1937 die Invasion der Japaner erlebte, Rest-Tschechien im März 1939 von den Deutschen besetzt oder Finnland im November 1939 von der Rote Armee angegriffen wurde. In der Zeitspanne wurden aber nicht nur etliche U-Boote fertiggestellt, es gingen auch einige bis einschließlich Juni 1941 verloren:

 

·         Shch-424 kollidierte 1939 mit einem Trawler

·         S-2 lief 1940 auf eine finnische Mine

·         D-1 hatte 1940 einen Tauchunfall

·         6 U-Boote wurden in Libau (Lettland) selbstversenkt, um die Erbeutung durch deutsche Truppen zu verhindern

 

Berücksichtig man nur die größeren U-Boote bleiben etwa 200 Stück, die sich wiederum aber auf Pazifik (ca. 70), Ostsee (ca. 60), Schwarzes Meer (44) und Barentssee (23) verteilen.

 

Die Pazifikflotte lässt sich dabei am leichtesten abhandeln, da man ebenso wie mit Deutschland auch mit Japan im September 1939 einen Nichtangriffspakt unterzeichnet hat. Allerdings musste man sich darauf vorbereiten, dass Japan ebenso wie Deutschland Vertragsbruch begeht und Kapazitäten zum Schutz der östlichen Landesteile bereithalten. Im August 1945 bestand die Pazifikflotte daher aus den Kreuzern Kalinin und Kaganovich, 11 Zerstörern, 78 U-Booten sowie rund 100 kleineren Booten und 1.500 Flugzeugen. 3 Zerstörer und etwa ein Dutzend U-Boote hatte man zuvor zur Nordmeerfloote abgestellt. Außerdem nahmen rund 140.000 Marinesoldaten z.B. an der Schlacht um Stalingrad und der Eroberung von Berlin teil und das gleiche gilt für Kanonenboote, die nicht nur auf der Wolga, sondern z.B. auch auf der Spree operierten.

 

Erst bei der Konferenz von Jalta im Februar 1945 verpflichtete man sich, zwei bis drei Monate nach dem Ende des Kriegs in Europa dem Krieg im Pazifik beizutreten. Die sowjetische Kriegserklärung erfolgte vertragsgemäß am 8. August 1945, zwei Tage nach dem Atombombenabwurf auf Hiroshima. Am 9. August begann um eine Minute nach Mitternacht und nur Stunden vor dem Atombombenabwurf auf Nagasaki in Abstimmung mit den Amerikanern die sowjetische Invasion in der Mandschurei zu Land aus drei Himmelsrichtungen gleichzeitig. Das Fernostkommando bestand dabei aus 89 Divisionen, 1,5 Millionen Mann, 3.700 Panzern und ebenso vielen Flugzeugen, unterstützt von der Amur-Flottile bestehend aus acht Monitoren, elf Kanonenbooten, 52 gepanzerten Schnellbooten und etwa 70 Flugzeugen. Demgegenüber stand Japan mit immerhin 700.000 Mann, 1.000 Panzern und 1.800 Flugzeugen. Bereits am 15. August gab Kaiser Hirohito die bedingungslose Kapitulation bekannt. Nach sowjetischen Angaben wurden 80.000 Japaner getötet und 600.000 in Kriegsgefangenschaft genommen, praktisch alle Fahrzeuge wurden zerstört oder erbeutet. entsprechend gab es da auch keine Kampfhandlungen oder Verluste. Sieben Seeleute der Amur-Flottile wurden zu Helden der Sowjetunion, die kaiserliche Marine griff nicht in die Kämpfe ein, ebenso wenig die Pazifikflotte.

 

Das ist insofern von Bedeutung, da die Sowjetunion im 2. Weltkrieg insgesamt z.B. 93 U-Boote verloren hat: 50 durch Minen, 20 durch Kriegsschiffe inkl. feindlichen U-Booten, 6 durch Flugzeuge, 3 durch Unfälle, 3 durch Friendly Fire, zwei durch deutsche Heeresartillerie und neun aus unbekannten Gründen. 29 davon gehörten der M-Klasse an. Von den rund 200 größeren U-Booten gingen also 64 verloren, davon in der Ostsee 41 von 60, im Schwarzen Meer 19 von 44 und im Nordmeer 3 von 23, während es bei der Pazifikflotte eben 0 waren und 70 größtenteils untätig im Hafen lagen. Der Großteil der Verluste geschah dabei bereits 1941 und 1942, d.h. die baltische Flotte und die Schwarzmeerflotte hatten 1943 bereits an die 60 % bzw. 40 % ihrer U-Boote verloren. Bei den Überwassereinheiten verlor man insgesamt 1 Schlachtschiff, 1 Kreuzer, 37 Zerstörer, 167 Patrouillenboote, 139 Torpedoboote und 295 Minensuchboote, auch diese zum Großteil in der Ostsee.

 

 

Hier ist die geringe Aktivität der Marine ebenfalls relativ leicht erklärt: Dänemark, Finnland, Estland, Lettland, Litauen und Polen waren okkupiert bzw. mit Deutschland verbündet, Schweden war offiziell neutral und Leningrad mit der Lage sozusagen im Nippel des Finnischen Meerbusen zu Wasser durch Minenspeeren und zu Land durch den schnellen Vormarsch der Deutschen abgeschnitten. Zudem lagen schwere Einheiten wie z.B. die Tirpitz bereit um jeglichen Ausbruchsversuch zu verhindern. Zu den eingeschlossenen Schiffen gehörten die Schlachschiffe Oktjabrskaja Rewoljuzija und Marat sowie die Kreuzer Kirov und Maxim Gorki, die Flottilenführer Leningrad und Minsk sowie 19 weitere Zerstörer, die allesamt mit ihren Geschützen bei der Verteidigung der belagerten Stadt halfen. Operationen fanden nur mit kleineren Einheiten bei hohem Risiko statt, wie man an der hohen Zahl der U-Boot Verluste durch Minentreffer sieht. Ebenso gingen aber auch rund zwei Dutzend deutsche Schiffe durch eigene Minen verloren, es handelte sich dabei zum Großteil um kleinere Frachter. Weitere größere Erfolge sind nicht bekannt, lediglich SC-307 gelang es im August 1941 U 144 zu versenken.

 

Der Hafen wurde immer wieder von Stukas angegriffen, so sank die Minsk im August 1941 und wurde erst im August 1944 wieder in Dienst gestellt, ebenso sank die Serdity und die in Yakov Sverdlov umbenannte Novik, die Karl Marx, und die Kalinin. Die Marat erhielt im September 1941 einen Volltreffer, der den Turm A zerstörte, sank auf ebenem Kiel, blieb dort als stationäre Batterie liegen und wurde erst 1950 gehoben. Ebenso sank auch der Zerstörer Steregushchy, die Silny wurde schwer beschädigt und nie wieder eingesetzt. Die Lenin sank im Juni 1941 in Libau, die Gnevny nach Minentreffer, die Grozyashchy wurde schwer beschädigt und später noch mehrfach bei der Reparatur, ähnlich ging es der Storozhevoy, die zwei Torpedos von deutschen Schnellbooten abbekam. Asard und Artem sanken im August 1941 nach Minentreffer, die Smetlivyi im November. Auch die Stoyky wurde im Dezember 1941 von finnischen 203 mm Granaten beschädigt und nie wieder richtig repariert.

 

Im Winter machte neben Minen auch Packeis Operationen nahezu unmöglich, was die Deutschen natürlich wussten. Bevor weitere Ausbruchsversuche unternommen werden konnten, griffen Stukas im Frühjahr wieder verstärkt den Leningrader Hafen an, beim erfolgreichsten Angriff im April 1942 wurden dabei die Oktjabrskaja Revolutsija, die Kirov und die unfertige Petropavlovsk sowie vier Zerstörer und zwei U-Boote getroffen. 29 U-Boote waren noch einsatzfähig, von denen 22 es schafften die deutschen Minensperren zu durchbrechen und offene Gewässer zu erreichen. Von diesen gingen allerdings 12 Stück oder wieder etwas mehr als die Hälfte verloren.

 

Danach blieb es in der Ostsee relativ ruhig, Hauptgrund dafür war Treibstoffmangel aufgrund der Blockade Leningrads. Auch mangelte es an Minensuchbooten, von denen zu Kriegsbeginn 39 Stück zur Verfügung standen, ähnlich wie bei den U-Booten aber wohl 1943 nur noch weniger als die Hälfte. Zwar erhielt man ab 1943 einige hundert Patrouillen-, Minensuch-, Schnell- und Torpedoboote aus den USA, die aber ausschließlich den Krieg im Pazifik und im Nordmeer unterstützen sollten, ansonsten auch kaum nach Leningrad gelangt wären. Es erwies sich auch als kontraproduktiv, dass man im Winterkrieg 1939/40 die Häfen in Tallinn in Estland und Libau in Lettland besetzt hatte, da diese 1941 von den Deutschen erobert wurden und alle dort stationierten Einheiten verlorengingen. Der Ausbildungsstand verbesserte sich aber durch die Einsätze vor dem 2. Weltkrieg enorm. 1943 hatten die Deutschen auch die Minensperren durch Netze verstärkt, in denen fünf weitere U-Boote verlorengingen. 1944 waren nur noch 19 U-Boote vorhanden, die jeweils noch zu zwei oder drei Feindfahrten ausliefen. Dabei gingen aber nur noch 2 Stück verloren.

S-101 gelang es immerhin im August U-639 zu versenken. Das wohl erfolgreichste U-Boot

L-3 versenkte zwischen 1941 und 1945 immerhin 13 Frachtschiffe durch Torpedo- oder Minentreffer sowie auch U-413, T-34 und M-3138.

 

 

Ab November 1943 verbesserte sich die Situation, nachdem die gesamte 2. Armee von Leningrad bis Anfang Januar 1944 mit Booten zum etwa 20 km entfernten Brückenkopf Lomonossow übergesetzt wurde. Die 18. Armee wurde 100 km zurückgedrängt und ließ dabei alle schweren Geschütze zurück, mit denen die Stadt und die Kriegsschiffe beschossen wurden. Bis Juni 1944 wird auch die Landenge bis zur finnischen Grenze erobert und ab Juni Ost-Karelien unterstützt von Oktjabrskaja Rewoljuzija, Kirov, Maxim Gorki und ein paar Zerstörern. Wie oben erwähnt waren ja 16 von 19 Zerstörer bereits 1941 zerstört oder schwer beschädigt worden, während die neu in Dienst gestellten Einheiten allesamt zur Pazifikflotte gehörten. Auch die Oktjabrskaja Rewoljuzija hatte mehrere Bombentreffer abbekommen und es gab wohl in der ganzen Flotte kein einziges unbeschädigtes Schiff mehr. Die Leningrad z.B. wurde im September 1941 von Granatsplittern durchsiebt. Im Oktober erhielt sie einen Granattreffer, der Treibstoff- und Frischwassertanks beschädigte und ein Feuer entfachte. Im November wurde sie durch zwei Minen beschädigt, die 5 bis 10 m vor dem Rumpf detonierten, im Mai 1942 wurde sie erneut von deutscher Artillerie getroffen.

 

Folgerichtig blieben die wenigen verbliebenen und nicht voll einsatzfähigen Überwasserschiffe den Rest des Krieges im Hafen, da sie für viel mehr als den Küstenbeschuss nicht mehr taugten und die Kriegsmarine aufgrund der hohen sowjetischen Verluste immer noch überlegen war. Im Januar 1943 wurden alle verbliebenen schweren Einheiten in einer Kampfgruppe – dem sogenannten Ausbildungsverband – zusammengefasst: Schleswig-Holstein, Schlesien, Prinz Eugen, Admiral Hipper, Admiral Scheer, Lützow, Emden, Köln, Leipzig und Nürnberg. Dazu die Reste der 6. Zerstörer-Flottille mit Z 25, Z 35 und Z 36 sowie Z 43 ab Mai 1944, vier Torpedobooten sowie etwa ein Dutzend U-Boote der 22. U-Flottille. Größtenteils waren die Schiffe nicht voll einsatzfähig, Köln und Hipper z.B. wurden nach Torpedotreffern bis Anfang 1944 repariert. In dem Gebiet operierten aber weiterhin die Panzerschiffe Admiral Scheer und Lützow, der schwere Kreuzer Prinz Eugen sowie die Zerstörer der 8. Z-Flottile (Z 5, Z 6, Z 10, Z 20, Z 28, Z 29, Z 30). Zudem werden auch die Minenspeeren mit M-Booten erneuert, die dabei aber massiv von Flugzeugen angegriffen werden.

 

Im Juli 1944 stehen die ersten sowjetischen Panzerspitzen schon bei Riga und weiter südlich etwa 140 km vor der Grenze zu Polen. Am 4. September kapituliert die Finnische Wehrmacht und die Kriegsmarine verliert den Zugang zum Bottnischen und Finnischen Meerbusen. Im Nordwesten von Litauen wird jedoch ein deutscher Brückenkopf bis Kriegsende von 26 Divisionen und 600.000 Mann verteidigt. die nicht vollständig ausgeschaltet werden können. Dadurch schlagen alle Versuche fehl, Truppen weiter westlich zu landen, ebenso beschießen die Schiffe die zu Land anrückenden Truppen. Lediglich Z 35 und Z 36 werden im Dezember 1944 durch Minen versenkt, auch der Hilfskreuzer Niobe geht verloren.

 

Erst 1945 greift die die sowjetische Marine auch zu Wasser vor allem mit U-Booten wieder massiv ein, im Januar wird die Wilhelm Gustloff versenkt, im Februar die Steuben und im April die Goya mit zusammen 20.000 Toten. Bevor man aber nur über die Russen spricht: Im Mai 1945 versenkten britische Flugzeuge die Cap Arcona und die Thielbek, dabei kamen über 7.500 KZ-Gefangene ums Leben. Britische Bomber versenken aber auch die Scheer im April 1945 in Kiel und die Lützow in Swinemünde. Z-28 wird im März und Z-43 im April 1945 durch russischen Luftangriff versenkt bzw. beschädigt. Dazu verliert die Kriegsmarine 1944/45 z.B. auch 25 Torpedoboote und 30 M-Boote in der Ostsee.

 

 

Im Schwarzen Meer hat man eine Situation vergleichbar der Lage in der Ostsee, nur unter umgekehrten Voraussetzungen: Der Vertrag von Montreux verhindert ähnlich effektiv wie eine Minensperre, dass Kriegsschiffe durch den Bosporus ins Schwarze Meer gelangen.

Die Türkei verhinderte das nach Protesten aus Moskau und vor allem auch aus London. Die Achsenmächte hatten im Schwarzen Meer daher nur die vorhanden rumänischen, bulgarischen und kroatische Schiffe sowie ein paar kleinere deutsche und italienische Einheiten, die auf dem Landweg über Schienen und Kanäle herangeführt wurden. In Summe waren das 4 Zerstörer, 38 Torpedoboote und 20 U-Booten, wobei davon etwa ein Drittel italienische Zwerg-U-Boote waren. Demgegenüber standen das Schlachtschiff Parizhskaya Kommuna, die Kreuzer Molotov, Voroshilov, Chervona Ukraina, Krasnyi Krym, Krasny Kavkaz, und Komintern sowie 19 Zerstörer, 44 U-Boote und 84 Torpedoboote.

 

Obwohl also drückend überlegen trug die Luftwaffe zur Chancengleichheit bei: Die Dzerzhinsky wurde im Mai 1941 von Flugzeugen versenkt, die Frunze im September, Chervona Ukraina im November, Bezuprechny, Sovershenny und Svobodny im Juni 1942, Taschkent und Bditelny im Juli.

Die Molotov wurde durch Angriffe von He-111 Torpedobombern im August 1942 schwer beschädigt und büßte 20 m ihres Hecks ein. Außerdem lief die Moskva im Juni 1941 auf eine Mine und sank, die Bystry im Juli und die Smyshleny im März 1942. Nachdem im Oktober 1943 mit Kharkov, Besposhchadny und Sposobny drei weitere Zerstörer verlorengingen verbot Stalin den Einsatz großer Marineeinheiten ohne ausdrückliche Erlaubnis. So gab es auch nur eine einzige größere „Seeschlacht“ 1941, als die Sowjetunion Constanta angreift und die Zerstörer Marasti und Regina Maria den Zerstörer Moskva beschädigen.

 

Des Weiteren war die Schwarzmeerflotte zunächst mit dem Nachschub für die eingeschlossene Festung Sevastopol ausgelastet, musste sich jedoch nach deren Fall 1942 auf kleinere Häfen zurückziehen. Erschwerend kam jetzt hinzu, dass beide Werften in Nikolayev und Sevastopol von den Deutschen besetzt waren, so dass in Bau befindliche Schiffe nicht fertiggestellt und beschädigte Schiffe nur notdürftig repariert werden konnten. Bereits schwimmfähige Schiffe wurden noch rechtzeitig nach Poti in Georgien geschleppt, die Molotov z.B. erhielt dort das Heck der Frunze, das Ruder der Zheleznyakov, das Lenkgetriebe der Kaganovich und den Rudersensor von L-25.

 

Erst im August 1944 beginnt der sowjetische Großangriff auf Rumänien mit 1,6 Millionen Mann, 16.000 Geschützen und jeweils rund 2.000 Panzern und Flugzeugen. Letztere greifen auch Constanța an und zerstören U-9, U-18 und U-24 sowie ein rumänisches Torpedoboot. Etwa ein halbes Dutzend U-Boote operiert aber noch, bis ihnen der Treibstoff ausgeht. Im September 1944 versenkt sich die verbliebene deutsche „Flotte“ mit der sowjetischen Besetzung von Bulgarien. Bulgarien selbst war offiziell neutral, wurde aber 1941 von Deutschland besetzt. Die kroatische Marine war eine reine Binnenmarine, deren größter Erfolg es war ein paar Dutzend Fischerboote zu erbeuten. Es wurden allerdings auch 12 U-Jäger aus Deutschland beschafft. Ungarn war schnell komplett vom Meer abgeschnitten und Italien hat mehr oder weniger nur einen kurzen Ausflug zur Unterstützung der Kriegsmarine gemacht. Die größte Rolle hat die sowjetische Marine aber bei der Rückeroberung von Sevastopol 1941 – 1942 gespielt. Durch die Schiffsartillerie waren danach in der gesamten Stadt nur noch neun Gebäude unbeschädigt. Dabei gingen allerdings die Chervonnaya Ukraina und sieben Zerstörer verloren. Die zahlenmäßig größten Verluste gab es gegen Rumänien, insgesamt 15 sowjetische U-Boote gingen hier in Minenfeldern verloren. Ansonsten versenkte das italienische Klein-U-Boot CB-4 das U-Boot Shch-203, ein italienisches Schnellboot Shch 214 und deutsche U-Jäger M-31 und Shch-216. Genauso viele U-Boote gehen selbstverschuldet verloren: Der Zerstörer Soobrazitelny versenkt das eigene U-Boot Shch-203, M-36 und M-51 gehen durch Havarie bzw. Unfall verloren, ebenso explodiert auf dem erbeuteten, rumänischen U-Boot Marsuinul ein Torpedo.

 

 

Das Nordmeer war um 1942/43 der wichtigste Schauplatz für die Überwassereinheiten der Kriegsmarine, denn jeder Tropfen Sprit war für Russland kriegsentscheidend, während die Luftschlacht um England spätestens mit dem Beginn von Operation Barbarossa im Mai 1941 verloren war und britische und amerikanische Panzer noch nicht in Frankreich gelandet waren. Man war jedoch nicht nur auf den Nachschub nach Murmansk und Archangelsk angewiesen, sondern benötigte auch Hilfe beim Schutz der alliierten Geleitzüge. Die Route der Konvois führte mit Kurs Nordost relativ nah an Grönland vorbei, rund 1.000 km von der norwegischen Küste entfernt, damit die Luftwaffe weniger Angriffe fliegen konnte, entsprechend fehlte aber auch eigener Jagdschutz. Erst bei Spitzbergen rund 600 km vor der Küste von Norwegen nahm man dann Kurs Südost.

 

Ähnlich wie Leningrad wurde auch Murmansk mehr oder weniger von den Deutschen belagert. Im Juli 1941 erreichte die Wehrmacht bereits das südliche Ende der Kola Halbinsel, bevor sie durch zwei amphibische Landungen und Beschuss der sowjetischen Zerstörer Gromky, Gremyashchy, Stremitleny und Kuibishev aufgehalten wurde. Eine Gegenoffensive warf sie dann im September rund 50 km bis hinter den Fluss Sapadnaja Liza zurück. Im April 1942 fand erneut eine Landungsoperation statt und es wurde ein 15 km breiter und 12 km tiefer Brückenkopf hinter den deutschen Linien gebildet, der jedoch nur bis Mai gehalten werden konnte. Zumindest gelang es den deutschen Truppen aber bis Oktober 1944 nicht mehr weiter vorzurücken. Murmansk wurde aber mehrfach auch von deutschen Bombern angegriffen, Stukas beschädigten so z.B. die U-Boote Shch-403 und 404.

 

Die Nordmeerflotte umfasste im Juni 1941 acht Zerstörer, fünfzehn U-Boote, zwei Torpedoboote, sieben Patrouillenboote, zwei Minensucher und rund 100 Flugzeuge, also deutlich weniger als ein Viertel der Streitkräfte (bei den Zerstörern etwas über 10 %, bei den U-Booten und Flugzeugen etwa 4 % und bei den Torpedobooten weniger als 1 %). Der sowjetische Zerstörer Stremitleny wurde im Juli 1941 durch Stukas versenkt, der Zerstörer Sokrushitelny geht im November 1942 im Sturm verloren, dafür wurden die drei Zerstörer Razumny , Razyaryonny und Baku von der Pazifikflotte abgestellt. Dazu wie erwähnt auch 12 U-Boote, von denen aber auch fünf verloren gingen (drei durch U-Jäger, eines durch Flugzeugangriff, eines durch Minentreffer).

 

Unterstützung erhielt man nicht nur durch die britischen Geleitschiffe, Flugzeugträger und Schlachtschiffe, beispielsweise operierten auch ab August 1941 die U-Boote HMS Tigris und Trident von Murmansk aus. 1944 erhielt man das Schlachtschiff Archangelsk und den Kreuzer Murmansk als Ausgleich für die italienischen Reparationen, diese konnten aber nicht mehr entscheidend zum Kriegsverlauf beitragen. Umgekehrt unterstützten aber z.B. im November 1941 die sowjetischen Zerstörer Gromky und Gremyashchy auch britische Schiffe beim Beschuss von Vardø in Norwegen.

 

Auf der Gegenseite ist die Flottenstärke nicht ganz so eindeutig, da die Konvois sich ja bei Island sammelten, nur einige hundert Kilometer von der Untergangsstelle der Hood entfernt, also noch im Nordatlantik. Sie konnten dort z.B. von U-Booten aus Saint-Nazaire angegriffen werden. Zu diesem Sammelpunkt stießen wiederum aber auch Schiffe aus britischen Häfen dazu und durchquerten dabei teilweise auch die Nordsee, konnten also z.B. auch auf U-Boote aus Helgoland treffen. Ebenso konnten U-Boote z.B. auch aus Kiel auslaufen und die Feindfahrt in Frankreich oder Norwegen beenden, waren bis dahin aber noch dem Führer der U-Boote Ostsee und dem Befehlshaber der U-Boote unterstellt. Größere Kriegsschiffe unterstanden dagegen direkt dem Führer der Zerstörer bzw. Befehlshaber der Aufklärungsstreitkräfte/Kreuzer bzw. Schlachtschiffe und konnten auf Befehl des Oberkommandos bzw. Oberbefehlshabers der Kriegsmarine überall dort eingesetzt werden, wo sie gerade gebraucht wurden.

 

Bei den Zerstörern gab es zwar noch Flottillen, die aber wie ein größeres Schiff verlegt wurden, solange man nicht z.B. wie beim Kanaldurchbruch Z 25 und Z 29 für diesen einen Einsatz aus Norwegen abkommandierte. Die Bezeichnung war auch nicht Nordmeerflottille, sondern z.B. 4. Flottille. Diese wird im Oktober 1942 neu aufgestellt und bis Mitte 1943 nach Norden verlegt, nachdem die 1. bis 3. Flottille und die ehemalige 4. Flottille aufgrund schwerer Verluste im April 1940 aufgelöst wurden. Im Gegenzug wird aber die 5., 6. und 8. Z-Flottille mit 12 Zerstörern nach Westen verlegt. Damit befinden sich nur noch Z31, Z 33, Z 34 und Z 38 im Nordmeer.

 

Die Admiral Hipper lief ab März 1942 zu vier Einsätzen in kleinen Flottenverbänden aus, bevor sie im Februar 1943 nach Kiel zurückkehrte, traf dabei jedoch nicht auf Handelsschiffe bzw. wurde von der Fernsicherung abgedrängt. Lediglich eine Operation zum Auslegen von Minen war erfolgreich, das sowjetische U-Boot K-1 lief auf diese Sperre und sank. Die Prinz Eugen wurde schon bei der Anfahrt von einem Torpedo getroffen. Admiral Scheer hatte nur einen Einsatz im August 1942 bevor sie 1943 nach Kiel verlegt wurde. Sie versenkte einen sowjetischen Eisbrecher, der durch Funkspruch aber noch rechtzeitig eine Warnung rausgeben konnte. Statt weiter Handelsschiffe zu jagen griff sie den kleinen Hafen Dikson rund 1.500 km östlich von Murmansk an, wo man Aufzeichnungen z.B. über Packeisvorkommen sowie Fahrwege der Eisbrecher und Konvois erbeuten wollte. Im Hafen lagen jedoch die mit Geschützen bewaffneten Frachter Deschnew und Revoluzioner, die zwar nicht die Panzerung der Scheer, wohl aber deren Aufbauten und Landungsboote beschädigen konnten. Im Gegenzug gelang es nicht die Frachter auszuschalten, da die 28 cm Granaten diese durchschlugen und erst weit dahinter im Meer explodierten.

 

Die Scharnhorst sollte erstmals im Dezember 1943 begleitet von den Zerstörern Z 29, Z 30, Z 33, Z 34 und Z 38 den Geleitzug JW 55B angreifen, wurde jedoch vorher von einer britischen Kampfgruppe unter Führung der Duke of York versenkt. Danach verbot Hitler den Einsatz sämtlicher großen Überwassereinheiten.

 

Die Tirpitz sollte eigentlich wie die Bismarck in die Atlantikschlacht eingreifen, wurde jedoch im Januar 1942 nach Norwegen verlegt, um eine erwartete britische Invasion zu verhindern. Im März 1942 wurde sie erstmals gegen die Geleitzüge eingesetzt, ohne jemals Feindberührung zu haben. Entweder zwang die Konvoisicherung sie zum Abdrehen, oder sie wurde von Flugzeugen rechtzeitig entdeckt. So schoss sie lediglich drei Flugzeuge ab und zerstörte eine Wetterstation auf Spitzbergen. Das binden schwerer Kräfte war ebenso kein großer Erfolg, da die Briten 1943 noch 13 Schlachtschiffe bzw. Schlachtkreuzer hatten und sich den Luxus durchaus leisten konnten, jeden Nordmeerkonvoi zu sichern. Zudem wurde man dabei ja auch noch z.B. von der USS Washington unterstützt. Natürlich hätte man ohne die Tirpitz eine größere Anzahl von Schlachtschiffen z.B. im Mittelmeer einsetzen können, dort kam es allerdings auch so im Mai 1943 zur Kapitulation der deutschen Truppen in Afrika, im Juli unterstützt von sechs Schlachtschiffen und zwölf Flugzeugträgern zur alliierten Invasion von Sizilien und im September zum Waffenstillstand mit Italien.

 

Konvois wurden jedoch alleine durch Sichtung der Tirpitz aufgelöst und Einzelfahrer waren dann leichte Beute für U-Boote oder Flugzeuge, so dass sie durchaus großen Anteil an der Versenkung von zwei oder drei Dutzend Handelsschiffen hatte. Das war aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein! Insgesamt gingen 89 Handelsschiffe verloren, aber 720 erreichten die Sowjetunion mit ca. vier Millionen Tonnen Kriegsmaterial. Betrachtet man nur die Ladung entspricht das 93 %, da kleine und langsame Frachter häufiger versenkt wurden. Es entspricht aber außerdem auch nur 23 % der gesamten Hilfslieferungen: 27 % gelangten mit der Eisenbahn und Flussschiffen vom Persischen Golf über Teheran und die Wolga nach Stalingrad. 50 % wurden aufgrund des Abkommens mit Japan völlig unbehelligt über den Pazifik nach Wladiwostok transportiert. In Summe hat die Kriegsmarine im Nordmeer also nur etwa 300.000 t von 17.500.000 t oder weniger als 2 % der Hilfslieferungen vernichtet.

 

Und das sind nur die Transporte im Rahmen des Leih- und Pachtgesetzes. Insgesamt gelangten über 400 Millionen Tonnen Material über den Pazifik bzw. die Beringstraße von Alaska nach Westen und noch ein Vielfaches davon über den Atlantik nach Großbritannien. Zwar gingen dort 3.500 Schiffe verloren, diese hatten davor aber teilweise schon fünf oder zehn Fahrten gemacht. Insgesamt wurden nur 10 % der Konvois überhaupt angegriffen und dabei verloren diese durchschnittlich wiederum nur 10 % ihrer Schiffe, damit erreichten 99 % des Nachschubs oder fast 350.000 Schiffsladungen erfolgreich ihr Ziel. Geht man wie bei den Nordmeerkonvois von 5.000 bis 6.000 t pro Schiff aus, wären das 2 Milliarden Tonnen Material! Da kann man dann auch vernachlässigen, dass ein Teil der Schiffe mit 4 Millionen Tonnen weiter nach Russland dampfte. Das gleiche gilt für die Truppentransporter mit insgesamt 3 Millionen amerikanischen Soldaten. Selbst bei nur 1.000 Soldaten pro Schiff wären das nicht einmal 1 % aller Transporte. Ebenso wenig ins Gewicht fallen dann auch die 22 Millionen Tonnen an Zigaretten, Schokolade und weiteren lebenswichtigen Dingen zu deren Versorgung mit einem Anteil von ebenfalls etwa 1 %. Die Hilfe versetzte Großbritannien ab Juni 1941 in die Lage auch die Sowjetunion zu unterstützen z.B. mit 7.000 Flugzeugen und 5.000 Panzern, wobei diese teilweise zuvor z.B. aus Kanada kamen. In Summe dürfte das auch mehr als zehnmal so viel sein, wie das was im Nordmeer verlorenging.

 

Allerdings wurden 43 Handelsschiffe der Geleitzüge PQ 17, PQ 18 und QP 14 in nur drei Monaten zwischen Juni und August 1942 versenkt, in den restlichen 41 Monaten zwischen August 1941 und April 1945 waren es 46. Man hätte durch größeren Einsatz Mitte 1942 also durchaus die Versorgung völlig zum Stillstand bringen, Murmansk mit Unterstützung der Kriegsmarine erobern und den Zugang zum Weißen Meer bzw. Archangelsk abschneiden können. So verloren die Deutschen eben die Tirpitz und die Scharnhorst sowie drei Zerstörer und 43 U-Boote, ohne dass es viel gebracht hätte. Die Alliierten verloren nur etwas über ein Dutzend Kriegsschiffe, davon wie erwähnt ein sowjetischer Zerstörer und fünf U-Boote, nicht berücksichtigt die Verluste in Norwegen vor 1941 wie z.B. der Flugzeugträger HMS Glorious, ebenso wenig kleinere Patrouillenboote, Minensucher oder bewaffnete Hilfskreuzer und Eisbrecher.

 

Betrachtet man nur die sowjetischen Erfolge, so ist der größte nur ein Beinaheerfolg: Das U-Boot K-21 feuerte im Juli 1942 vier Torpedos aus den Heckrohren auf die rund 4.000 m entfernte Tirpitz. Im Logbuch von K-21 sind zwei Explosionen notiert, von deutscher Seite wurde aber angeblich kein Angriff bemerkt. Es lässt sich nur spekulieren, aber zumindest funktionierte der Standardtorpedo 53-39 ohne Magnetzünder sehr zuverlässig. Von den neueren ET-80 - dem ersten Torpedo mit elektrischem Antrieb in der Sowjetunion – kann man das zwar nicht behaupten, davon wurden im gesamten Krieg aber auch nur 16 Stück gebaut. Am Wahrscheinlichsten sind daher wohl Fehlschüsse und der U-Boot-Kommandant hat vielleicht ein bisschen übertrieben bei der Schilderung.

 

Nicht übertrieben ist dagegen die Geschichte von K-3: Dieses U-Boot wurde im Dezember 1941 von den deutschen U-Jägern UJ 1403, UJ 1416 und UJ 1708 angegriffen. Da es nicht gelang zu entkommen und die Wasserbomben immer wieder sehr nah am Boot detonierten, war der tödliche Treffer nur noch eine Frage der Zeit. Der Kommandant entschloss sich daher zu einer Finte und ließ Treibstoff und Müll ausblasen.  Während sich die U-Jäger um den Fleck auf der Wasseroberfläche versammelten, tauchte K-3 in einiger Entfernung auf und beschoss die Schiffe mit den Bordgeschützen. UJ 1708 wurde versenkt und die anderen beiden Schiffe zum Rückzug gezwungen, dabei wurde auch UJ 1404 von vier Granaten getroffen. Wie erwähnt waren die U-Boote der K-Klasse mit 1.500 t aufgetaucht ähnlich groß wie die Gato-Klasse, mit 2 x 100 mm und 2 x 45 mm aber wesentlich besser bewaffnet. Die U-Jäger hatten dagegen jeweils nur 500 t und ein 2 cm Flakgeschütz.

 

S-101 versenkte das deutsche U-Boot U-639 und S-56 den Minensucher M-346, während M-31 und M-303 von sowjetischen Torpedobooten versenkt wurden. Sowjetische U-Boote versenkten außerdem etwa 20 Handelsschiffe vor Skandinavien, etwa ein halbes Dutzend weitere wurden von sowjetischen Marinefliegern oder anderen Einheiten wie Torpedobooten versenkt. Das sind immerhin deutlich mehr als umgekehrt, da von den Konvoischiffen 90 bis 95 % britisch oder amerikanisch waren. Insgesamt ging also nur etwa ein halbes Dutzend sowjetischer Handelsschiffe verloren.

 

 

Wie man sieht hat sich die sowjetische Marine nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Während die pazifische Flotte die meiste Zeit untätig war, wurden große Teile der baltischen- und Schwarzmeerflotte von Artilleriegranaten, Flugzeugen und Minen in Stücke gerissen, bevor sie richtig eingesetzt werden konnten, und die verbliebenen Reste wurden dann später in die gleiche Rolle gezwungen. Dagegen hatte es die kleinste Teilstreitkraft im Nordmeer lange Zeit mit den stärksten Gegnern zu tun und sich dafür ganz passabel geschlagen, auch wenn man massive Unterstützung erhielt. Die Leistungen der U-Boote kann man durchaus mit den Erfolgen der britischen U-Boote vor Norwegen vergleichen. Die HMS Tigris z.B. hat zwei Frachtschiffe versenkt und einen U-Jäger beschädigt. HMS Trident hatte zwar mehr Erfolg und nicht nur sieben Schiffe versenkt, sondern auch die Prinz Eugen beschädigt, dafür konnte sie im Mittelmeer nur ein paar Segelboote versenken.  Manchmal gehört halt auch Glück dazu, und damit wäre dieser Kreuzer vielleicht einem sowjetischen U-Boot vor die Rohre gelaufen oder die Torpedos von K-21 hätten die Tirpitz getroffen.

 

Man darf bei der Bewertung aber auch nicht vergessen, dass in der Sowjetunion lange Zeit die Unterstützung der Roten Armee z.B. durch Küstenbeschuss und Truppentransport sowie die Küstenverteidigung an erster Stelle standen, was z.B. bei der Verteidigung von Leningrad oder Murmansk sowie der Rückeroberung von Karelien oder der Krim auch erfolgreich gelang. So gesehen ist höchstens die Rolle der vielgepriesenen Panzer- und Luftwaffe enttäuschend, vor allem da z.B. Tuchatschevski oder Triandafillov bereits Anfang der 30er Jahre das Konzept der mobilen Kriegsführung bzw. des „Blitzkriegs“ verfolgten und der sowjetische Geheimdienst Stalin schon im Dezember 1940 vor einem möglichen deutschen Angriff warnte. Ebenso enttäuscht hat dann auch die lange favorisierte sogenannte „Moskitoflotte“ bestehend aus ein paar hundert Torpedobooten, Schnellbooten und Minenlegern, denen kein einziges größeres Schiff zum Opfer fiel. Zwar standen die meisten davon im Osten bereit, um eine Invasion der Japaner abzuwehren, das galt aber auch für 70 der 200 größeren U-Boote.

 

Größere Einheiten hätten daher wohl auch nichts am frühen Kriegsverlauf geändert, ohne die nötige Unterstützung wären diese genauso von der Luftwaffe angegriffen oder mit Minensperren gefangen worden bzw. hätten untätig in Wladiwostok gelegen. Das Risiko eines Verlustes bei einer Verlegung nach Murmansk wäre viel zu groß, wenn die Deutschen nur um die 100 km entfernt sind. Einzelne Überführungsfahrten wurden aber unternommen, z.B. legte das U-Boot Shch-423 die rund 10.000 km in umgekehrter Richtung nach Wladiwostok von August bis Oktober 1940 zurück, ebenso auch der eine oder andere Frachter, wenngleich das im Arktischen Ozean fast nur mit Eisbrechern gelang und nicht im großen Stil möglich war. Entscheidend wäre höchstens gewesen, dass die größere Reichweite moderner Schiffsgeschütze die Deutschen vielleicht 10 km weiter von Leningrad entfernt gestoppt hätte. Auch die vorhandenen Kreuzer und Schlachtschiffe hatten aber schon eine größere Reichweite als die deutschen Feldhaubitzen mit höchstens 13 km und ein 40 cm Geschütz stand ja schon in Leningrad, dennoch konnte deren ständiger Beschuss nicht verhindert werden. Vielleicht hätten aber ein paar mehr Schiffe überlebt oder wären weniger stark beschädigt worden. Im späteren Verlauf hätte man damit vielleicht schon Mitte 1944 den deutschen Brückenkop in Littauen auschalten und damit Truppen vielleicht sogar ein paar hundert Kilometer vor Berlin landen können. Der Krieg wäre aber wohl noch deutlich mehr verkürzt worden, wenn man z.B. schon 1941 so etwas simples wie Funkgeräte in den Panzern gehabt hätte oder die den meisten deutschen Panzern überlegenen T-34 nicht in ihren Stellungen geblieben wären, bis sie aufgeklärt sind und ihnen eine Bombe auf den Turm fällt.

 

Für die Marine könnte stattdessen höchstens ein Szenario interessant sein, in dem man gar nicht erst in die Defensive gedrängt wird und besser ausgerüstet ist, beispielsweise wenn man drei Jahre später einem deutschen Angriff zuvorkommt. Dann stehen die sowjetischen Truppen 1944 wieder in Ostpolen etwa 600 km von Berlin entfernt, nur eben ohne zwischendurch fast 1.000 km bis kurz vor Moskau zurückgedrängt worden zu sein. Etwa Ähnliches wäre auch früher möglich, wenn der Russisch-Japanische Krieg ausfällt, alternativ vielleicht ein 2. Russisch-Japanischer Krieg, im Pazifik ist halt viel mehr Platz. Eigentlich bräuchte man aber einen Mehrfrontenkrieg, damit auch alle vier Flotten etwas zu tun haben. Da müsste man dann einen Zeitpunkt so um 1950 wählen, an dem die Sowjetunion über genau so viele Schiffe verfügt wie Deutschland, Italien und Japan zusammen und dafür keine alliierte Unterstützung.

Lutzow1940.jpg

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On 9/5/2019 at 4:25 PM, linkum said:

Nee, ernsthaft, das Ding war bis 1990 im Bestand der VM! Festausgerüstet waren damit die MSR-Kurz und -Lang (Nato-kennung Kondor I + II), die Wohnschiffe, Gefechtsversorger und unser Motorschulschiff " Wilhelm Pieck". Die Plattformen dafür waren auf allen Schleppern der VM und den Booten des SHD montiert, da brauchtest du die nur noch raufschrauben.

Ergänzend bezog sich das mit dem manuellen Richten auf die Zielerfassung und nicht auf den Antrieb. Damit trifft man halt keine Düsenjäger oder Raketen. Luftgekühlt ist auch nicht ganz richtig, man konnte von Hand Wasser aus Eimern oder Schläuchen über die Rohre spritzen, wahnsinnig schnelle Feurraten hat man aber trotzdem nicht erzielt. Und ohne Panzerschutz ist die Besatzung halt schnell durch Splitter, kleinkalibrige Geschosse oder ABC-Waffen ausgeschaltet.

 

Wie gesagt, es ist kein großer Fehler, aber wenn man von Baujahr 1950 ausgeht, dann muss man auch eine andere Bewaffnung in Betracht ziehen. Zumindest zusätzlich, wenn man diese Dinger wirklich so einfach auf jeden freien Platz schrauben konnte. Auch das klingt aber eher so nach Yamato und 1945, nur ein paar Jahre später sind Angriffe mit hunderten Propellerfliegern halt unwahrscheinlich geworden.

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On 9/5/2019 at 12:00 PM, Graf_Orlok said:

Der Unterwasserschutz der KGV war nicht schlecht. Das Problem der PoW war, dass die B-Schrauben-Welle randaliert hat. Das ist etwas, was bei der Sojus ähnlich schlimme Folgen gehabt hätte. Schlechte Leckwehr wäre auch beiden gemein. 

Das ist ebenfalls richtig, betrifft aber nur den ersten Torpedotreffer, wobei durch die entstandene Schlagseite die nächsten beiden möglicherweise nicht den Torpedoschutz getroffen haben.

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Dennoch gibt es nichts, was auf einen schlechten Unterwasserschutz hinweisen würde. Die Japaner haben da ähnliche Glückstreffer gelandet wie die Briten ihrerseits auf die Bismarck ein halbes Jahr vorher. Ob der Unterwasserschutz der Sojus wirklich gut gewesen wäre, weiß auch niemand.  In der Praxis wurde er nie auf die Probe gestellt.  Mit dem italienischen Torpedoschutz ist da nicht viel zu erwarten.

 


 

Vor 1 Stunde, Tigrinhos sagte:

Eigentlich bräuchte man aber einen Mehrfrontenkrieg, damit auch alle vier Flotten etwas zu tun haben. Da müsste man dann einen Zeitpunkt so um 1950 wählen, an dem die Sowjetunion über genau so viele Schiffe verfügt wie Deutschland, Italien und Japan zusammen und dafür keine alliierte Unterstützung.

Ganz schön hartes What-If, da alle 3 Gegner 1950 auch mehr und bessere Schiffe gehabt hätten. Zusätzlich haben die Sowjets immer das Problem, ihre Flotten aufteilen zu müssen, ohne einfach Schiffe verlegen zu können. Dadurch sind sie eigentlich immer irgendwo unterlegen. Außerdem ist die Ostsee sowieso eine Todesfalle, auch aus dem schwarzen Meer muss man erstmal irgendwie raus kommen.

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Vor 2 Stunden, Tigrinhos sagte:

Ergänzend bezog sich das mit dem manuellen Richten auf die Zielerfassung und nicht auf den Antrieb. Damit trifft man halt keine Düsenjäger oder Raketen. Luftgekühlt ist auch nicht ganz richtig, man konnte von Hand Wasser aus Eimern oder Schläuchen über die Rohre spritzen, wahnsinnig schnelle Feurraten hat man aber trotzdem nicht erzielt. Und ohne Panzerschutz ist die Besatzung halt schnell durch Splitter, kleinkalibrige Geschosse oder ABC-Waffen ausgeschaltet.

 

Wie gesagt, es ist kein großer Fehler, aber wenn man von Baujahr 1950 ausgeht, dann muss man auch eine andere Bewaffnung in Betracht ziehen. Zumindest zusätzlich, wenn man diese Dinger wirklich so einfach auf jeden freien Platz schrauben konnte. Auch das klingt aber eher so nach Yamato und 1945, nur ein paar Jahre später sind Angriffe mit hunderten Propellerfliegern halt unwahrscheinlich geworden.

 

Alles richtig, aber selbst eine schlechte Waffe ist besser als keine Waffe. Das Richten erfolgte nach Kreiskornvisier, ähnlich dem auf den Visiersäulen "Kolonka" verbauten. Hauptvariante war wie gesagt ein kleiner Handgriff zum Steuern der Hydraulik, als Resevevariante waren je ein Handrad für Höhe und Seite angebaut. Mit der Hydralik reichte die Folgegeschwindigkeit gegen Flugzeuge und Hubschrauber durchaus aus, gegen Raketen dann allerdings nicht mehr, aber da war auch eher das rechtzeitige Erfassen das Problem.

Von deinem Tip mit der provisorischen Wasserkühlung rate ich alledings ab, durch den Geschützumbau hättest du den Richtschützen recht schnell schön gar.

 

 

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19 hours ago, Graf_Orlok said:

Dennoch gibt es nichts, was auf einen schlechten Unterwasserschutz hinweisen würde. Die Japaner haben da ähnliche Glückstreffer gelandet wie die Briten ihrerseits auf die Bismarck ein halbes Jahr vorher. Ob der Unterwasserschutz der Sojus wirklich gut gewesen wäre, weiß auch niemand.  In der Praxis wurde er nie auf die Probe gestellt.  Mit dem italienischen Torpedoschutz ist da nicht viel zu erwarten.


Wie gesagt, das originale Pugliese-System war für Flugzeugtorpedos mit 250 bis 300 kg Sprengkopf ausgelegt. Bei Projekt 23 verwendete man zwar das gleiche Prinzip, legte es jedoch für Torpedos mit bis zu 750 kg Sprengkopf aus. Das hätte zwar wahrscheinlich ebensowenig funktioniert, aber gegen leichte Torpedos wohl zumindest besseren Schutz geboten als bei den Schiffen der Littorio-Klasse.

 

Bei der Prince of Wales lag der Konstruktionsmangel nur indirekt im Topedoschutz, da tatsächlich schon der erste Treffer zu einer starken Schlagseite geführt hat. Grund dafür ist, dass der Rumpf einfach zu klein war für ausgedehnte Schotts und zudem mit vier Antriebssträngen vollgestopft. Stattdessen hat man ein Mittellschott verwendet, und weil die Unwucht der beschädigte Welle die Querschotts aufgerissen hat, konnte die Backbordseite volllaufen bis zum vorderen Maschinenraum. Das Schiffe wäre also wahrscheinlich auch so gesunken, ohne die weiteren Treffer die den Seitenschutz verfehlten.

 

Bei Projekt 23 hätte so ein Treffer sogar noch größere Schäden anrichten können, da der vorderere Turbinenraum wie erwähnt direkt hinter Turm B lag. Die Welle hätte daher auch die Schotts des vorderen Kesselraums aufreißen können. Andererseits war der Rumpf 8 m breiter und es gab nur drei Schraubenwellen, d.h. die beiden äußeren waren auf Höhe des Maschineraums rund 3 m weiter von der Außenwand entfernt. Dazu verliefen die Wellen bei der POW rund 15 m außerhalb des Rumpfes und endeten in Gondeln, konnten daher leichter beschädigt werden. Man erkennt hoffentlich auf dem beigefügten Bild was ich meine. Das Antriebsschema dazu hab ich auch aufgezeichnet, aufgrund der wesentlich kleineren Größe muss ich das bei Gelegenheit aber nochmal maßstäblich überarbeiten bevor ich das zeigen kann. Außerdem werde ich mal gucken, ob ich was von der eher vergleichbaren Lion finde.

 

Unabhängig von dem Ergebnis daraus war aber ja die Kernaussage, dass es das perfekte Schlachtschiff nicht gibt und höchstens die Iowa-Klasse dem nahe kommt. Es geht also weniger darum, welches Schiff besser gewesen wäre, sondern darum, dass sich diese Frage gar nicht so leicht und eindeutig beantworten lässt wie manch einer vielleicht denkt.

 

Quote

Ganz schön hartes What-If, da alle 3 Gegner 1950 auch mehr und bessere Schiffe gehabt hätten. Zusätzlich haben die Sowjets immer das Problem, ihre Flotten aufteilen zu müssen, ohne einfach Schiffe verlegen zu können. Dadurch sind sie eigentlich immer irgendwo unterlegen. Außerdem ist die Ostsee sowieso eine Todesfalle, auch aus dem schwarzen Meer muss man erstmal irgendwie raus kommen.

Ist doch ganz einfach, da es in der Realität 1950 genau so war. Ob die einen jetzt mehr Schiffe gebaut haben oder die anderen weniger oder welche in irgendeinem Krieg verloren haben spielt zunächst keine Rolle. Und ebenso wie die Sowjets können auch Deutschland, Italien und Japan nicht alle ihre Schiffe z.B. in der Ostsee einsetzten. Das wäre ja genau die Frage auf beiden Seiten, wie man seine Schiffe effektiver hätte nutzten können und wie diese ausgehesen hätten.

KGV_115.jpg

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Wie angekündigt wollte ich ja noch die überarbeiteten Antriebsschemen nachreichen, um den Unterwasserschutz von Projekt 23 besser beurteilen zu können. Zum Unterwasserschutz gehört eben nicht nur der äußere Torpedoschutz, sondern auch die Raumaufteilung oder die Lage und Anzahl von Schrauben und Ruder. Wie man an der Legende erkennen kann ist das Ganze noch ausbaufähig, teilweise habe ich tatsächlich die Funktion jedes einzelnen Raums ermitteln können, aber eben nicht bei allen Schiffen. Im Moment ist daher alles außer dem Antrieb ausgeblendet. Beim Projekt 21 z.B. fehlen auch Informationen zur Panzerung. Falls da jemand noch zusätzliche Schnitte oder Deckspläne mit Bezeichnungen der einzelnen Räume in guter Qualität aus Büchern scannen und zur Verfügung stellen kann - z.B. auch von der Littorio-Klasse oder vom Projekt U.P. 41 als Vorbilder für Projekt 23 oder von der besser vergleichbaren Lion-Klasse - wäre ich natürlich sehr dankbar.

 

bb2-l1.png

 

Angeordnet sind die Zeichnungen so, dass das hinterste Schott des Maschinen- bzw. Kesselraums jeweils übereinander liegt. Geschnitten wurde in der Regel auf Höhe eines der Plattformdecks, bei Projekt 23 wie auch den anderen russischen Entwürfen zeigt die Zeichnung aber das Hold-Deck. Zum Verständnis:

 

  • Das unterste, durchgehende Deck heißt auf Englisch Hold-Deck. Die Bezeichnung kommt vom Hold auf Segelschiffen – dem engen Raum zwischen Schiffsboden und dem ersten richtigen Deck, in dem z.B. Taue vorgehalten wurden. Auf Deutsch bzw. Niederländisch nennt es sich Orlop-Deck, vereinfacht ausgedrückt das erste Deck, über das man von vorne bis hinten drüber laufen kann.
  • Das erste durchgehende Deck über dem Hold-Deck heißt Unterdeck. Da die Kessel über mehrere Decks gehen – diese also unterbrechen – kann man auch einfach sagen es ist das erste Deck über dem Maschinen- bzw. Kesselraum. Bei Schlachtschiffen ist es in der Regel auch das Panzerdeck, aber nicht z.B. bei größeren Schiffen wie der Iowa oder Yamato.
  • Die unterbrochenen Decks zwischen Hold-Deck und Unterdeck heißen Plattformdecks und werden von oben nach unten durchnummeriert. Die Iowa-Klasse hat z.B. drei davon. Sind es nur zwei wie z.B. bei der Bismarck kann man auch von oberem und unterem Plattformdeck sprechen, bei dreien auch vom mittleren Plattformdeck.
  • Die durchgehenden Decks zwischen Oberdeck und Unterdeck heißen passenderweise Zwischendecks. Ist es nur eins spricht man auch vom Mitteldeck, ansonsten erfolgt die Nummerierung wieder von oben nach unten. Aber Achtung: Bei der Iowa z.B. ist Deck 1 das Oberdeck, Deck 2 das Mitteldeck und Deck 3 das Unterdeck.
  • Das oberste, von Bug bis Heck durchgehende Deck heißt Oberdeck. Es kann – muss aber nicht – mit dem Hauptdeck identisch sein. Bei Segelkriegsschiffen z.B. ist das Hauptdeck oder Hauptbatteriedeck das oberste Deck mit den meisten Kanonen, d.h. es liegt ein Deck unter dem Oberdeck. Bei Kreuzfahrtschiffen z.B. ist es das Pooldeck mit dem Bordrestaurant, weil man sich dort tagsüber die meiste Zeit aufhält. Das liegt so 5 bis 10 Decks über dem Oberdeck bzw. viel mehr Promenadendeck.

 

Bei der Buchung im Reisebüro kann es aber wieder anders sein: Zunächst wird bei allen modernen Schiffen von unten nach oben nummeriert, d.h. direkt über der Wasserlinie kommt. z.B. Deck 3 und darunter Nr. 2 und Nr. 1. Dann befindet sich eine Kabine auf dem Hauptdeck z.B. auf Deck 4 oder 5, dort wo sich der Hauptzugang vom Anlagesteg befindet (auch Ausflugsdeck, Pier-Deck, Landungsdeck, …).  Bei amerikanischen Schiffen wird das Hauptdeck oft auch Deck 0 angesehen ähnlich dem Erdgeschoss bei einem Haus. Zwischendeck bezeichnet normalerweise die Kabinen zwischen dem Hauptdeck und den für die Passagiere nicht zugänglichen Bereichen (entspricht etwa der 3. Klasse bei der Titanic, nur das es heutzutage keine Kabinen mehr unter der Wasserlinie gibt). Oberdeck sind dann meist schon Suiten auf den Sonnendecks über dem Pooldeck (z.B. Deck 14 bis 16). Mitteldeck bezeichnet nicht nur ein Deck sondern alle Kabinen dazwischen (z.B. Deck 6 bis 13). Eine Kabine auf dem Hauptdeck verkauft sich eben besser als eine Kabine auf dem Unterdeck.

 

Das nur, damit niemand durcheinanderkommt, auf einem Kriegsschiff dürften eben die wenigsten schonmal gewesen geschweige denn mitgefahren sein, auf einem Ausflugsboot, einer Fähre oder einem größeren Passagierschiff dagegen wahrscheinlich so gut wie jeder.

 

 

New York

 

Um die Entwicklung zu zeigen, ist bei den Schemen die New-York-Klasse von 1914 als Beispiel für ein klassisches Schlachtschiff aufgeführt. Dargestellt ist allerdings der Stand von 1944 mit zusätzlicher Flakbewaffnung, deren Munition teilweise in den Räumen untergebracht ist, in denen bis 1925 noch Torpedos und Minen gelagert wurden. Ebenfalls wurden 1926 die 14 vorhandenen Kohlekessel durch sechs neue Ölkessel ersetzt. Das Grundproblem bleibt aber bestehen, man erkennt ja schön dass die rot markierten Kesselräume direkt aneinander liegen. Rot, weil ein beschädigter Kessel explodieren kann und höchstwahrscheinlich den größten Teil der Besatzung im gleichen Raum tötet. Liegen weitere Kessel daneben, können auch diese z.B. durch Schrapnelle beschädigt werden und folgt eine ziemlich üble Kettenreaktion. Ein Schaden an den Turbinen (orange) oder dem Ruder (gelb) ist da nicht so tragisch, im schlimmsten Fall fallen diese halt aus. Die Konsequenzen daraus können dann allerdings auch verehrend sein und bei der New York kann dieser Fall leicht eintreten, da Turbinen und Ruderanlagen auch direkt nebeneinander liegen. Lediglich die Generatoren sind verteilt, so dass immerhin Notstrom für Lenzpumpen, Beleuchtung, Funk und dergleichen nicht so leicht ausfallen sollte.

 

Die Decksbezeichnung ist ähnlich wie bei der Iowa und die Anzahl der Decks identisch, nur dass es kein drittes Plattformdeck gibt und dafür ein zusätzliches Halbdeck zwischen Mitteldeck/Deck 2 und Unterdeck/Deck 3. Es fällt auch sofort auf, dass das Schiff mit 175 m Länge im Vergleich zu 270 m bei der Iowa-Klasse deutlich kleiner ist. Zur Erklärung: Diese Schiffe hatten nur 28.900 PS und waren mit 21 Knoten sehr langsam, d.h. die Maschinenräume sind ein Deck niedriger. Eins zu eins kann man den Platzbedarf aber nicht vergleichen, da die Mehrfach-Expansions-Dampfmaschinen im Vergleich zu Turbinen bei gleicher Leistung größer sind.

 

Diese Schiffe waren außerdem nur mit 356 mm oder 14“ bewaffnet, d.h. die Barbetten der Türme gehen nur bis zum Unterdeck und Munitionskammern findet man nur auf dem ersten Plattformdeck darunter, abgesehen von ein paar kleineren Magazinen für Geschosse mit 3“ und 5“. Man hatte damals auch gerne mehr als drei oder vier Türme - in dem Fall sind es fünf. Jedenfalls würde man weder Türme noch Magazine sehen, oder umgekehrt keine Maschinenräume, wenn man auf Höhe des untersten Decks schneiden würde. Ergo liegt der Schnitt zwar wie bei der Iowa auf Höhe von Plattformdeck 2, die Aufteilung ist aber deutlich anders.

 

Tatsächlich liegen z.B. die Munitionskammern für die 14“ fast zur Hälfte über der Wasserlinie, während sie bei der Iowa-Klasse mindestens ein Deck tiefer liegen. Sie sind bei dieser also besser geschützt, aber sie liegen nicht aus diesem Grund ein Deck tiefer. Abgesehen davon ist der Schutz aber schon sehr gut und man findet viele Merkmale moderner Schlachtschiffe wieder: Es gibt zwei getrennte Generatorräume vor und hinter den Kesseln, die Kessel sind ebenso wie die Dampfmaschinen jeweils in eigenen Abteilungen aufgestellt und die Artillerieleitstände liegen bereits sehr tief auf der gleichen Ebene. Von Nachteil ist, dass es nur ein einzelnes Ruder gibt, und die beiden Schraubenwellen links und rechts davon über 20 m ungeschützt außerhalb des Rumpfes verlaufen. Auch das ist aber eher ein positiver Nebeneffekt bei Schiffen mit drei oder vier Antriebssträngen, d.h. der bessere Schutz bei diesen ergibt sich aus der höheren Leistung.

 

 

Iowa

 

Die Iowa wurde ja schon mehrfach erwähnt, ich finde man erkennt aber auch aus den Zeichnungen sehr gut, dass es sich wohl mit Abstand um das beste tatsächlich gebaute Schlachtschiff handelt. Wir haben nicht nur ein Musterbeispiel für die gestaffelte Aufstellung von Turbinen, Kesseln und Hilfsmaschinen, sondern auch für die All or nothing Panzerung, d.h. Bereiche sind entweder so gut es geht geschützt, oder eben gar nicht. Mit Ausnahme z.B. der Barbetten der Türme, die zumindest einen gewissen Schutz für die Munitionslager bieten, sollte eine Granate die Turmpanzerung überwinden.

 

 

Projekt 21

 

Ich hatte eigentlich die Richelieu-Klasse im Sinn, aber das Projekt 21 bietet sich ja fast noch besser an für die konzentrierte Aufstellung der Türme auf dem Vorderdeck. Es ist mit Abstand die effizienteste Variante, wie sie auch die Briten bei der Nelson-Klasse gewählt haben, um trotz 9 Geschützen mit Kaliber 406 mm unter der Grenze von 35.000 t zu bleiben. Im Vergleich zum Projekt 23 z.B. ist der Maschineraum fast 20 m kürzer und das bedeutet eben auch 20 m weniger Panzergürtel. Der Nachteil liegt auf der Hand, man hat eine ähnlich dicht gedrängte Anordnung wie bei der New-York-Klasse, d.h. es ist sehr wahrscheinlich, dass durch einen einzigen Treffer der gesamte Antrieb oder die gesamte Hauptbewaffnung ausfällt bzw. das ganze Schiff in die Luft fliegt.

 

 

Projekt 23/24  

 

Über Projekt 23 würde schon zu genüge gesprochen, ebenso über Projekt 23NU mit der getauschten Aufstellung von Kesseln und Turbinen, um eine kürzere Schraubwellenlänge zu erzielen. Ein Vorteil der Sovetskiy Soyuz war die Anordnung der Maschinen. Projekt 24 treibt die gestaffelte Aufstellung auf die Spitze, sogar noch weiter als bei der Iowa-Klasse, indem zwischen den einzelnen Abteilungen in Längsrichtung zwei Schotts liegen und dazwischen Nebenräume mit etwa 6 m Länge. Im schlimmsten Fall fällt also ein Kessel, eine Turbine und ein Generator aus, von jeweils vier Stück. Bei der Iowa würde dagegen bei einer Explosion im Kesselraum wohl auch die beiden benachbarten Turbinenräume Schaden nehmen, dann sind 50 % der Antriebsleistung weg und im schlimmsten Fall - wenn es die beiden innenliegenden Schrauben betrifft - auch jegliche Ruderwirkung. Da hilft es dann auch wenig, wenn noch 6 von 8 Kesseln intakt sind, oder umgekehrt, wenn 50 % der Kessel beschädigt oder zerstört sind und noch 3 von 4 Turbinen laufen. Interessant finde ich auch, dass Projekt 24 Bugstrahlruder hatte, die das Manövrieren natürlich enorm verbessern. Das wäre nicht nur was für die engen Häfen der Kriegsmarine gewesen, sondern ist auch einer von vielen Punkten im Spiel, der bei der Kreml zu kurz kommt, mit Ausnahme der Hauptbewaffnung, die ja nicht mit 457 mm geplant war. Dafür müsste beispielsweise die moderne Sekundärbewaffnung doppelt so schnell und doppelt so weit schießen und dabei mit Radar noch doppelt so genau treffen und auf die Art hätte man auch die 406 mm balancen können. Klar, das Schiff wäre ja erst so 1950 vom Stapel gelaufen und gehört im Spiel eher auf Tier XI, aber in der Realität wäre es wohl noch viel deutlicher überlegen gewesen. Für die älteren Projekte mag das nicht gelten, aber viel schlechter als die Schiffe anderer Nationen wären sie wohl nicht gewesen, zumindest sind viele Dingen schon sehr gut durchdacht.

 

 

Yamato

 

Die Aufteilung der Yamato erinnert doch stark an die New-York-Klasse bzw. die klassische Anordnung sämtlicher älteren Schlachtschiffe. Alles liegt dicht gedrängt nebeneinander, als einziges Schiff überhaupt sogar die vier großen Turbinen. Sie ist zwar auch fast 6 m breiter als die Iowa, bei der die Turbinen aber hintereinander stehen und der Abstand zwischen Maschinenraum und Außenhaut sogar noch größer ist. Der Unterschied zur New York liegt darin, dass mehr Platz benötigt wird für die mit 150.000 PS mehr als fünffache Leistung, aber eben nur etwa doppelt so viel. Über die maßstabsgetreuen Zeichnungen hab ich jetzt ja auch die Möglichkeit Flächen zu berechnen, da kommt man bei der Yamato für Kessel und Turbinen auf etwa 1.400 m², bei der New York sind es etwa 760 m². Im Detail sind bei der New York außerdem jeweils zwei Kessel in einem Raum aufgestellt, während bei der Yamato jeder in einer eigenen kleinen Abteilung steht und durch Schotten abgetrennt ist, die jedoch höchstens gegen Wassereinbruch schützen und nicht gegen Granaten.

 

Eine Besonderheit ist der zentrale Kabelgang, wobei man etwas ähnliches auch bei der New York-Klasse findet. Auch bei der Iowa-Klasse wird der Strom für Geschütztürme, Sensoren usw. über einen Gang über dem Maschinenraum verteilt, der hier auf dem Schema eine Etage tiefer natürlich nicht dargestellt ist. Gleichzeitig ermöglich es der Gang auch von A nach B zu kommen, er wird daher auch oft als „Broadway“ bezeichnet. Der Vorteil bei so einer Lösung ist, dass die Leitungen gut geschützt in der Schiffsmitte verlaufen. Der Nachteil ist, dass bei einem Treffer hier alle Systeme ohne Strom dastehen und nicht nur das: Hier verlaufen auch die Leitungen zwischen den Artillerie-Beobachtungsständen, Sensoren, Gefechtszentralen und Geschütztürmen. Die andere Variante ist – wie bei den meisten anderen Schlachtschiffen dieser Zeit und wohl auch den russischen Entwürfen – dass die Leitungen mehr oder weniger wild unter dem Panzerdeck über die gesamte Breite des Schiffs verlaufen. Theoretisch können auch diese beschädigt werden, häufig waren sie aber redundant z.B. an Steuerbord und Backbord vorhanden. Bei der Yamato kommt noch dazu, dass der Kabelgang im Gegensatz zur Iowa unter der Wasserlinie liegt, d.h. bei einem Wassereinbruch nicht nur Kurzschlüsse entstehen, sondern auch das Wasser schön im ganzen Schiff verteilt wird.

 

 

Bismarck

 

Bei der Bismarck haben wir zunächst die Besonderheit der Turtleback-Panzerung, die auf dem Schema jedoch nicht zu erkennen ist. Das Panzerdeck liegt etwa auf Höhe der Wasserlinie und ist seitlich abgeschrägt, bei der Iowa hingegen liegt das Panzerdeck etwa eine Etage über der Wasserlinie – der eine oder andere erinnert sich vielleicht daran, wie die Zitadelle im Spiel abgesenkt wurde. Davor waren die tieferliegenden Bereiche wie in der Realität bei der Bismarck besser geschützt, zumindest auf kurze Distanzen, bei denen die Granaten in einem flachen Winkel auf die abgeschrägte Panzerung treffen. Der Nachteil ist, dass zumindest ein Teil der Leitungen außerhalb der Zitadelle über der Wasserlinie verläuft und nach oben nur durch das Oberdeck mit 50 mm und seitlich durch den hochgezogenen Gürtelpanzer mit 150 mm geschützt sind. Man kann sich vorstellen was passiert, wenn hier eine Granate hier explodiert, in der Realität ist ja dadurch auch die Feuerleitung ausgefallen.

 

Auch der Antrieb der Bismarck ist kompakt und nicht gestaffelt untergebracht, ähnlich wie beim Projekt 24 liegen jedoch jeweils zwei Schotten und ca. 7,50 m mit Hilfsmaschinen zwischen den einzelnen Abteilungen. Diesen Luxus kann man sich erlauben, da durch die relativ kleinen Geschütztürme mit Kaliber 38 cm  darunter noch Platz verbleibt – und irgendwo müssen die Nebenaggregate ja sowieso hin. Wer sich nicht mehr an Projekt 23 erinnert: Hier musste ja Turm C im Vergleich zu Turm B um ein Deck angehoben werden, da darunter die Welle für die mittlere Schraube verläuft. Bei der Bismarck ist darunter noch Raum für zwei oder drei Decks.

 

 

H-Klasse

 

Die Mängel der Bismarck lassen sich anhand der geplanten Verbesserungen der H-Klasse erkennen. Auch die Erfahrung mit der Scharnhorst-Klasse zeigte, dass der Unterwasserschutz nicht ausreichend war. So wurde nicht nur die Zitadellenpanzerung erhöht, sondern auch die Schiffsbreite um etwa einen Meter auf 37 m, um den Abstand zwischen Außenhaut und Torpedoschott zu vergrößern. Zum Vergleich war die Iowa-Klasse 3 m schmäler als die Bismarck und hatte Drillingstürme. Die Scharnhorst war sogar 6 m schmäler als die Bismarck, sollte ja aber die gleichen Zwillinge mit 38 cm bekommen. Insbesondere der hintere Torpedoschutz wurde außerdem verstärkt und ein Dreifachboden wie bei der Iowa-Klasse statt einem Doppelboden vorgesehen. Zusätzlich wurden am Heck starre Flossen angebracht, die Wellen und Schrauben schützen sollten, und die beiden parallel angebrachten Ruder konnten abgesprengt werden, falls sie sich verklemmen.

 

Eine Besonderheit war außerdem, dass der Antrieb ausschließlich mit 12 Dieselmotoren vorgesehen ist, die paarweise nebeneinanderstehen. Für die Stromversorgung waren ebenfalls 12 Generatoren vorgesehen und zur Notstromversorgung noch vier Hilfskessel in der Mitte des Schiffs - zwei ölbefeuerte und zwei, die mit deren Abgasen beheizt wurden und ein Deck darüber lagen. Jedes Dieselpaar teilt sich ein Getriebe mit zwei Kupplungen, so dass wahlweise ein bis vier Motoren pro Welle gefahren werden können. Dargestellt ist H-39, da H-41 ja deutlich größer werden sollte und für die gleiche Geschwindigkeit mangels ausreichend leistungsstarker Motoren einen gemischten Antrieb aus Dieselmotoren und Turbinen erhalten hätte. Die Entwürfe für H-42, 43 und 44 wiederum waren nicht sehr weit fortgeschritten, außerdem unterschieden sich die Quellen gerade beim Antrieb. Die einen sprechen von reinen Dieselantrieb, die anderen vom Mischantrieb, während als zusätzliche Variante noch der Dieselelektrische Antrieb genannt wird.

 

Generell ist die Idee Diesel zu verwenden nicht sonderlich neu, z.B. sollte schon 1909 die SMS Prinzregent Luitpold so angetrieben werden, das wurde jedoch verworfen, da Öl importiert werden musste und Kohle in Deutschland abgebaut werden konnte. Das zweite Problem ist, dass Diesel zwar effizient arbeiten und so eine höhere Reichweite bei gleichem Brennstoffgewicht ermöglichen (laut SpringSharp z.B. bei 165.000 PS und 8.000 Meilen 7.575 t Diesel oder 10.438 t Kohle), aber damals noch vergleichsweise groß und schwer waren. Beispielsweise hatte ein U-Boot-Motor im 1. Weltkrieg wie der MAN S6V 45/42 bei 300 U/min 700 PS und 25 t Gewicht, d.h. ein Leistungsgewicht von 36 kg/PS. Zu Beginn des 2. Weltkriegs hatte ein U-Boot vom Typ VII/A (Stapellauf 1936) zwei MAN Sechszylinder-Dieselmotoren M6V 40/46 mit einer Leistung von 1.050 PS bei 470 U/min und einem Gewicht von 19 t pro Motor, d.h. ein Leistungsgewicht von 18 kg/PS, also genau die Hälfte. Die MAN-Neunzylinder M9Z 42/53 der Graf Spee (Stapellauf 1934) hatten 6.655 PS bei 250 U/Min und 100 Tonnen Gewicht, d.h. ein Leistungsgewicht von 15 kg/PS. Die MAN Neunzylinder M9Z 65/95 für die H-39 wogen rund 225 t und hatten eine Dauerleistung von 12.500 PS bei 256 U/min und eine Notleistung von 13.750 PS bei 265 U/min. Das ergibt eine Leistungsgewicht von 16 bis 18 kg/PS, also alles relativ ähnlich.

 

H-41 hätte jedoch rund 100.000 PS zusätzlich benötigt, also theoretisch mindestens 1.500 bis 1.800 t zusätzliches Gewicht, wobei wir hier nur von den Dieselmotoren reden ohne Generatoren, Lüftung, Rohrleitungen, Brennstoff, Getriebe,… Die Graf Spee z.B. hatte zusätzlich vier Fünfzylinder-Hilfsmotoren MAN M5Z 42/48 mit je 900 PS (?) für den Antrieb von Pumpen und Gebläsen sowie acht Dieselgeneratoren mit 4.500 PS für den elektrischen Strom, d.h. hier kommen noch einmal ca. 18.000 PS oder um die 300 t an Gewicht dazu plus vielleicht 150 t für die Generatoren. Bei der H-41 mit der fünffachen Leistung wären es entsprechend über 2.000 t oder in Summe dann um die 6.000 t Motorengewicht.

 

Dagegen benötigt man bei Dampfturbinen für die Stromerzeugung lediglich Turbogeneratoren, die wesentlich weniger wiegen, da hier nur der Dampf genutzt und nicht erzeugt wird und die Drehzahlen höher sind. Dazu kommen dann allerdings meistens noch so zwei bis vier kleinere Dieselgeneratoren als Notstromversorgung. Der Diesel hatte dafür auch einen Teil seines Hauptvorteils verloren, da die optimale Schraubendrehzahl so um die 100 U/min liegt, und die ersten Diesel auch nicht viel schneller liefen. Bei den leistungsstärkeren Varianten mit 200 bis 400 U/min braucht man wie bei den Turbinen mit über 2.000 U/min ein Untersetzungsgetriebe, das zwar entsprechend etwas weniger aufwändig ist, aber bei der Graf Spee z.B. immer noch rund 50 Tonnen pro Stück wog.

 

Ein paar Jahre später allerdings macht der Diesel einen mächtigen Schritt, der MAN V12Z 32/44 der Z-51 (Stapellauf 1944) leistete da schon 10.000 PS bei 600 U/min. und nur noch 56 t, eine geplante Version mit Turbolader sogar 16.000 PS bei 66 Tonnen, d.h. ein Leistungsgewicht von 5,6 kg/PS ohne und 4 kg/PS mit Turbolader. Der Motor war allerdings auch nicht sehr zuverlässig, und bis man diese auch im größeren Maßstab hinbekommen hätte, wären vielleicht noch einmal fünf oder sogar zehn Jahre vergangen. Tatsächlich wurden größere Kriegsschiffe bis 1960 ausschließlich von Dampfturbinen angetrieben und auch danach hat sich daran nicht viel geändert, der Dampf wird lediglich mit einem Atomreaktor erzeugt oder die Turbine mit Gas angetrieben.

 

Prinzipiell ist die Maschinenanordnung natürlich super, selbst wenn zwei nebeneinanderstehende Dieselmotoren nach einem Treffer ausfallen, so sind immer noch 10 Stück oder über 80 % des Antriebes intakt. Der Dieselmotor ist auch nicht sonderlich anfällig für Schäden durch Schrapnelle, im schlimmsten Fall gerät auslaufendes Öl in Brand, aber es kann nicht zu einer verheerenden Explosion wie bei einem Dampfkessel oder einer Verfolgungsjagd im Fernsehen kommen. Bei einem Treffer auf das Getriebe kann allerdings der gesamte Antriebsstrang blockieren und da das bei einem Torpedo immer eine der beiden äußeren Wellen betrifft, muss man zum Ausgleich wohl auch die andere Welle abstellen, d.h. es läuft nur noch die mittlere Schraube und zwei Drittel der Leistung sind weg.

 

Bei den Stromgeneratoren in Dreiergruppen fallen bei einem Treffer höchstwahrscheinlich alle drei aus, also fehlen 25 % der gesamten Leistung. Das kann aber das schon den Antriebsausfall eines Geschützturms bedeuten, denn sofern die vorderen und hinteren Generatoren jeweils nur Bug und Heck versorgen, fallen dort eben 50 % des Stroms weg. Sind Bug und Heck miteinander verbunden lässt es sich sicher ausgleichen, man wird nur irgendwelche anderen elektrischen Systeme abschalten müssen. Man plant ja auch heute noch solche Systeme mit 20 - 30 % Reserve. Besser wären natürlich 50 % Reserve, das würde dann aber noch einmal zusätzliche 750 t bedeuten.    

 

Dieselelektrischer Hybridantrieb ist auch nicht so leicht, so etwas ähnliches hatte schon 1920 die USS Tennessee und später z.B. auch New Mexico, Langley und Lexington, nur eben mit ölbefeuerten Kesseln und Turbogeneratoren, die jeweils ein oder zwei Elektromotoren je Welle antreiben. Im Falle der Lexington wurden so immerhin bei Testfahrten 210.000 PS oder 26.250 PS pro Motor erzeugt. Durchgesetzt hat sich der Antrieb nur deshalb nicht, da der Elektromotor quasi das Untersetzungsgetriebe ersetzt, aber statt 100 t eher so 300 t wiegt. Kessel und Turbinen sind identisch, dazu kommen aber die angeflanschten Generatoren, die ja nichts anderes sind als umgekehrte Elektromotoren und entsprechend schwer sind. Es gibt dabei nur eine Besonderheit: Beim Generator hängt das Gewicht von der Drehzahl ab, d.h. wenn er sich doppelt so schnell dreht, erzeugt er auch doppelt so viel Leistung, ohne dass er größer oder schwerer werden muss. Das ist natürlich perfekt für Turbinen mit hohen Drehzahlen, d.h. so ein Generator wiegt dann nicht 300 t sondern vielleicht nur so 50 t. Und im Gegenzug fallen ja die Generatoren für den sonstigen Stromverbrauch weg, es bleibt also im Wesentlichen bei dem erwähnten Mehrgewicht durch die Motoren – bei 8 x 200 t kommt da aber trotzdem ganz schön was zusammen. Man hat hier was die Drehzahlen angeht eben das umgekehrte Problem: Die Elektromotoren sollen ja die Schrauben mit 100 U/min antrieben, laufen also sehr ineffizient und sind damit ähnlich groß und schwer wie Dieselmotoren. Heutzutage gibt es E-Motoren mit bis zu 400.000 U/min und das Leistungsgewicht sinkt damit bis auf etwa 0,15 kg/PS! Ein großer Motor mit dieser Drehzahl ist natürlich sehr schwierig zu bauen, aber selbst bei 0,3 oder 0,6 kg/PS wäre man nur noch bei 30 bis 60 t für 100.000 PS! Kombinieren müsste man das bloß mit einem Wasserstrahlantrieb oder etwas Ähnlichem ohne Schrauben, sonst spart man zwar 1.000 t beim Motorgewicht ein, die man für Getriebe wieder verliert. 

Beim Diesel wäre es so, dass die Generatoren durch die niedrigen Drehzahlen sehr schwer wären, also bei H-41 mit 260.000 PS und drei Schraubwellen etwa 150 t für Getriebe bzw. Kupplungen entfallen, dafür aber an die 3.000 t für Generatoren dazukommen. Also selbst wenn man das damals verfolgt hat, wäre es technisch kaum bzw. nur mit diesem enormen Nachteil umsetzbar gewesen.

 

Der Mischantrieb mit Diesel und Turbinen wie z.B. bei der Königsberg-Klasse hat dann wieder den Nachteil, dass die Diesel ein anderes oder gar kein Getriebe benötigen, d.h. man hat entweder einen Kupplungsvorgang – der hier rund 15 Minuten dauerte, um von halber Kraft auf äußerste Kraft zu kommen – oder wie bei der Leipzig-Klasse drei Schrauben, bei denen nur die mittlere über Diesel angetrieben werden kann. Für einen Kreuzer mag das funktionieren, ein Schlachtschiff sollte sich ja aber nicht nach einem Treffer noch gerade so irgendwie in die Werft schleppen können, sondern möglichst unbeeindruckt weiterkämpfen und dabei maximal ein oder zwei Knoten langsamer fahren. Am besten sind daher vier Turbinen wie bei Iowa, Yamato und selbst der kleinen King George V oder eben auch dem Projekt 24. Fällt bei letzterer eine Turbine aus, hat man immer noch 162.000 PS zur Verfügung und das reicht für eine Geschwindigkeit von ca. 28 Knoten anstatt von 30 Knoten. Beim Mischantrieb besteht dagegen immer die Gefahr, dass ein System komplett ausfällt und damit ein viel größerer Anteil der Leistung fehlt, einfach weil die gestaffelte Aufstellung verschiedener Systeme kaum möglich ist. Man müsste ja den einen Diesel an Steuerbord aufstellen und den anderen so 40 m weiter hinten an Backbord. Jeweils 20 m dahinter kämen dann die beiden Turbinen an Steuerbord und Backbord, d.h. die Wellen müssten über Kreuz laufen oder das mittlere Schraubenpaar kann nicht vom Diesel angetrieben werden. Das Ganze erkauft man sich dann auch noch mit einem Mehrgewicht, dass den Reichweitenvorteil auffrisst.

 

Ich meine daher man hätte sich entscheiden müssen, was einem wichtiger ist, Größe, Schutz, Reichweite oder Geschwindigkeit. Ein kleineres Schiff so mit 50.000 t zwischen Bismarck und H-39 hätte man wohl Mitte der 40er-Jahre schon ohne große Nachteile mit reinem Dieselantrieb bauen können. Ebenso wäre auch das Mehrgewicht bei einem fortschrittlichen, turboelektrischen Antrieb weniger dramatisch gewesen. Ich denke es wären nur noch so etwa 1.000 t gewesen, dafür wären Systemausfälle fast unmöglich, wenn man jederzeit etwas Strom vom Antrieb abzweigen kann. Man darf aber auch nicht vergessen, dass für genau solche Fälle irgendwo ein oder mehrere zentrale Schalträume erforderlich sind, wo alle Leitungen zusammenlaufen, und die dann natürlich wieder sehr anfällig sind. Ebenso verträgt sich Wasser und Strom erfahrungsgemäß nicht ganz so gut, während beim Untergang der Titanic z.B. erst die Lichter ausgegangen sind, als der Rumpf in der Mitte auseinandergebrochen ist.

 

Am besten scheidet dann wohl doch der Mischantrieb mit 3 Schrauben ab, bei dem die Dieselmotoren nur für die Marschfahrt ausgelegt sind. Für 15 Knoten z.B. würden schon rund 20.000 PS reichen, das Mehrgewicht dadurch läge dann nur etwa bei 300 t. Die Turbinenanlage wäre dann trotzdem für 30 Knoten ausgelegt, bei voller Fahrt voraus könnte der Marschdiesel dann auf Generatoren umgekuppelt werden und im Gefecht zusätzlichen Strom erzeugen, man könnte also sogar einen Teil des Gewichtes wieder einsparen. Alternativ könnte der Diesel bei äußerster Kraft für eine Geschwindigkeit von 30,5 bis 31 Knoten zugeschaltet werden. Der Hauptvorteil ist natürlich, dass man so schneller Fortschritte bei dieser Technik erzielt und das nächste Schiff dann ausschließlich mit dieser Technik ausstatten kann. Hauptnachteil wäre eben der hohe Leistungsverlust, wenn eine von nur zwei Turbinen ausfällt. Eine weitere Variante wäre ein Mix aus Turbo- und Dieselelektrischem Antrieb: Sowohl Turbinen als auch Diesel erzeugen Strom, der Strom treibt drei Elektromotoren an, wo der Strom herkommt ist denen ziemlich egal. Das Mehrgewicht läge dann so bei etwa 1.500 t, da nur die Hälfte der Generatoren dieselbetrieben und schwer wäre. Das Schiff hätte also insgesamt vielleicht etwas weniger Reichweite oder Leistung gehabt und damit etwas weniger als 30 Knoten erreicht, dafür den sehr guten Ausfallschutz wie beim turboelektrischen Antrieb mit dem gewissen Risiko von Kurzschlüssen.

 

 

King George V

 

Die KGV bzw. die Prince of Wales hat ja eigentlich den Stein hier erst ins Rollen gebracht, da sie wie gesagt durch relativ leichte Flugzeugtorpedos gesunken ist. Diese haben die beiden ungünstig angebrachten äußeren Schrauben schwer beschädigt, die Steuerbordwelle wurde durch die Explosion sogar um 90° über die innenliegende Schraubwelle gebogen, der Außenbordschaft und die Schraube an Backbord wurden komplett abgerissen, wodurch eine Unwucht entstand. Der Rest der Welle hat dann über eine Länge von ca. 60 m bis zum vorderen Maschinenraum alle Schotts aufgerissen, wodurch das Schiff volllief und aufgrund der besonderen Konstruktion mit dem Mittelschott starke Schlagseite bekam und kenterte.

 

Nicht nur Projekt 23 sondern jedes andere Schlachtschiff hätte hier wohl besser abgeschnitten, da diese kein Mittelschott besaßen und entweder nur drei Schrauben hatten oder deutlich größer waren, d.h. immer ein paar Meter mehr Abstand zwischen Explosion und Schraube aufzuweisen konnten. Wie gesagt, ich behaupte nicht, dass Projekt 23 das beste Schlachtschiff der Welt gewesen wäre, aber was den Unterwasserschutz angeht, kann man es wohl kaum als schlechter bezeichnen als die KGV oder z.B. auch die Scharnhorst-Klasse.

 

Was den Glückstreffer angeht muss man noch erwähnen, dass die Chancen am besten stehen diesen zu überleben, wenn die Wellen möglichst kurz sind und nicht über eine lange Strecke wüten können. Das sind dann eigentlich alle Schiffe mit einer klassischen Aufstellung wie eben die Yamato, Bismarck oder auch die New York und das Projekt 21, wobei die Yamato natürlich den massivsten Schutz bietet, gefolgt von der New York mit nur zwei Schrauben. Den Vorteil der Ausfallsicherheit bei der gestaffelten Aufstellung erkauft man sich mit längeren Schraubwellen und eben dieser Schwachstelle. Ebenso erhöhen mehr Schrauben nicht nur die Leistung, sondern auch die Gefahr für ebensolche Glückstreffer. Das gilt wohl grundsätzlich für jede Art der Verbesserung, wie man auch an der langen Ausführung zum Antrieb der H-Klasse erkennen kann. Oft gibt es aber auch einfache Lösungen, z.B. hat man bei der H-Klasse ja wie erwähnt ganz simple Flossen vorgesehen und Sprengladungen für die Ruder, so dass eine Beschädigung der Schrauben oder ein verklemmtes Ruder praktisch ausgeschlossen ist.

 

  

 

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Die Amis haben aber 'ne ganze Weile am Turboelektrischen Antrieb festgehalten, korrigiert mich wenn ich mich irre, erst bei der Iowa ging man wieder zu direktem Antrieb über. Der Vorteil, den Innenraum freizügeig gestalten zu können, ohne auf Wellen oder Getriebe Rücksicht nehmen zu müssen überwiegt das Mehrgewicht. Ich kann die Antriebsanlage besser in Einheiten unterteilen, welche jeweils unabhängig die Fahrmotoren versorgen können, unter dem Aspekt der Standkraft nicht zu verachten. Damals waren die Amis ja noch auf dem Feuerkraft und Standfestigkeit vor Geschwindigkeit- Tripp, ganz im Gegensatz zu den Engländern, welche ja in der Geschwindigkeit den besten Schutz sahen. Man sollte also bei den Betrachtungen der Schiffskonstruktionen auch immer ein wenig den nach jeweiligen Gefechtsvorstellungen schauen

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On 12/4/2019 at 4:37 PM, Tigrinhos said:

Oft gibt es aber auch einfache Lösungen, z.B. hat man bei der H-Klasse ja wie erwähnt ganz simple Flossen vorgesehen und Sprengladungen für die Ruder, so dass eine Beschädigung der Schrauben oder ein verklemmtes Ruder praktisch ausgeschlossen ist.

Insgesamt ein sehr guter Beitrag, aber bei dem ziterten muss ich schon Fragen, welcher Entwurf der H-Klasse das gewesen sein soll. Die Schiffe wurden 1939 auf Stapel gelegt, die Bismark wurde aber erst 1941 versenkt. D. H. bei der H-39 hätten die Ingineure kaum aus dem Bismarck-Desaster lernen können. Das wäre erst ab der H-41 der Fall gewesen.

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